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Salt Lake City : Keine Feuerpause während Olympischer Winterspiele

  • Aktualisiert am

IOC-Präsident Jacques Rogge: Plädoyer für Olympischen Frieden Bild: AP

US-Präsident Bush hat angekündigt, dass es während der Winterspiele in Salt Lake City keine Feuerpause im Afghanistan-Krieg geben werde.

          Die Aussichten auf einen "Olympischen Frieden" während der Winterspiele vom 8. bis zum 24. Februar in Salt Lake City sind fast auf den Nullpunkt gesunken.

          US-Präsident George W. Bush will während der Olympischen Winterspiele keine besondere Feuerpause im Afghanistan-Krieg erklären. Er werde aber im Dezember in den Vereinten Nationen eine Resolution einbringen, die sich für die Sicherheit der olympischen Athleten und einen friedlichen Wettbewerb einsetzt. Das ist das ernüchternde Ergebnis eines Treffens des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, und Bush im Weißen Haus.

          Olympia "so sicher wie möglich"

          Das IOC hatte mehrfach einen „Olympischen Frieden“ als „wünschenswert“ bezeichnet, fand damit jedoch kein Gehöhr. Die USA werden lediglich einen allgemein gehaltenen, stark verwässerten Aufruf zum „friedlichen Wettstreit“ am 11. Dezember vor der UN-Vollversammlung einbringen. Das Wort „Olympischer Frieden“ sei in der Erklärung nicht enthalten, wie Sean McCormack, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, nach dem Treffen erklärte.

          Vor der Begegnung mit Bush bekräftigte Rogge, dass die Spiele „so sicher sind wie nur möglich“. Die Vorkehrungen deckten „alle Szenarios von möglichen Ereignissen“ ab.

          Seit 1972 schärfste Sicherheitsmaßnahmen

          Der Belgier teilte weiter mit, dass sich Afghanistan wieder an den Olympischen Spielen beteiligten könne, wenn sich die Lage dort stabilisiert habe. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei dies noch nicht gegeben, und es sei daher noch nicht möglich, einen vor zwei Jahren verfügten Olympia-Bann aufzuheben. Grund für den damaligen Schritt war unter anderem, dass die Taliban-Führung eine Beteiligung von Frauen abgelehnt hatte.

          Rogge wies erneut darauf hin, dass als Konsequenz aus der blutigen Entführung von Mitgliedern der israelischen Mannschaft bei den Spielen von 1972 in München bei allen folgenden Spielen bereits schärfste Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden seien. Dieses Konzept sei nach den Terroranschlägen vom 11. September überprüft worden und bereits so gut gewesen, dass es keine größeren Änderungen mehr erfordert habe. Aber so optimal die Vorkehrungen auch seien, schränkte Rogge ein, müsse man sich darüber im Klaren sein, dass es „natürlich keine völlig sicheren Häfen gibt“.

          Winterspiele standen nicht zur Disposition

          Rogge betonte, dass das IOC zu keinem Zeitpunkt daran gedacht habe, die Winterspiele abzusagen. Sie seien im Gegenteil wegen der vom Sport vermittelten Werte wichtiger denn je. „Die Spiele müssen die Antwort auf die Anschläge und dürfen kein Opfer sein“, fügte der IOC-Präsident hinzu.

          George W. Bush wäre am 8. Februar nicht der erste Gastgeber in der Geschichte, der Olympische Spiele als „Kriegsherr“ eröffnet. 1980 waren sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschiert, als die Sommerspiele in Moskau stattfanden. Damals hatten zahlreiche westliche Länder die Spiele boykottiert, unter ihnen auch die Bundesrepublik.

          Keine Boykott-Spiele

          Mit ähnlichen Auswirkungen ist diesmal nicht zu rechnen. „Kein einziges eingeladenes Nationales Olympisches Komitee hat bisher seine Teilnahme abgesagt“, gab Rogge in Washington bekannt.

          Die Vereinten Nationen hatten 1993 vor den Winterspielen von Lillehammer 1994 erstmals an die antike Tradition eines Aufrufes zum Olympischen Frieden angeknüpft. Der damalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch war kurz vor der Eröffnung sogar noch ins umkämpfte Sarajevo gereist, um - vergeblich - eine Waffenruhe zu erreichen.

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