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Salt Lake City : IOC-Präsident Rogge: “Die Spiele sind die beste Antwort auf die Gewalt“

  • Aktualisiert am

Klare Ziele: Jacques Rogge Bild: dpa

Die Olympischen Spiele dürfen kein Opfer der Gewalt werden, betont der neue IOC-Präsident Rogge. Für Salt Lake City will er um Frieden bitten.

          3 Min.

          26 Tage bevor Jacques Rogge in Salt Lake City seine ersten Olympischen Spiele als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) eröffnen wird, stellte er sich beim Neujahrsempfang des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in Berlin am Wannsee den aktuellen Fragen nach der Sicherheit bei den Winterspielen vom 8. bis zum 24. Februar in den vom Terror erschütterten Vereinigten Staaten.

          Die Spiele in den USA, die im von Präsident George W. Bush ausgerufenen Krieg gegen den Terror in Afghanistan noch immer Bomben abwerfen, werden die erste große Bewährungsprobe für den Belgier. In den ersten sechs Monaten seiner Amtszeit hat Rogge die großen in ihn gesetzten Hoffnungen auf weitere Reformen noch nicht erfüllen können. Der von ihm angesetzte Reformkongress im Herbst in Mexiko soll den nötigen Wandel vorantreiben, könnte aber auch einen Rückschritt bewirken, wenn sich die konservativen Kräfte im IOC durchsetzen. FAZ.NET fasst vor den Winterspielen die Standpunkte des neuen Präsidenten zu den aktuellen Fragen der Olympischen Bewegung zusammen.

          Rogge zu Olympischen Spielen in einem kriegführenden Land und den Folgen des 11. September:

          Wir haben die Garantie der US-Regierung, dass alle Athleten aus allen Ländern ungehindert einreisen können und wir haben Sicherheitsgarantien, so dass wir die Spiele in Salt Lake City durchführen können. Nach dem 11. September haben wir uns mit der Regierung, mit dem Organisationskomitee und mit den Nationalen Olympischen Komitees in Verbindung gesetzt. Nach zwei Tagen haben wir die Versicherung erhalten, dass die US-Regierung, die lokale Regierung und die NOKs die Spiele unterstützen werden.

          Fachgespräch in Berlin: Jacques Rogge und Walter Tröger

          Die Spiele sind die beste Antwort auf die Gewalttaten, nicht das Opfer der Gewalttaten. Das ist genau die Haltung die Avery Brundage und das IOC 1972 in München hatten.

          Zum Olympischen Frieden während der Spiele:

          Wir sind nicht so naiv, dass wir glauben, das IOC könnte Frieden in die Welt bringen, was ja Regierungen und Religionen nicht schaffen. Dennoch ist der Olympische Friede eine Tradition, die wir vorgetragen haben. Wir können nur um Frieden bitten. Bush unterstützt Salt Lake City voll und ganz.

          Zu den Chancen einer deutschen Bewerbung um die Spiele 2012:

          Das ist die Eine-Million-Euro-Frage. Jeder Bewerber aus Deutschland wird eine starke Bewerbung abgeben. Das NOK wird Schwierigkeiten haben, den einen Bewerber auszuwählen. Die Deutschen haben eine starke Wirtschaft, starke Sportler, Starke Sportorganisationen, sie hatten die Olympischen Spiele und sie werden die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Dennoch wird die deutsche Stadt sehr starke Gegner haben. Eine Stadt aus Spanien, eventuell Paris, London, Stockholm, Budapest und eine amerikanische Stadt.

          Zum Plan des Weltfußballverbandes Fifa, die WM rotierend über die Kontinente zu verteilen:

          Wir haben diesen Traum im IOC, die Spiele nach Afrika oder Lateinamerika zu vergeben. Aber wir werden das nicht zu einer Regularität machen, wie die Fifa das plant, weil wir dann eventuell nur einen Bewerber haben werden und der könnte schwach sein. Qualität bleibt das erste Kriterium. Wir müssen zuerst die Kosten der Spiele senken, dadurch haben dann auch andere Kontinente eine Chance.

          Beispielsweise hat das IOC gemerkt, dass Athen trotz des historischen Datum nicht bereit gewesen wäre, die Spiele 1996 auszutragen. Wir haben die Spiele an Atlanta vergeben, und ich denke wir haben recht behalten. Athen hat später gewonnen und wir haben dort jetzt zehn Jahre später immer noch genug Schwierigkeiten.

          Zum Bestreben im IOC die Besuche der Mitglieder in den Kandidatenstädten wieder zu erlauben:

          Meine Meinung ist, dass es weiter keine Besuche geben sollte, ich habe nie eine Stadt besucht. Aber das ist nur meine persönliche Meinung und, das IOC ist eine demokratische Organisation. Wenn wir die Besuche wieder einführen, werden wir dafür sorgen, dass sie nicht wieder Ursache für Kritik werden. Wir würden die Reisen dann organisieren und bezahlen.

          Zu den ersten sechs Monaten seiner Amtszeit:

          Die große Unterstützung für das IOC und den Sport hat mich beeindruckt. Ich habe seit meiner Wahl die Welt drei Mal umrundet. Von den 35 Sportverbänden habe ich 27 besucht, ich habe mit NOKs und Athleten gesprochen, die zehn Olympia-Sponsoren besucht, die TV-Rechteinhaber und ihre Konkurrenten, mit den wichtigsten Zeitungen gesprochen, die vier Organisationskomitees der nächsten Spiele besucht und mit den führenden Politikern gesprochen.

          Zu den nächsten Herausforderungen:

          Wir müssen das IOC weiter reformieren, mehr Demokratie und Transparenz schaffen. Wir dürfen nicht in die Vergangenheit zurückfallen.

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