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Säbelfechter Max Hartung : Erfolge in allen Gefechten

Männer mit Biss: Max Hartung (l) und Benedikt Wagner gewinnen gemeinsam Bild: Bizzi Team

Erst hat er das IOC bezwungen. Nun auch seine Gegner auf der Planche. Säbelfechter Hartung reiht derzeit Siege aneinander. Doch die großen Aufgaben warten noch.

          Jüngst ist Säbelfechter Max Hartung in der Frankfurter Paulskirche mit dem Wertepreis ausgezeichnet worden. Er bekam die Auszeichnung für den Bereich „Verantwortung“, die er als Athletensprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes vielfältig gezeigt habe. Er erkenne in Prozessen und Strukturen Missstände, die ihn und andere Spitzensportler daran hinderten, das Beste aus sich herauszuholen, hieß es in der Begründung von der Werte-Stiftung und der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Hartung spricht Probleme an und aus; er versucht hartnäckig, Dinge zu verändern. „Ich freue mich sehr über die Anerkennung für meinen Einsatz neben dem Sport und für die vielen Stunden, die ich dafür investiere“, sagte der Geehrte.

          Ein paar Tage später ist ihm als Vertreter der olympischen Athleten ein großer Erfolg gelungen. Dank seines Kampfes gegen die Mächtigen der Sportwelt dürfen die Athleten nun selbst für sich in sozialen Medien bei Olympia werben. So hat es das Bundeskartellamt entschieden. Das von dem ehemaligen Florettfechter Thomas Bach geführte Internationale Olympische Kommitee (IOC) musste dem Druck des Säbelfechters Hartung, der an der Spitze der selbständigen Athletenvertretung „Athleten Deutschlands“ steht, nachgeben. Sein Hauptziel steht freilich noch aus: In Zukunft sollen seines Erachtens auch die für Olympia qualifizierten Sportler als Hauptakteure der Spiele zu einem Viertel von den Einnahmen in Milliardenhöhe profitieren, die das IOC im Laufe eines olympischen Zyklus so einstreicht.

          Dass Max Hartung trotz all seiner sportpolitischen Aufgaben und Ambitionen auch auf seinem eigentlichen Metier noch bestehen kann, zeigte er nun an diesem Samstag beim Weltcup der Säbelfechter in Padua. Bei dem hochkarätig besetzten Turnier in Norditalien wurde der 29-Jährige erst im Halbfinale vom Lokalmatadoren Aldo Montano mit 10:15 gestoppt. Da auch sein Dormagener Teamkollege Benedikt Wagner ebenfalls bis ins Halbfinale vorstieß, wo er gegen den späteren Turniersieger Luca Curatoli (Italien) knapp 12:15 unterlag, gewannen die beiden Vereinskameraden gemeinsam Bronze. Ein Gefecht um Platz drei ist im Weltcup nicht üblich. Schon beim zuvor ausgetragenen Grand Prix in Kairo hatte Hartung Ende Februar den sechsten Platz belegt.

          Nicht immer war ihm der Kampf an allen Fronten genauso gut gelungen. Dass es für seine eigene sportliche Leistung vermutlich nicht förderlich sei, stundenlang an sportpolitischen Sitzungen teilzunehmen und Kuchen zu essen, hatte er vor der Heim-WM 2017 in Leipzig gegenüber dieser Zeitung erwähnt. Als er dann beim Teamwettbewerb einen riesigen Vorsprung gegen Frankreich nicht erfolgreich über die Planche brachte, sah er sich in seiner selbstkritischen Negativvision bitter bestätigt.

          Prompt reduzierte er sein ehrenamtliches Engagement bei den „Athleten Deutschlands“, deren Gründung er selbst initiiert hatte. Stattdessen setzte er die Finanzierung mit Geschäftsführer und juristischer Vertretung durch. Er wollte Waffengleichheit herstellen, um in den entscheidenden Schlachten gerüstet zu sein. Sportpolitik ist schließlich auch Kampfsport. Im Jahr darauf wurde Hartung Europameister mit dem Säbel.

          Mit seinen 29 Jahren hat der stets freundlich auftretende, aber hart in der Sache kämpfende Rheinländer zudem schon eine dualen Karriere absolviert, wie sie dem Wunschbild eines mündigen Athleten entspricht. Es studierte Soziologie, Politik und Wirtschaft in Friedrichshafen und gewann trotzdem internationale Medaillen – alleine und mit seinem verschworenen Säbelteam aus Dormagen. Und längst ist seine Karriere nicht ausgefochten. Olympia in Tokio heißt das nächste große Ziel, ehe das Masterstudium an der Uni ansteht. Widerstände überwinden ist er gewohnt.

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