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Kein Ryder Cup in Deutschland : Golf im Schatten des Geldes

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Wo spielen sie denn? Im Golfresort am Scharmützelsee in Bad Saarow wird der Ryder Cup 2022 jedenfalls nicht ausgetragen Bild: dpa

Der Ryder Cup 2022 wird in Rom statt in Bad Saarow ausgespielt. Dabei galten die Deutschen als Favorit. Dass Sport-Deutschland nun die nächste Schlappe verkraften muss, hat profane Gründe.

          Um 10:30 Uhr klingelte am Montagmorgen bei Marco Kaussler, dem Geschäftsführer der RC Deutschland GmbH, das Telefon. Kurz und knapp erklärte Keith Pelley, der neue Chef der European Tour, dass Deutschland das größte Spektakel im Golf 2022 nicht ausrichten werde. Gründe nannte der Kanadier dem deutschen Bewerbungschef nicht, auch den Sieger behielt er zunächst für sich. Nachdem Pelley dann auch die anderen beiden gescheiterten Bewerber, Österreich und Spanien, informiert hatte, gab es eine dürre Presseerklärung der European Tour.

          Darin erklärte die Ryder Cup Europe LLP, dass die 44. Austragung des alle zwei Jahre ausgetragenen Wettstreits zwischen den besten Golfprofis aus Europa und den Vereinigten Staaten in Rom, genauer im 17 Kilometer von Stadtzentrum entfernten Golf Club Marco Simone, der der Modeunternehmerin Laura Biagotti gehört, stattfinden werde. Der nächste Ryder Cup wird vom 27. September bis 2. Oktober 2016 in Chaska (Minnesota) ausgetragen.

          Ein golferischer Kleinstaat

          In der Pressemitteilung der European Tour werden als Begründung, warum der Zuschlag an ein kleines Golfland wie Italien ging nur Allgemeinplätze genannt (politische und sportliche Unterstützung, Schaffung eine Golfanlage mit Weltniveau und so weiter), alles Dinge, die auch die deutsche Bewerbung für sich in Anspruch nahm. Mit nur 250 Plätzen und rund 91.000 Aktiven ist Italien im Vergleich zu Deutschland (mehr als 700 Plätze und knapp 700.000 Golfern) ein golferischer Kleinstaat.

          Auch in Sachen Ryder-Cup-Tradition kann das Land nicht viel bieten: Costantino Rocca und die Brüder Francesco und Edoardo Molinari, die zusammen auf fünf Einsätze in diesem Kontinentalwettstreit kommen, wirken ausgesprochen bescheiden im Vergleich zu den Major-Siegern Bernhard Langer, der zehn Mal im Team stand und 2004 als Kapitän Europa zum Auswärtssieg in den Vereinigten Staaten führte, und Martin Kaymer, der an den vergangenen drei Siegen der Europäer beteiligt war.

          Langes Gesicht: Marco Kaussler, Leiter der deutschen Ryder-Cup-Bewerbung

          Claus M. Kobold, der Präsident des Deutschen Golf Verbands (DGV), lässt deutlich anklingen, warum Italien die deutsche Bewerbung mit dem Golf Resort in Bad Saarow ausstach: „Die deutsche Bewerbung ist in enger Absprache mit allen Beteiligten bis an die Grenze dessen gegangen, was vernünftiger Weise in der aktuellen Situation darstellbar war. Wir können und dürfen trotzdem stolz darauf sein, was im Rahmen der Bewerbung um den Ryder Cup 2022 geleistet wurde, auch wenn es nicht für den Zuschlag gereicht hat.“

          Immerhin hatten sich die DGV-Mitglieder bereit erklärt, mit einer Umlage insgesamt 18 Millionen Euro für den Ryder Cup 2022 aufzubringen. Die deutsche Bewerbung hatte aus den Fehlern der Kampagne für 2018 gelernt, als Paris vor vier Jahren das Rennen machte. Sogar die deutsche Politik hatte sich diesmal auf allen Ebenen für die Bewerbung in dem rund 90 Kilometer von Berlin entfernten Resort am idyllischen Scharmützelsee in Brandenburg stark gemacht und eine Steuerbefreiung für den Ausrichter genehmigt.

          Da dies und die massive Unterstützung der Hauptsponsoren nicht reichte, bleibt nur eine Erklärung: Die Italiener haben mehr Geld geboten. Indizien lassen sich schnell finden. So erhielt die Tour die Zusage, dass die Italian Open, bisher mit bisher 1,5 Millionen Dollar Preisgeld, eines der kleinen Veranstaltungen der European Tour, kräftig aufgestockt wird. Im nächsten Jahr werden dort drei Millionen, von 2017 an für elf Jahre gar sieben Millionen an die Spieler ausgeschüttet. Wer diese exorbitante Summe aufbringt, ist nicht klar, aber es ist kein Geheimnis, dass das Nationale Olympische Komitee Italiens die Bewerbung massiv unterstützt. Denn man sieht den Ryder Cup 2022 als eine wichtige Station für eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung für 2024.

          Aber nicht nur für den DGV ist die Entscheidung der Tour eine schallende Ohrfeige. Der Automobilkonzern BMW, der gemeinsam mit Allianz die deutsche Bewerbung als Hauptsponsor unterstützte, muss sich von der European Tour düpiert fühlen. BMW unterstützt seit 27 Jahren als Hauptsponsor ein Turnier der European Tour, so lange wie kaum ein anderer Förderer. Dazu sind die bayrischen Autobauer Titelsponsor der BMW PGA Championship in Wentworth bei London, dem Flaggschiff-Turnier der Tour, und außerdem beim Ryder Cup und vielen anderen Veranstaltungen als offizieller Fahrdienst engagiert. Es wird interessant sein, zu sehen wie die BMW reagiert. Kaussler, der für die Bayern die Golfaktivitäten organisiert, hofft, dass man im Januar von European Tour mehr über die Gründe für das deutsche Scheitern erfährt.

          Ziel verfehlt: Ryder Cup 2022 wird nicht in Bad Saarow ausgetragen

          Zweifelhaft, dass dabei mehr rauskommt, als die Tatsache, dass auch im Golf und im Ryder Cup nur der schnöde Mammon zählt, zumal die Tour nie die Angebote von Bewerbern offenlegt. Die Ryder Cup Europe LLC, die den das Spektakel in Europa ausrichtet, gehört zu sechzig Prozent der European Tour, zu jeweils zwanzig der PGA of Great Britain und der PGA of Europe, den Vereinigungen der Profigolfer. Die europäische Veranstaltungsserie ist als „Limited by guarantee“ in Großbritannien organisiert, ein Konstrukt für Firmen ohne Gewinnabsicht. Ziel dieser Turnierserie ist es, für ihre Mitglieder, den Tourspielern, lukrative Veranstaltungen zu organisieren und möglichst hohe Einnahmen zu generieren. Und der Ryder Cup ist die Cash Cow der European Tour – und die wird kräftig gemolken.

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