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Fußball-WM 2018 : Russlands Angst vor der Weltmeisterschaft zuhause

Könnte neuer Präsident des russischen Fussball-Verbands werden: Witalij Mutko, Sportminister des Landes Bild: Reuters

Der russische Fußball steckt in einer Krise: Die Leistungen sind schwach, Sponsoren laufen dem Verband weg und ein Nationaltrainer fehlt. Schlechte Vorzeichen für die Heim-WM 2018.

          Nach ihrem letzten Auftritt vor der Sommerpause musste sich die russische Fußballnationalmannschaft von mächtigen Männern harte Worte anhören: „Erbärmlich“ sei ihre Leistung, sagte Sergej Iwanow, Leiter von Präsident Putins Präsidialkanzlei. Das Spiel der russischen Fußballer sei „nicht nur hässlich, sondern auch hoffnungslos“, urteilte Gasprom-Chef Alexej Miller, „vor allem unter dem Gesichtspunkt: Was für eine Nationalmannschaft werden wir bei der WM im eigenen Land 2018 haben?“ Mit diesen Verdikten war das Schicksal des italienischen Nationaltrainers Fabio Capello besiegelt: Am Dienstag, einen Monat nach der 0:1-Heimniederlage im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich, wurde er entlassen. Russland ist in seiner Gruppe Dritter, die Qualifikation ist in Gefahr.

          Die Entscheidung war schon früher erwartet worden, aber offenbar musste zuvor ein Problem gelöst werden: Capello, der mit einem Jahresverdienst von sieben Millionen Euro der am besten bezahlte Nationaltrainer der Welt war, stand angeblich für das Ausscheiden aus seinem bis 2018 laufenden Vertrag eine Entschädigung von 21 Millionen Euro zu. Doch dieses Geld hat der Russische Fußballverband (RFS) nicht. Zweimal war der Verband seinem Trainer seit Sommer 2014 den Lohn für mehrere Monate schuldig geblieben, beide Male hatte schließlich der kremlnahe Oligarch Alischer Usmanow die Rechnung großzügig beglichen. Laut dem Internetportal „R-Sport“ soll Capello nun für sein Ausscheiden drei Jahre vor Vertragsende 15 Millionen Euro erhalten.

          Unter anderem wegen der finanziellen Schwierigkeiten des RFS hatte schon Ende Mai Verbandspräsident Nikolaj Tolstych sein Amt aufgeben müssen. Unter seiner Führung hatte der Verband mehrere Sponsoren verloren, darunter den wichtigsten - Gasprom. Hinzu kamen Streitigkeiten mit den Eignern der führenden Klubs und zwei spektakuläre Informationslecks: Vergangenes Jahr hatte die kremlkritische „Nowaja Gaseta“ das Protokoll einer Vorstandssitzung veröffentlicht, während der heftig über die Integration der Krim in den Verband gestritten wurde, und im Frühjahr war demselben Blatt der Vertrag Capellos zugespielt worden.

          Strippenzieher im Hintergrund

          Weder über die Nachfolge Tolstychs noch über die Capellos ist schon entschieden worden. Als Kandidat für die Führung des RFS gilt Sportminister Witalij Mutko, der bei beiden Entlassungen die Fäden gezogen haben soll. Er war schon einmal Verbandspräsident, bis der damalige Staatspräsident Medwedjew 2009 eine solche Ämterhäufung verbot. Aus Mutkos Umfeld verlautete vor kurzem, das sei eine „frühere Empfehlung“ gewesen. Ein neuer Nationaltrainer soll in den nächsten zwei Wochen bestimmt werden. Sicher ist, dass es nach zwei Niederländern und einem Italiener ein Russe werden soll. Das folgt einer Vorgabe von Präsident Wladimir Putin, der Anfang des Jahres gefordert hat, die Rolle von Ausländern in den Mannschaftssportarten solle reduziert werden. Ende Juni hat die Duma ein Gesetz beschlossen, mit dem das geregelt werden soll. Bisher galt in der obersten Fußballliga die Regel, dass bis zu sieben Ausländer gleichzeitig auf dem Feld stehen durften. Am Dienstag beschloss der RFS-Vorstand, dass es künftig nur noch sechs sein dürfen. Bis zur WM in Russland in drei Jahren sollen russische Spieler mehr Spielpraxis bekommen.

          Die Krise des russischen Fußballs beschränkt sich nicht auf den Verband. Der Ruf der Premierliga leidet unter oftmals eskalierender Fangewalt und dem Verdacht, Spiele würden verschoben. Das hat dazu geführt, dass das Interesse der Öffentlichkeit dramatisch nachlässt: Laut einer Umfrage des staatlichen Instituts Wziom ist 73 Prozent der Russen Fußball gleichgültig, 19 Prozent interessieren sich manchmal, und nur noch acht Prozent bezeichnen sich als Fans. Noch vor drei Jahren gaben 58 Prozent an, sie interessierten sich für Fußball. Die Zeitung „Wedomosti“ fand für diese Zahlen eine Erklärung, die außerhalb des Sports liegt: Der Mannschaftssport sei einmal eine Möglichkeit gewesen, Aggressionen zu kanalisieren - doch in den vergangenen anderthalb Jahren habe das russische Fernsehen „die Menschen von symbolischen Schlachten entwöhnt und an reale Schlachten gewöhnt“.

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