https://www.faz.net/-gtl-9t1wb

Anti-Doping-Konferenz : Anruf für Putin

Muss Russland raus? Delegierte beim Anti-Doping-Kongress in Kattowitz. Bild: Reuters

Die russische Datenmanipulation wird doch noch zum bestimmenden Thema der Anti-Doping-Konferenz in Kattowitz. Für Russland lautet mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio weiter die Frage: Dabeisein oder Nichtdabeisein?

          2 Min.

          Das Programm der fünften Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kattowitz beschäftigte sich ganz überwiegend mit dem neuen Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada); er soll an diesem Donnerstag verabschiedet werden und am 1. Januar 2021 in Kraft treten. Vor und hinter den Kulissen beschäftigten sich die fast 1500 Teilnehmer der Konferenz vor allem mit der Frage: Wird in zehn Monaten eine russischen Olympiamannschaft an den Sommerspielen von Tokio teilnehmen? Oder nicht?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Wir können nicht zulassen, dass das staatliche Doping-System eines Landes sauberen Athleten Medaillen und Ruhm stiehlt“, rief Travis Tygart, der Vorstandsvorsitzende der amerikanischen Anti-Doping-Organisation Usada am Mittwoch in der Versammlung. „Die Spiele von Tokio werden mindestens die fünften sein, bei denen um Staats-Doping geht, nicht um saubere Athleten.“ Es brauche eine starke und unabhängige Wada, nicht einen schwachen Dienstleister wie in den vergangenen Jahren.

          Witold Banka, der kommende Präsident der Organisation, wird sich an seiner Ankündigung messen lassen müssen, die neue Zukunft der Doping-Bekämpfung habe in Kattowitz begonnen. Er wird auch entscheiden müssen, wem er auf diesem Terrain von Lug und Trug, von Triumph und Tränen glauben will. Etwa Juri Ganus, dem Kollegen von Tygart an der Spitze der diskreditierten, erst im Dezember wieder zugelassenen russischen Anti-Doping-Agentur Rusada?

          Wie in unzähligen Interviews zuvor beteuerte er auch vor den Delegierten, dass unbekannte Kräfte den unbelasteten Neubeginn seiner Organisation verdorben hätten und ihm und den sauberen Sportlerinnen und Sportlern Russlands in den Rücken gefallen sei.

          Russland beharrt auf Trennung von Sport und Politik

          Um letzte Details des russischen Doping-Skandals zu klären, der in jahrelanger Manipulation von Doping-Kontrollen in Moskau und im Austausch von Doping-Proben bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014 besteht, und um die Bestrafung gedopter Athleten zu ermöglichen, hatte Russland vor knapp einem Jahr den Inhalt der Computer aus dem Betrugs-Labor in Moskau der Wada überlassen. In zwei Anläufen kopierten Experten der Wada zum Jahreswechsel die gigantische Datenmenge von 24 Terabyte; darin sind alle relevanten Vorgänge im Labor von 2012 bis 2015 enthalten. Aus den Tiefkühltruhen in Moskau wurden der Wada mehr als 2200 Doping-Proben übergeben. Bald darauf stellte sich heraus, dass die Daten manipuliert waren.

          Ganus forderte darauf, unter anderem, den Rücktritt von Sportminister Pawel Kolobkow, mit dem er in Kattowitz gemeinsam im Plenum saß. Aus Polen rief Ganus dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu, er möge ihn anhören. Die Wada solle bei ihrer Entscheidung, forderte er, weise und differenziert vorgehen.

          Sportminister Kolobkow wiederum tönte, dass Sport nichts mit Politik zu tun habe und nicht teile, sondern vereine. Die Zeit eine neuen, sauberen Generation russischer Athleten sei gekommen. Sein Land habe alle Bedingungen erfüllt, die ihm gestellt wurden, behauptete Kolobkow, und enger mit der Wada zusammengearbeitet denn je. Im Auditorium allerdings hatte sich längst herumgesprochen, dass die Russen nicht einmal die Fragen vollständig beantwortet hatten, die ihnen die Wada in Folge der Datenmanipulation geschickt hatte.

          Bereits am 17. November will die Wada deshalb Experten zur Manipulation der Computerdaten anhören. Am 9. Dezember soll das Exekutivkomitee, das höchste Gremium der Wada in London oder Paris über den Befund des „Independent Compliance Review Committee“ befinden, das unter Vorsitz des britischen Anwalts Jonathan Taylor arbeitet. Die Frage für den russischen Sport: Dabeisein oder Nichtdabeisein? Oder, wie bis heute in der Leichtathletik, allein von Athleten in neutraler Kleidung vertreten, die offiziell nicht für Russland antreten. Quälende Verfahren wie vor den Spielen von Rio 2016 und Pyeongchang 2018, verspricht die Wada, sollen allen Beteiligten erspart werden.

          Weitere Themen

          Die neue wirkungsvolle Waffe von Zverev

          Australian Open : Die neue wirkungsvolle Waffe von Zverev

          Nach einer schweren Zeit läuft es für Alexander Zverev bei den Australian Open wieder. Dabei hilft ihm die Macht der positiven Gedanken. Nun trifft er auf einen Gegner, den er bestens kennt – und der ein guter Freund ist.

          Topmeldungen

          Alexander Zverev ist bei den Australian Open auf dem Weg zu alter Form.

          Australian Open : Die neue wirkungsvolle Waffe von Zverev

          Nach einer schweren Zeit läuft es für Alexander Zverev bei den Australian Open wieder. Dabei hilft ihm die Macht der positiven Gedanken. Nun trifft er auf einen Gegner, den er bestens kennt – und der ein guter Freund ist.
          Gelände getroffen: Die amerikanische Botschaft am Fluss von Tigris in Bagdad, Irak.

          Irak : Rakete trifft amerikanische Botschaft in Bagdad

          Es ist nicht der erste Raketenangriff auf amerikanische Ziele in Irak: Doch nun hat eine Rakete das Gelände der amerikanischen Botschaft in Bagdad direkt getroffen. Mindestens drei Menschen sollen verletzt worden sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.