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Rugby-WM : Spiel für Rowdies, betrieben von Gentlemen

  • -Aktualisiert am

Rugby sieht kompliziert aus. Ist es aber gar nicht Bild: AFP

Die größte Sportveranstaltung des Jahres auf der ganzen Welt findet in Australien statt - sagen jedenfalls die Veranstalter der vierten Rugby-Weltmeisterschaft.

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          The game they play in heaven - zumindest die Australier sind davon überzeugt, daß es im Himmel nur einen Sport geben kann: Rugby. Von diesem Freitag an findet Rugby in eher irdischen Gefilden statt - in Australien beginnen die Weltmeisterschaften. Die Resonanz auf dem fünften Kontinent ist enorm. 1,75 Millionen Eintrittskarten für die 48 Spiele bis zum Finale am 22. November im Olympiastadion in Sydney sind bereits verkauft, die Veranstalter rechnen mit zwei Millionen Zuschauern und bezeichnen das Turnier als die größte Sportveranstaltung des Jahres auf der ganzen Welt.

          200.000 Euro pro Spieler für den Titelgewinn

          Ähnlich wie bei den Olympischen Spielen vor drei Jahren haben die Australier gewaltig investiert. Allein die Eröffnungsfeier wird rund drei Millionen Euro kosten, wie bei den "besten Spielen aller Zeiten" gibt es in Sydney Freiluftbühnen, Zehntausende Touristen aus dem Ausland und Tausende Medienvertreter werden erwartet. Rugby ist seit seiner späten Professionalisierung 1995 ein großes Geschäft geworden. Der organisierende Weltverband rechnet mit einem Überschuß von 80 Millionen Euro. Die führenden Nationen schütten mehr als 200.000 Euro pro Spieler für den Titelgewinn aus.

          Meistens jedenfalls

          In Australien genießen Rugbyspieler höchstes Ansehen. Das Spiel für Rowdies, betrieben von Gentlemen, wie Rugby auch umschrieben wird, hat Tradition. Nicht lange nachdem 1823 in England ein gewisser William Webb Ellis sich in grober Mißachtung der Fußballregeln den Ball mit den Händen schnappte, wurde auch in den damaligen Kolonien Rugby gespielt. Mr. Ellis, der ja vielleicht im Himmel zuschaut, wäre übrigens sicher sehr stolz, schließlich trägt die WM-Trophäe seinen Namen, wenn sie auch in Rugbykreisen etwas despektierlich einfach Bill genannt wird.

          Die kolonialen Anfänge vor 150 Jahren prägen noch heute die Sportlandschaft in Australien. Rugby wird vor allem in den östlichen Bundesstaaten New South Wales und Queensland betrieben, während anderswo die Szene von der einzigen eigenen australischen Sportart, Australian Rules Football, beherrscht wird. So ist es auch kein Wunder, daß acht der elf WM-Stadien mit Kapazitäten von knapp 20.000 bis 83.500 Plätzen in New South Wales und Queensland stehen.

          Ein englischer Sieg wäre die Hölle

          Aber natürlich wollen alle Australier ihr Team siegen sehen. Die Mannschaft mit dem schönen Namen "Wallabies" (kleine Känguruh-Art) ist zwar Titelverteidiger, sie war in der letzten Zeit aber nicht besonders gut in Form. Favoriten sind zum Schrecken aller Australier ausgerechnet die Engländer; ein Turniersieg des Mutterlandes "down under" im himmlischen Sport ist aber eine wahrhaft höllische Vorstellung.

          Die bisherigen vier Weltmeisterschaften haben nur Teams aus der südlichen Hemisphäre gewonnen, 1987 Neuseelands berühmte "All Blacks", 1991 und 1999 Australien und 1995 auf heimischem Boden Südafrika. Damals gab es übrigens eine der denkwürdigsten Szenen, die dieser Sport jemals hervorgebracht hat: Der schwarze Präsident Nelson Mandela feierte in Johannesburg im Trikot des Kapitäns den Sieg der "Springboks" in einer Sportart, die im ehemaligen Apartheid-Staat als ultimative Bastion der Weißen gilt.

          Die Zuschauer kommen aber nicht in erster Linie, um historische politische Versöhnungsgesten zu erleben, sondern das Aufeinanderprallen gewaltiger Körper. Obwohl Rugby traditionell der Sport der privaten Eliteschulen ist und fast jeder Anwalt, der etwas auf sich hält, einmal dem eiförmigen Leder nachgejagt ist, hat dieser fordernde Sport mit den komplizierten Regeln etwas Archaisches. Um die Übergriffe einzudämmen, hat der Weltverband drastische neue Strafen angekündigt, der gefürchtete Finger im Auge des Gegenspielers wird mit zwei bis drei Jahren Sperre geahndet, herzhaftes Zubeißen à la Mike Tyson immerhin noch mit 18 Monaten. Trotzdem verlassen nur wenige der 15 Spieler pro Mannschaft ohne Beulen und Platzwunden das Feld. Das hat auch seine Vorteile: Beim Rugby gibt es so gut wie nie Zuschauerausschreitungen - die Härte auf dem Rasen genügt dem Publikum offenbar völlig. Bleibt lediglich die Frage, ob es beim himmlischen Rugby genauso heftig zugeht.

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