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Ruder-Kommentar : Erhöhte Schlagzahl

  • -Aktualisiert am

Legt ein schnelles Tempo an: Siegfried Kaidel, Vorsitzender des Deutschen Ruderverbandes Bild: Privat

Deutschland ist eine Rudernation. Doch die Reputation ist verbraucht - spätestens nach dem Debakel bei Olympia. Der neue Vorsitzende Kaidel setzt auf einen kreativen Reformprozess. Bei der Umsetzung hat er es eilig.

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          Sechzehn Jahre - kann das sein? Ja, es stimmt: seit sechzehn Jahren hat kein deutsches Männerboot mehr bei einer olympischen Ruderregatta eine Goldmedaille gewonnen. Dass dies so verwunderlich klingt, hat zwei Gründe: Erstens haben die Skullerinnen vom Stützpunkt Potsdam mit ihren verlässlichen Erfolgen den Notstand bei den Männern viele Jahre lang erfolgreich überspielt. Und zweitens dauert es zwar einerseits lange, sich einen erstklassigen Ruf aufzubauen.

          Doch es dauert andererseits genau so lange, ihn wieder zu verlieren. Deutschland ist eine Rudernation - das weiß man schon seit Karl Adams Zeiten. Doch spätestens seit den Spielen in Peking ist es so weit: Die Reputation ist verbraucht. Nach dem schlechtesten Abschneiden seit mehr als einem halben Jahrhundert weiß es nun jeder: Die Weltspitze ist den Deutschen Schlag für Schlag davongefahren. Da halfen auch die Panik-Reaktionen kurz vor den Spielen nichts mehr, eine wilde Umbesetzungs-Aktion im Achter, die sanfte Päppelung des Einer-Ruderers Marcel Hacker. Die Havarie war vorauszusehen.

          Forderung nach „kreativem Prozess der Zerstörung“

          Was nun? Siegfried Kaidel, erst seit dem Frühjahr Vorsitzender des Deutschen Ruderverbandes, hat mit energischem Griff die Ruder an sich gezogen. Und es zeigt sich, dass an der Spitze dieses Traditionsklubs schon lange eine feste Führungshand fehlte. Kaidels Vorgänger Helmut Griep war zu defensiv ausgerichtet, seinem Vorgänger Wolfgang Maennig fehlte die Integrationskraft, um Veränderungen durchzusetzen.

          Deshalb muss der Funktionär aus Schweinfurt nicht nur so schnell wie möglich den Leistungssport-Bereich reformieren, sondern parallel dazu eine völlig veraltete Patchwork-Satzung überarbeiten. Dass sich der fröhliche Franke so händereibend an diese Aufgaben macht, hat zwar schon so manchen elitären Spitzenmann befremdet. Aber vielleicht geht es nun nicht mehr anders. Einen „kreativen Prozess der Zerstörung“, hat Sebastian Schulte, einer der ausgebooteten Achter-Weltmeister von 2006, gefordert. Kaidel setzt dagegen einen kreativen Reformprozess.

          Wer vorwärts kommen will, der muss Druck haben

          Der Mann hat es eilig. Am Mittwoch präsentierte er seine Vorstellungen einschließlich der Einführung eines neuen Hauptamtes bereits der Presse - noch bevor der Vorstand seine Pläne abgesegnet hat. Sollten seine Mit-Funktionäre dem Vorsitzenden nicht folgen, wirft er sein Amt in die Waagschale. Wenn er - so sieht es der kämpferische Franke - den Ruderverband nicht retten darf, dann will er nicht länger dessen Vorsitzender bleiben.

          Der Vorstand muss nun entscheiden, ob er die Geschicke des Verbandes in die Hände des vor lauter Selbstvertrauen sprühenden Vorsitzenden legen will. Es bleiben allerdings nicht mehr viele Varianten. Die allgemeine Entscheidungsblockade hat schließlich zu den aktuellen Problemen geführt. Wie auch immer die Verbandsoberen Kaidel einschätzen - eine Ruderweisheit erfüllt sich in seiner Person mit Sicherheit: Wer vorwärts kommen will, der muss Druck auf den Blättern haben.

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