https://www.faz.net/-gtl-2qin

Rodeln : Jens Müller beendet Karriere

  • Aktualisiert am

Müllers letzter großer Einzeltitel: WM-Gold 2000 Bild: dpa

Er war Rodel-Olympiasieger, Welt- und Europameister, stand dennoch zumeist im Schatten von Georg Hackl. Jetzt hört Jens Müller auf.

          1 Min.

          Leiser Abschied eines Olympiasiegers: Jens Müller hört auf. In dürren Worten verkündete eine zwölfzeilige Pressemitteilung am Montag das überraschende Karriereende des Weltklasserodlers - ganz nach Müllers Fasson, der stets ein Typ der leisen Töne war.

          21 Jahre hat Müller die Entwicklung des Rodelsports mitbestimmt, die Teilnahme an seinen fünften Olympischen Spielen im kommenden Februar in Salt Lake City stand eigentlich nicht in Frage. Doch eine Erkrankung im Bereich der Brustwirbelsäule und der Rippengelenke sorgte für das vorzeitige Ende einer Laufbahn, die mit dem Olympiasieg 1988 in Calgary ihren zeitigen Höhepunkt hatte.

          „Nach der Bandscheiben-Operation unmittelbar nach der vergangenen Saison war ich zuversichtlich“, berichtet der 36-Jährige. „Doch dann kam der Rückschlag. Ich konnte zeitweise kaum atmen, hatte sehr starke Schmerzen, konnte die Arme kaum bewegen. Ich sollte Geduld haben, sagten die Ärzte. Doch die Zeit lief mir ja davon.“

          Konsequenz auch beim Rücktritt

          Nach Salt Lake sollte ohnehin endgültig Schluss sein. Müller: „Egal, wo ich während der Olympischen Spiele sein werde: Ich wünsche allen deutschen Startern, dass ihre Wünsche und Hoffnungen in Erfüllung gehen.“

          „Der Rücktritt von Jens reißt eine immense Lücke in unsere Planung für die Spiele“, sagte Bundestrainer Thomas Schab. „Er war immer ein Vorbild, ein Kämpfer, der nie aufgeben wollte. So konsequent wie er immer war, hat er sich auch für den Rücktritt entschieden. Er wollte vorn dabei sein, nicht um achte Plätze fahren.“

          Der Chefcoach will Müller nun in seinen Trainerstab aufnehmen: „Es gab bereits Gespräche. Jens wird im Nachwuchsspitzenbereich einsteigen. Auf seine Erfahrungen wollen und können wir nicht verzichten.“

          Im Schatten des ewigen Rivalen Hackl

          Obwohl Müller Welt- und Europameister war, neben der Goldmedaille in Calgary auch noch olympisches Bronze in Nagano gewann, stand er fast immer im Schatten des dreifachen Olympiasiegers Georg Hackl.

          Das störte den Sachsen, der zuletzt bei der WM 2000 in St. Moritz einen Einzeltitel gewann, zuweilen schon. „Ich brauche die Öffentlichkeit nicht immer, aber es frustriert schon, wenn du als Zweiter genannt wirst, auch wenn du gewinnst“, meinte Müller. „Schorsch kann nichts dafür, er war halt fast immer der Beste.

          Doch es war ein Geben und Nehmen zwischen den beiden Routiniers, auch wenn es beide nur ungern zugaben. „Der eine hätte ohne den anderen nicht das erreicht“, sagt Schwab. „Für den Schorsch ist es kein Vorteil, wenn der Jens jetzt nicht mehr dabei ist. Man braucht heute zwingend die Konkurrenz, um international erfolgreich zu sein.“

          Weitere Themen

          Die Unscheinbare

          Flussporträt der Erft : Die Unscheinbare

          Kaum jemand kannte die Erft, bis sie bei der Flut im Juli eine Geschichte der Zerstörung schrieb. Eine Reise entlang des Flusses und der Beziehungsgeschichte von Mensch, Wasser und Natur.

          Topmeldungen

          Das französische U-Boot Shortfin Barracuda

          Australien zu U-Boot-Deal : „Wir haben unsere Bedenken geäußert“

          Paris wirft Canberra wegen eines geplatzten Rüstungsdeals „Doppelzüngigkeit“ vor. Der australische Außenminister weist den Vorwurf der Lüge jetzt entschieden zurück. Und auch die neue britische Außenministerin verteidigt den Deal.
          Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq

          Michel Houellebecq : „Ich war süß und hübsch“

          In einer erstmals auf Deutsch veröffentlichten Tagebuchaufzeichnung aus dem Jahr 2005 schreibt der französische Schriftsteller über das Verhältnis zu seiner Mutter und darüber, wie es seine Beziehung zu Frauen prägte.
          Mann des Tages: Leroy Sané

          Bayern in Bierzeltstimmung : Volle Kanne Sané

          Statt Pfiffe und Häme wie zuletzt bekommt er plötzlich wieder Sonderapplaus: bei Bayerns Torfest gegen Bochum ist Leroy Sané der gefeierte Mann. Woher kommt der Wandel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.