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Zweigleisige 3. Liga : Der Traum der Kickers

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Aufstieg durch Verdopplung: Der OFC will seit Jahren raus aus der Regionalliga. Bild: dpa

Kickers Offenbach will seit Jahren raus aus der Regionalliga. Nun unterstützt der OFC den aktuell abgelehnten Elversberger Vorschlag, die Zahl der Drittliga-Vereine mit zwei Staffeln zu verdoppeln.

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          Die Fußball-Regionalliga Südwest scheint für die Offenbacher Kickers als sportliche Heimstätte wie zementiert zu sein. Seit 2013 gibt es für den stolzen Traditionsverein vom Bieberer Berg kein Entrinnen mehr aus der ungeliebten Viertklassigkeit – und das, obwohl die Rückkehr in die dritte Profiliga immer wieder das erklärte Ziel des OFC ist. Nur fußballerisch waren die Kickers bisher selbst bei ordentlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen wie in der aktuellen Runde zu schwach auf der Brust. Ergibt sich nun aber für die Offenbacher eine neue Möglichkeit, den langersehnten Schritt nach oben zu vollziehen?

          Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist vom Regionalliga-Südwestklub SV Elversberg ein mehr als 40 Seiten langes Konzept für eine neue dritte Liga mit jeweils einer Nord- und einer Südstaffel vorgelegt worden. Insgesamt würden nach diesem Vorschlag 40 Vereine an den Start gehen. In der Sache haben die Elversberger, Zweite der Südwestgruppe hinter Saarbrücken, keinen Alleingang gestartet. Sie können sich der breiten Unterstützung von Traditionsvereinen wie Offenbach, Rot-Weiss Essen, Alemannia Aachen, Energie Cottbus und Rot-Weiß Oberhausen gewiss sein. Sie alle plädieren in Zeiten der Corona-Krise für eine Reform der dritten Liga. Damit, so die einhellige Auffassung, könnte bei den Viertligavereinen auch für eine wirtschaftliche Kompensation der bisher in der Regionalliga ausgefallenen Spiele und des drohenden Saisonabbruchs gesorgt werden.

          „Ein Teil der entgangenen Einnahmen aus dieser Saison könnten in Zukunft über mehr und attraktivere Spiele ausgeglichen werden.“ Unser aller Ziel müsse ja sein, „in dieser Zeit so viele Vereine wie möglich am Leben zu halten. Wenn man nichts tun würde, befürchte ich, dass am Ende viele Vereine über die Wupper gehen würden“, hatte der Offenbacher Geschäftsführer Thomas Sobotzik schon in F.A.S. und FAZ.NET am 5. April gesagt. Der 45-Jährige ist überzeugt davon, dass die Kickers die wirtschaftlichen Kriterien für den Spielbetrieb in der dritten Liga erfüllen würden.

          Dem Offenbacher Ligarivalen FSV Frankfurt ist das Elversberger Konzept „nicht bekannt. Wir sind da nicht eingebunden gewesen“, sagte der Bornheimer Vereinspräsident Michael Görner am Freitag. Nach seiner Auffassung müssen die Verbände in der Corona-Krise „insgesamt eine Lösung finden, die für alle beteiligten Vereine die Summe der negativen Auswirkungen minimieren muss“. Gleichzeitig wies Görner darauf hin, dass es für die verbleibenden Vereine in den Regionalligen „Konsequenzen“ hätte, wenn die ihre sportlichen „Zugpferde“ verlören. „Die Verbände kennen die Komplexität des Themas und müssen im Interesse aller Vereine die bestmögliche Lösung suchen“, sagte Görner.

          Die Befürworter des Elversberger Konzepts sehen zudem darin einen Vorteil, dass bei einer Zweiteilung der dritten Liga alle fünf Regionalliga-Meister direkt aufsteigen könnten. Außerdem könnte in diesem Jahr eine mögliche Klageflut der Drittligaklubs verhindert werden, die aktuell Absteiger aus der dritten Liga wären, weil das Konzept für diese Runde keine Absteiger vorsieht.

          Der DFB reagierte auf den Elversberger Vorstoß und räumte dem Ansinnen keine Erfolgsaussichten ein. „In der dritten Liga und dem zuständigen Ausschuss sind zwei oder mehr Staffeln – auch in der Corona-Krise – aktuell weiterhin kein Thema.“ Die 20 Klubs der dritten Liga hätten sich „erst vor wenigen Wochen ebenso geschlossen wie klar für die eingleisige dritte Liga ausgesprochen“, hieß es in einer Stellungnahme. Außerdem werde ein solcher Vorstoß immer wieder unternommen – „allerdings stets außerhalb der dritten Liga, um die es dabei geht“. Sobotzik aber glaubt, dass das Ganze noch eine „unfassbare Eigendynamik entwickeln“ werde. „Von Tag zu Tag wird die Not nämlich größer. Und je länger der Zustand andauert, desto weniger Optionen wird es zum Schluss geben.“

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