https://www.faz.net/-gtl-x6pn

Zehnkampf : Zwischen Hoffen und Bangen

  • -Aktualisiert am

Mit Schmerzen in den Wettkampf: Pascal Behrenbruch musste in Ratingen aufgeben Bild: REUTERS

Für Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch steht die Olympia-Teilnahme auf dem Spiel. Beim Meeting in Ratingen musste der Dreiundzwanzigjährige von der LG Frankfurt wegen Schmerzen im rechten Fuß aufgeben.

          2 Min.

          Hoffen, das ist alles, was Pascal Behrenbruch jetzt noch machen kann. Hoffen, dass die 8242 Punkte, die der Zehnkämpfer vor drei Wochen beim Leichtathletik-Meeting in Götzis errungen hat, für einen Platz im deutschen Olympia-Aufgebot reichen werden. Dabei hatte sich der Dreiundzwanzigjährige von der LG Frankfurt Gewissheit erhofft. Mit ihr wollte Behrenbruch von der Mehrkampf-Qualifikation in Ratingen zurückkehren. Aber schon während des ersten Wettkampftages am Samstag musste er aufgeben.

          Körper anfällig für Verletzungen

          Die Schmerzen im rechten Fuß waren ganz einfach zu groß. Zwischen Fersenbein und Sprunggelenk war ein Knochenstück abgesplittert. Behrenbruch hatte diese Verletzung in Götzis erlitten – und trotzdem geglaubt, dass er seine Punktzahl vielleicht noch einmal verbessern könnte. Jetzt muss er zittern, ob er im Sommer als einer von drei deutschen Zehnkämpfern in Peking tatsächlich dabei sein darf.

          Dabei hatte sich Behrenbruch in den zurückliegenden Tagen zunehmend besser gefühlt. Natürlich schmerzte der rechte Fuß noch, aber die Probleme an der linken Leiste wurden besser. Dort wurde er im Winter operiert, hoffte danach sogar, vielleicht schon vier Wochen nach dem Eingriff wieder problemfrei trainieren zu können. Dann hat es doch länger gedauert, viel länger. Zuletzt konnte Behrenbruch nur nach Einnahme von Schmerztabletten trainieren. „Ich weiß, das ist ungesund und kann auf den Magen schlagen, aber es ist ja keine Dauermedikamentierung“, hat er noch gesagt. Sein für Verletzungen anfälliger Körper könnte nun der Grund dafür sein, dass sein großer Traum zerplatzt: die Teilnahme an den Olympischen Spielen in China.

          Dabei hatte Behrenbruch vor dem Wettkampf in Ratingen noch einmal alles versucht, um in Form zu kommen. Beinahe alle Disziplinen hat er noch einmal geprobt, um sich Sicherheit für den Wettkampf zu erarbeiten. Sicherheit, dass der Fuß hält. Noch am vergangenen Mittwoch war Behrenbruch ruhig und selbstbewusst zum Abschlusstraining auf die Frankfurter Sportanlage Hahnstraße geschlendert. In Sichtweite glitzerte die breitflächige Fassade jenes Gebäudes, in dem Fondsmanager ihr Geld verdienen. Behrenbruch wärmte sich auf, zog sein T-Shirt aus und stieg unter dem strengen Blick von Friedrich Schneider in den Diskusring. Der Siebenundsechzigjährige ist Disziplintrainer, für ihn ist Behrenbruch noch immer „ein begabtes Kind“.

          „Du bist ein Wettkampftyp“

          Schon mit 17 Jahren holte sich der junge Mann aus Offenbach den deutschen B-Jugendrekord mit 7706 Punkten. Schon vor sechs Jahren hatte er seine herausragenden Stärken in den drei Wurfdisziplinen. „Wir machen Imitationen und versuchen, die Beinarbeit zu stabilisieren“, sagte Schneider. Aber schon drei Tage vor Ratingen waren beide nicht mit der Wurfauslage des Zehnkämpfers zufrieden, die Scheibe segelte in den Schutzzaun, flatterte zu stark oder landete außerhalb des Sektors. 47, vielleicht 48 Meter hat Behrenbruch im Training geworfen – und Schneider hat ihm Mut zugesprochen. „Du bist ein Wettkampftyp“, hat er gesagt. Aber das war Theorie.

          Behrenbruch wollte endlich den Ruf des ewigen Talents loswerden. Im vergangenen Sommer hat er ziemlich großspurig 8500 Punkte angekündigt, dann kam die doppelte Leistenoperation und warf ihn zurück. Auch deshalb wurde sein Rekord von Götzis in Fachkreisen als Sensation gehandelt. „Ich will die Nummer eins in Deutschland bleiben, in der Liste ganz oben stehen“, sagte Behrenbruch. Vor Ratingen war das die Situation, an diesem Sonntag aber wird vermutlich vieles anders sein. Eines aber ist sicher: Sein Körper, nicht aber seine Einstellung war dafür verantwortlich. Behrenbruch eilte viele Jahre der Ruf des schwer Erziehbaren voraus, kürzlich hat er über sich gelesen, dass er ein Lebemann sei. Dabei sei er sich überhaupt nicht darüber im Klaren, was damit eigentlich genau gemeint ist.

          Die Hoffnung stirbt zuletzt

          Zuletzt hatte ihn Martin Dudek, sein verletzter Trainingspartner in Frankfurt, aufgefordert, „eine Serie zu starten“ und nie mehr den Thron des besten deutschen Zehnkämpfers zu verlassen. Aber dieser Wunsch scheint nun schon wieder Vergangenheit. Die Serie könnte gerissen sein. Und trotzdem wird Behrenbruch die Hoffnung nicht aufgeben. Schließlich müssen Zehnkämpfer von Natur aus leidensfähig sein.

          Weitere Themen

          Das Standardprogramm muss stimmen

          FSV Mainz 05 : Das Standardprogramm muss stimmen

          Hinten anfällig, vorne harmlos. Die Mainzer könnten kaum schlechter dastehen in der Fußball-Bundesliga. Vor allem müssen sie sich bei Eckbällen verbessern – den eigenen und jenen des Gegners.

          „Mich interessiert der längere Weg“

          Choreographin Doris Uhlich : „Mich interessiert der längere Weg“

          Der Körper im Mittelpunkt ihres Schaffens ist weniger der fitte, durchtrainierte: Doris Uhlich hat sich mit ihren ungewöhnlichen Choreographien international einen Namen gemacht. Nun ist sie beim Tanzfestival Rhein-Main im Fokus, das bis Sonntag halbwegs normal läuft.

          Topmeldungen

          Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

          Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

          In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
          Wahlkämpferisch: Donald und Melania Trump am Freitag bei einer Veranstaltung in Tampa, Florida.

          Wahl in Amerika : Gespaltene Staaten

          Aus dem zivilisierten Wettstreit um die politische Macht zwischen Rot und Blau ist in den Vereinigten Staaten ein radikaler Kampf um alles oder nichts geworden; das liegt nicht nur an Donald Trump. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.