https://www.faz.net/-gtl-a7nem

Leichtathletik während Corona : Der Wintercup der Eintracht ist seltsam, aber beispielhaft

  • -Aktualisiert am

Freut sich in Zeiten der Pandemie über jeden Wettkampf: Malaika Mihambo Bild: Jan Huebner

Eingeschränkter Zutritt, abgesperrte Bereiche, keine Siegerehrung: Der Wintercup der Eintracht findet ganz im Zeichen von Corona statt. Trotz aller Widrigkeiten ist die Freude von Weltmeisterin Malaika Mihambo über den Wettkampf groß.

          2 Min.

          David Corell musste draußen bleiben. Der Bundesnachwuchs- und hessische Landestrainer, der beim Wintercup der Eintracht am Samstag Lisa Mayer vom Sprintteam Wetzlar zum Sieg über 60 Meter in 7,26 Sekunden gecoacht hatte, durfte einen Tag später die Leichtathletikhalle von Frankfurt-Kalbach nicht mehr betreten. Wegen der pandemiebedingten Hygienevorschriften waren nur 50 Personen gleichzeitig bei den Wettkämpfen zugelassen. Der Einlass wurde auf die aktuellen Starter, ihre Betreuer und das Organisationsteam beschränkt.

          Corell drückte sich in der Kälte die Nase an der Glaswand platt, um seiner Freundin Maryse Luzolo beim Saisoneinstieg im Weitsprung unterm Dach zuzusehen. Der gelang der 25-Jährigen bestens: 6,52 Meter im ersten Versuch – so stark hatte sich die Sportlerin des Königsteiner LV noch nie ins Jahr hinein katapultiert. Vier Zentimeter fehlten zur Bestleistung.

          Das reichte in dem gemischten Starterfeld nicht zum Sieg; der Europameisterschaftszweite Fabian Heinle aus Stuttgart schnappte sich diesen mit 7,94 Metern bei seinem Comeback nach einem Achillessehnenriss. Doch hinter ihrem Klubkollegen Gianluca Puglisi, der mit 7,84 Metern seinen persönlichen Rekord steigerte, wurde Luzolo Dritte und beste Frau. Knapp vor Weltmeisterin Malaika Mihambo, die bei ihrem Auftaktsatz auf die gleiche Weite kam, jedoch eine schwächere Serie folgen ließ. Beide Sportlerinnen nutzten einen verkürzten Anlauf. Ein übliches Mittel nach einer längeren Pause.

          Freude über den Wettkampf

          Luzolo wollte der Überraschung nicht zu viel Wert beimessen: „Es war der erste Wettkampf“, die Konkurrentin von der LG Kurpfalz, deren Bestleistung bei 7,07 Metern steht, werde sich steigern. Zudem, das hatte Doppelstarterin Mihambo nach ihrem dritten Platz über 60 Meter in „verhalten gelaufenen“ 7,49 Sekunden gesagt, ging es beim Weitsprung vor allem um die Leistungsdiagnostik. Die Mitarbeiter des Olympiastützpunktes Hessen sollten dank biomechanischer Analyse Ergebnisse ermitteln, die den Auswahlathleten hilfreich sind.

          „Da bin ich schon gespannt drauf“, sagte Mihambo, die in diesem Winter einen Start bei den Hallen-Europameisterschaften Anfang März im polnischen Ort Torun anstrebt. Vorher will sie ihre Leistung in der Grube über das Indoor Meeting Ende des Monats in Düsseldorf und das Istaf am 5. Februar in Berlin bis zu den deutschen Meisterschaften in Dortmund weiterentwickeln. Vorausgesetzt, dass diese Wettkämpfe auch ausgetragen werden.

          Mihambo zeigte sich wie andere namhafte Teilnehmer des Berufs- und Spitzensportlern vorbehaltenen Wintercups „total froh, dass überhaupt etwas stattfindet“. Die Veranstalter hatten hohen Aufwand betrieben. Jeder musste am Eingang ein negatives PCR-Ergebnis vorweisen oder sich für ein um zehn Euro erhöhtes Meldegeld einem Schnelltest unterziehen. Die Trainer durften nur von der Empore aus unterstützen. Markierungen zeigten Aufwärm- und Aufenthaltszonen für die Teilnehmer an, in denen diese sich mit Masken bewegten.

          „Wir haben mit dem Wintercup eine Blaupause vorgelegt“

          Über 200 Meter wurden nur zwei Bahnen besetzt, die Sportler durften sich nicht umarmen, sondern nur mit Ellbogen oder Füßen abklatschen. Auf Siegerehrungen wurde verzichtet; stattdessen ging am Ende eines Wettbewerbes Eintracht-Abteilungsleiter Michael Krichbaum mit den zuständigen Kadertrainern zu den Aktiven, um ihnen Wertschätzung auszudrücken. „Auf dem Niveau legen die Sportler bei so einer Veranstaltung keinen Wert auf Urkunden oder Medaillen“, so Krichbaum.

          „Es war merkwürdig“, sagte Luzolo. Trotz der eifrigen Anfeuerung der Trainer. Eintracht-Zehnkämpfer Andreas Bechmann betonte: „Wir Zehnkämpfer sind es in der Halle gewohnt, zehn Leute wie 1000 wirken zu lassen, indem wir selbst Stimmung machen.“ Nach der Absage der nationalen Mehrkampfmeisterschaften Ende Januar in Halle sei es aber mit der Motivation herb gewesen, so der Titelverteidiger.

          Krichbaum hätte die Veranstaltung gerne nach Frankfurt geholt; „wir haben mit dem Wintercup eine Blaupause vorgelegt“. Jetzt aber müssten die Athleten auf der Suche nach einem starken Wettkampf und mit Hinblick auf die EM- und Olympiaqualifikation einen Start in Tallinn erwägen. „In Zeiten der globalen Pandemie“, so Bechmann, „will ich das eigentlich nicht.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hedwig Richter, Geschichtsprofessorin an der Bundeswehr-Universität München

          Porträt Hedwig Richter : Die Pop-Historikerin

          Hedwig Richter ist ein Star der Geschichtswissenschaft. Ein neuer Ton macht ihre Bücher über deutsche Demokratie und Kaiserreich zu Bestsellern. Er stößt aber auch auf fachliche Kritik. Ein Porträt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.