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Hallensaison startet : Das Erstliga-Abenteuer eines Außenseiters

  • -Aktualisiert am

Die Hallenhockeysaison des Wiesbadener THC startet. Bild: picture alliance / Sportfoto Zink / DaMa

Der Wiesbadener THC spielt in der Halle zum ersten Mal in der Hockey-Bundesliga. Ziel ist der Klassenverbleib. Die Damen des Rüsselsheimer RK gelten hingegen als unabsteigbar.

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          Ein aktueller U-21-Nationalspieler wechselt zum Wiesbadener THC (WTHC)? Vor einigen Jahren schlicht undenkbar. Der WTHC war selbst im hessischen Hockey, das überregional schon lange nicht mehr zur ersten Riege gehört, nur vierte oder fünfte Kraft. Hübsche Anlage im Nerotal, schicke Trikot-Farbkombination, aber sportlich limitiert – das war einmal, zumindest was die Leistungsstärke betrifft.

          Denn von diesem Wochenende an sind die Wiesbadener erstmals in der Vereinsgeschichte erstklassig unterwegs: Die WTHC-Herren laufen in der Hallenhockey-Bundesliga auf. „Wir sind alle sehr heiß auf diese Saison“, sagt Stefan Zeller, der Architekt des Aufschwungs der vergangenen Jahre, der die Mannschaft auch auf dem Feld in die zweite Liga führte. Als reines Abenteuer eines Außenseiters will der Trainer die Runde aber nicht angehen. „Wir haben die ganz klare Zielsetzung, die Liga zu halten. Dafür haben wir im Vorlauf der Saison alles investiert und wollen dies auch bei den einzelnen Spielen tun“, so Zeller.

          Studium in Wiesbaden

          Neu im Team ist U-21-Nationalspieler Leon Lindemann – das 18 Jahre alte Talent kam von Rot-Weiß Köln. „Das Netzwerk greift“, sagte Zeller über den Coup. Weil der WTHC mit Hochschulen und Unternehmen in der Region kooperiert, ist er eine interessante Adresse auch für bundesligaerfahrene Spieler geworden. Lindemann hat einen Studienplatz an der European Business School in Oestrich-Winkel, und Jannis Collée, der vom Ligarivalen SC Frankfurt 1880 gekommen ist, studiert am Wiesbadener Standort der Hochschule Fresenius.

          In der Mannschaft befinden sich aber auch Spieler, die zu Jugendzeiten keine Hessenauswahl von innen gesehen haben und einfach mitgewachsen sind. Oder einer wie Christoph Both, der sogar zu fünftklassigen Oberligazeiten schon für den WTHC am Ball war. An diesem Samstag startet der Klub gleich gegen ein besonderes Kaliber in seine neue Hockeywelt: Es geht in eigener Halle (16 Uhr) gegen den deutschen Meister Mannheimer HC.

          „Das Netzwerk greift“, sagte Zeller über seine Neuverpflichtung.
          „Das Netzwerk greift“, sagte Zeller über seine Neuverpflichtung. : Bild: Privat

          Tags darauf (12 Uhr, Livestream über Vereinshomepage) folgt das nächste Heimspiel, das Coach Zeller als „Sechs-Punkte-Spiel“ klassifiziert. Denn Gegner TG Frankenthal ist nominell die Mannschaft, welche der WTHC für das Klassenziel in der sechs Teams umfassenden Südstaffel am ehesten hinter sich lassen könnte.

          Eine streng defensive taktische Ausrichtung wird es bei dem Aufsteiger nicht geben. „Das wäre nicht das, was wir den Zuschauern bieten wollten, und auch nicht unser Anspruch“, sagt Zeller. „Wir wollen clever auftreten, aber zugleich auch aggressiv und mutig.“

          Positive Bilanz

          Im Vergleich zu den WTHC-Herren haben die Damen des Rüsselsheimer RK eine glanzvolle Hallenhockey-Vergangenheit. Neun Mal deutscher Meister (zuletzt 2005), 15 Mal Europapokalsieger (zuletzt 2006), seit 35 Jahren permanent in der Bundesliga vertreten. Doch seit einigen Jahren geht es den Rüsselsheimerinnen vorwiegend darum, den Status als Unabsteigbare zu verteidigen – mit gelegentlichen Sprüngen ins Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft.

          Das ist auch die Konstellation in dieser Hallenrunde. Denn mit dem Final Four, das Anfang Februar in der Frankfurter Ballsporthalle stattfindet, gibt es einen Extraansporn, in diesem Winter etwas Besonderes zu schaffen. Der Pfad dorthin, so Trainer Norman Hahl, führt über die möglichst volle Punkteausbeute gegen die schwächer einzuschätzenden Feudenheimer HC und Nürnberger HTC und eine positive Bilanz in den traditionell engen Partien gegen den Münchner SC und TSV Mannheim. Letztere waren auswärts am Freitagabend Auftaktgegner. Nach einer schwachen ersten Halbzeit (0:4) schafften die Hessinnen noch ein 6:6-Unentschieden. An diesem Sonntag (12.30 Uhr) folgt die Partie bei Topfavorit Mannheimer HC.

          Bei den RRK-Damen macht es stets einen großen Unterschied, ob Kapitänin Pauline Heinz auf dem Platz steht oder nicht. Die Olympiateilnehmerin war zwar zuletzt noch mit der Nationalmannschaft (Feld) in Argentinien und hat nur an wenigen Halleneinheiten im Klub teilgenommen, ist aber fortan wieder die stärkste Offensivwaffe der Hessinnen.

          Auch für die Hallen-Europameisterschaften in Hamburg im Dezember ist sie nominiert worden. Weil Hallenzeiten in Rüsselsheim aktuell rar sind, starten die RRK-Damen, die nach ihrer studienbedingten Pause wieder auf Mara Bentscheck bauen können, mit vier Auswärtspartien in Serie in die Saison. Womöglich gilt es für die Rüsselsheimerinnen, im zweiten Saisonteil das Feld von hinten aufzurollen.

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