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Wiesbadener Reitturnier : Spanisches Temperament vor eleganter Kulisse

Welche Springreiter machen zur Zeit am meisten von sich reden? Ludger Beerbaum natürlich, der Sieger des Deutschen Springderbys vor einer Woche in Hamburg. Marcus Ehning, der Weltcupsieger und Derby-Zweite. Sie alle werden über Pfingsten im Biebricher Schloßpark zu sehen sein.

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          Welche Springreiter machen zur Zeit am meisten von sich reden? Ludger Beerbaum natürlich, der Sieger des Deutschen Springderbys vor einer Woche in Hamburg. Marcus Ehning, der Weltcupsieger und Derby-Zweite. Und der Schwede Rolf-Göran Bengtsson, der dritte Mann im Stechen auf dem traditionsreichen Parcours von Hamburg-Klein-Flottbek. Noch am vergangenen Sonntag haben sie sich erfolgreich mit dem Großen Wall und Pulvermanns Grab auseinandergesetzt, die einem Holsteiner Abenteuerritt nachempfunden sind. Das Pfingstfest aber werden sie vor eleganterer Kulisse verbringen: Im Schloßpark von Biebrich, beim 67. Internationalen Wiesbadener Reitturnier.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Die hessische Landeshauptstadt hat es gut: Auch im dritten Jahr ihres Bestehens macht die Riders Tour hier Station, die hochdotierte Serie, hinter der der dreifache Europameister Paul Schockemöhle und der Motorsportmanager Hans-Werner Aufrecht stehen. Wer sich einen Anteil am Preisgeld sichern will, muß bei den Qualifikationen Punkte sammeln. Insgesamt führt die Tour über neun Stationen. Für die Besten gibt es im November in München dicke Schecks: Insgesamt 660000 Euro werden an die Einzelkämpfer verteilt, noch einmal 301000 Euro an die besten Mannschaften. Wer in Wiesbaden die Kandidaten sehen will, muß am Samstag um 17 Uhr zum Springen der Mannschaften erscheinen und am Sonntag um 14.15 Uhr zum Championat von Wiesbaden, wo es um den Etappensieg in der Einzelwertung geht.

          Wahrscheinlich wird es dann am Rande des Parcours ähnlich heiß hergehen wie zwischen den Hindernissen. Die Frage, ob eine Siegerrunde (nach einer gewaltsamen Anpassung ans internationale Reglement nun "Siegerspringen" genannt) der rechte Austragungsmodus ist, versetzt die Branche seit Monaten in mühsam unterdrückte Aufregung. In die Runde der zehn Besten müssen eventuelle Fehler aus dem ersten Umlauf nämlich nicht mitgenommen werden. Ob es da nicht gerechtere Lösungen gäbe, um das Fernsehen mit einem berechenbaren Format zu bedienen? Etwa ein Zeithandicap für Abwürfe aus der ersten Runde? Aber Verbesserungsvorschläge würden im Schloßpark im Moment wahrscheinlich nur den Burgfrieden zwischen Tour und Reitern stören.

          Da mutet das höchstdotierte Springen des Pfingstturniers, der Große Preis am Montag (14.30 Uhr), geradezu beschaulich an. In dem Springen mit ganz traditionellem Stechen geht es um 60000 Euro des insgesamt 235000 Euro umfassenden Preisgeldtopfes. Ludger Beerbaum gewann diesen Wettbewerb im vergangenen Jahr mit seinem Schimmelhengst Champion du Lys, im übrigen dem Siegerpferd von Hamburg. Champion bescherte dem Meister bereits zum zweiten Mal den Derbysieg. Verdiente Cracks wie Rodrigo Pessoa, Lars Nieberg, Otto Becker und Olympiasieger Jeroen Dubbeldam wollen natürlich verhindern, daß es in Wiesbaden zu weiteren Wiederholungstaten kommt.

          Auch die Wiesbadener Dressurwettbewerbe, deren dramatischer Höhepunkt die Flutlicht-Kür am Sonntagabend (20.30 Uhr) sein wird, können sich mit großen Namen schmücken: So hat zu Wochenbeginn Weltmeisterin Nadine Capellmann zugesagt, die allerdings ohne ihren kapriziösen Pferdestar Farbenfroh kommen wird. Auch Team-Weltmeisterin Ann-Kathrin Linsenhoff stellt ihren genialen Wallach Renoir nicht im Viereck vor, doch wer Glück hat, kann ihn am Rande des Turniers im Training beobachten. Zwar hat Lokalmatadorin Anja Ploenzke wegen einer Erkrankung abgesagt, doch die Niederlänerin Ellen Bontje, die im vergangenen Jahr mit Silvano den Grand Prix Special gewann und in Neu-Isenburg zuhause ist, wurde vom Publikum längst als Hessin anerkannt. Die einstige Seriensiegerin Isabell Werth, die sich wild entschlossen wieder in die deutsche Spitze zurückkämpfen will, wird Apache und Antony aufbieten. Die meiste Aufmerksamkeit wird aber wohl die spanische Dressur-Equipe auf sich ziehen. Drei temperamentvolle andalusische Machos (Rafael Soto, Ingnacio Rambla, Juan Antonio Jimenez) auf ihren schmucken Hengsten und eine brave Katalanin (Isabell Ferrer-Salat) mit ihrem gelehrigen Hannoveraner begeisterten im vergangenen Jahr mit ihrem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Jerez de la Frontera nicht nur ihre Landsleute. Besonders umjubelt: Rafael Soto, ein Andalusier, der die stolze Pose liebt. Wem das noch nicht genug Show ist, der sollte sich bereits am Freitagabend den Genüssen der Pferdeverehrung hingeben, und zwar bei den effektvollen Bildern der Wiesbadener Pferdenacht.

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