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Kickers-Assistent Berndroth : Der „Tiger“ von Offenbach

  • -Aktualisiert am

Offenbachs neuer Cheftrainer Angelo Barletta übernimmt erstmals ein Amt im Profifußball Bild: Jan Huebner

Unter dem neuen Trainer Angelo Barletta wagen die Kickers Offenbach einen personellen Neustart. Dabei setzt Barletta vor allem auf Teamgeist – und den „Hermann Gerland vom Bieberer Berg“.

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          Mit 67 Jahren ist Ramon Berndroth bereits im Rentenalter. Aber an den Ruhestand denkt der im Rhein-Main-Gebiet so viel beschäftigte und noch sehr rüstige Fußballlehrer noch lange nicht. Hört der Tausendsassa mit der einen Aufgabe (Sportlicher Leiter des Darmstädter Nachwuchsleistungszentrums) auf, fängt für ihn schon die nächste an: Seit Montag ist Berndroth neuer Assistenztrainer und Chefscout bei den Offenbacher Kickers. Sein neuer Vorgesetzter ist der neue OFC-Cheftrainer Angelo Barletta, der am Montag vom Regionalliga-Klub ebenfalls offiziell vorgestellt wurde. Die Verpflichtung von Berndroth sei für ihn „wie ein Sechser im Lotto“, sagte der 25 Jahre jüngere Barletta.

          „Ramon ist mehr als ein Trainer für mich. Er ist mein Ziehvater und der Coach.“ Berndroth, der auf dem Bieberer Berg in seine insgesamt „vierte Amtszeit“ geht und der dort von 2000 bis 2003 Cheftrainer war, wird nun in Offenbach ein paar Spielklassen tiefer der Stellenwert bescheinigt, den Herrmann Gerland als Assistenztrainer bei Bayern München einnimmt. „Das ist ein Kompliment für mich“, sagte Berndroth und grinste. „Ich mag ihn, den Tiger Gerland, ohne Ende.“

          Barletta, der vom Ligarivalen Bayern Alzenau kommt und der auch seinen Assistenztrainer Dennis Bochow mitbringt, muss sich seine Sporen erst verdienen. Die Kickers sind seine erste Profistation als Cheftrainer. Auch der gebürtige Hanauer hat seine Karriere als Fußballprofi 2001 in Offenbach begonnen. „Hier denken sie nur Fußball“, sagte Barletta, der vor kurzem noch als AG-Leiter Sport (erste bis achte Klasse) an einer Schule in Frankfurt gearbeitet hatte. „Und ich bin auch Fußballer durch und durch.“

          Barletta und Berndroth – eine „tolle Kombination“

          Den neuen Offenbacher Geschäftsführer Thomas Sobotzik, der einst mit Barletta beim FSV Frankfurt zusammenspielte, begeistert am neuen Cheftrainer die Art, wie dieser für die Aufgabe „brennt. Bei ihm gab es davor keine Station, die er versemmelt hat.“ Schon als Kapitän seiner Teams habe der frühere Zweitliga-Profi Barletta „immer den Blick für das große Ganze gehabt und die Sache nie als Ich-AG betrachtet“, lobte Sobotzik seinen neuen, alten Mitstreiter.

          Auch heute will Barletta, für den mit dem OFC sein „Herzenswunsch“ in Erfüllung gegangen ist, in neuer und voll verantwortlicher Position nicht den Alleinunterhalter spielen. Er habe nicht die „Meisterphilosophie oder die Meistertaktik“. Barletta möchte vielmehr „stark auf seine Mannschaft“ und deren Vorstellungen eingehen. Vorrangig wird es für den neuen Vorkämpfer darum gehen, dafür zu sorgen, dass sich die Kickers dauerhaft von den Abstiegsplätzen fernhalten. Barletta kenne die Liga, das sei ein „Riesenvorteil“, meinte Sobotzik. „Denn wir können es uns nicht erlauben, Punkte zu verschenken.“ Nachlässigkeiten wird Barletta nicht dulden. Ihm sei es „egal, ob er junge oder ältere Spieler“ trainiere. „Die Hauptsache ist, ein Spieler bringt Leidenschaft für das Projekt mit“, betonte der neue Coach.

          Innerhalb kurzer Zeit haben die Offenbacher nach ihren wohl gescheiterten Aufstiegsplänen auf der sportlichen Führungsebene einen radikalen Personalwechsel vollzogen und sich neu aufgestellt. Vereinspräsident Joachim Wagner sprach am Montag von einem „tiefen Schnitt“. Das Ergebnis ist aus Sicht von Sobotzik mit den beiden B’s Barletta und Berndroth eine „tolle Kombination. Wir decken alle Felder ab.“ Über die Vertragslaufzeit der neuen Hauptdarsteller machten die Kickers keine Angaben. Denkbar wäre, dass sich die Verträge des Trainerteams im Fall des Aufstiegs in die dritte Liga automatisch verlängern. Stichtag dafür könnte das Rundenende 2020/2021 sein. Der vielseitige Berndroth glaubt, nun in Offenbach „genau richtig zu sein. Es gibt hier sehr viele Leute, die es ehrlich mit dem OFC meinen und die sich nicht selbst profilieren wollen“, sagte er. Ans Aufhören verschwendet er weiter keinen Gedanken. „Mich hält das Geschäft jung.“

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