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Weitspringerin Maryse Luzolo : Die schwere Rückkehr nach einer schlimmen Verletzung

  • -Aktualisiert am

Nummer drei in Deutschland, trotz kaputtem Knie: Maryse Luzolo hofft endlich wieder auf eine „richtige“ Saison. Bild: Picture-Alliance

Weitspringerin Maryse Luzolo hat sich nach einem Schicksalsschlag zurückgekämpft und ist nun die deutsche Nummer drei – aber eine große Frage bleibt noch offen.

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          Die höchste Hürde in dieser Woche stand Maryse Luzolo am Freitag bevor. Da schrieb die Studentin der Biologie eine verpflichtende Physikklausur. Dieses Teilgebiet der Naturwissenschaften zählt nicht unbedingt zu den Leidenschaften der 24-Jährigen. „Aber ich habe fleißig dafür gelernt, und wenn’s gut läuft, nehme ich das als Omen.“ Als positives Signal für das, was an diesem Wochenende mit den hessischen Hallenmeisterschaften in Kalbach beginnt: eine Leichtathletiksaison, die endlich mal wieder „eine richtige“ sein soll.

          Die Weitspringerin des Königsteiner LV hat das lange missen müssen, die Aneinanderreihung von Wettbewerben, die einem neben zunehmender Sicherheit prickelnde Gefühle verleiht. Nach der schweren Knieverletzung, die der damals Besten der nationalen U-23-Klasse vor zweieinhalb Jahren ein falsch eingestelltes Trainingsgerät am Olympiastützpunkt zufügte, sah es sogar danach aus, als würde sie nie wieder große Sprünge machen können.

          „Das ärgert mich“

          Luzolo kämpfte sich zurück. Erst war es nur die Hoffnung darauf, überhaupt einen Satz in die Grube absolvieren zu dürfen, die die Frankfurterin antrieb. Dann, als die Sportsoldatin im Oktober bei den Militär-Weltmeisterschaften in Wuhan eine gute Serie mit einer Weite von 6,49 Metern beendete und nur zwölf Zentimeter hinter ihrem persönlichen Rekord von 2017 zurückblieb, nahm sie neben einer Silbermedaille die Überzeugung mit in die Heimat zurück, im Spitzensport wieder mitmischen zu können.

          Ein dritter Rang in der nationalen Bestenliste hinter Überfliegerin Malaika Mihambo (7,30 Meter) und Eintracht-Athletin Julia Gerter (6,62) bestätigte sie darin. „Ich hätte damals nicht erwartet, dass es schon so weit geht“, sagt Luzolo. Die Unsicherheit über die eigene Leistungsfähigkeit resultierte daraus, dass sie im Sommer wegen eines Muskelfaserrisses im Hüftbeuger bis dahin nur zweimal am Start gewesen war. Eine „richtige Saison“ sieht anders aus. Nach nur einer Woche Erholung ging es gleich weiter in die Wintervorbereitung. „Ganz normal“ sei diese verlaufen, sagt Luzolo. Obwohl das einst Gewohnte der Vergangenheit angehört.

          Die Bilder von dem Moment, als die junge Frau hilflos zuschauen musste, wie ihr linkes Kniegelenk zerstört wurde, kann sie meist verdrängen. Auch wenn die juristische Aufarbeitung noch läuft. „Das ärgert mich“, sagt Luzolo. Körperlich wäre „für einen Otto Normalverbraucher“ alles wieder in Ordnung. Doch sie als eine, die nach Höherem strebt, die sich messen will mit der internationalen Konkurrenz, muss bei allem, was sie dem Bein abverlangt, auf dessen Schwachpunkt achten. Manchmal reagiert das Knie auf die Belastung. Zudem ist es trotz intensiver Physiotherapie nicht möglich, den Unterschenkel so weit wie früher anzuwinkeln. Bei kälteren Temperaturen ist die Grenze früher erreicht, dann „fühlt es sich an wie eingerostet“. Wegen der Limitierung hat Luzolo gemeinsam mit Trainer Jürgen Sammert die Landetechnik verändert, rollt sich seitlich ab, statt den Rumpf direkt hinter die Füße zu bringen. „Das klappt noch schlecht, aber wir arbeiten daran“, sagt sie.

          Einige Trainingsmethoden lässt sie zur Sicherheit aus, Hürdensprünge etwa meidet sie. „Aber es gibt für alles Alternativen.“ Sammert, der erfahrene Fachmann, zählte schon immer zu denen, die das Lernen und Weiterbilden nie aufgeben. Trotz allem blitzt bisweilen Ungeduld auf, würde Luzolo gerne mehr Gas geben. Gerade in diesem Jahr, in dem im Sommer die Olympischen Spiele in Tokio und danach die Europameisterschaften in Paris angesetzt sind. Der Sprung nach Frankreich ist laut Qualifikationsliste kürzer als ihre Bestweite, der nach Japan 21 Zentimeter weiter.

          „Natürlich liebäugelt man damit“, sagt Luzolo. Schließlich seien Großereignisse das, wofür sie trainiert. Aber sie weiß, sie darf es nicht übertreiben. Der Jahresplan ist auf den Sommer ausgelegt. In der Halle sind noch Starts im Februar beim Istaf in Berlin und den nationalen Titelkämpfen in Leipzig vorgesehen. Wenn es bei der Hallen-WM in China um Medaillen geht, befindet sich Luzolo in Südafrika im Trainingslager. Um den zweiten Teil einer Saison vorzubereiten, die endlich mal wieder „eine richtige“ werden soll.

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