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Eigener Kopf : Warum Zehnkämpfer Bechmann derzeit auf Zehnkampf verzichtet

  • -Aktualisiert am

Auf dem Sprung: Andreas Bechmann plant für Tokio 2021 Bild: Imago

Nach der Verlegung der Olympischen Spiele hat Zehnkämpfer Andreas Bechmann sein Training umgekrempelt. Beim Deutschen Leichtathletik-Verband kam das nicht gut an. Doch der 20-Jährige hat einen langfristigen Plan.

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          Andreas Bechmann hatte nicht lange gezögert. Als feststand, dass die Olympischen Spiele in Tokio und die alternativ angepeilten Europameisterschaften in Paris wegen der Coronavirus-Krise nicht stattfinden würden, plante der deutsche Hallenmeister gemeinsam mit seinem Trainer Jürgen Sammert um. „Die Weltrangliste ist bis 1. Dezember ausgesetzt“, erklärt der Zehnkämpfer der LG Eintracht Frankfurt. Auch wenn er, dessen Bestleistung bei 8132 Punkten liegt, vorher die Norm für einen Start in Japan 2021 erfüllen würde, würde ihm das für die Qualifikation nichts bringen.

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          So will Bechmann, der mit 20 Jahren zu den Jüngsten im Kreis der besten Dekathleten zählt, das geschenkte Jahr nutzen, um intensiv an seinen Schwachstellen zu arbeiten: Diskuswurf, Hürdensprint und „technische Instabilitäten“. Zudem werden noch spürbare Folgen der Verletzungen der vergangenen zwei Jahre auskuriert. „Normalerweise bleibt für so etwas nie Zeit“, sagt der Achte der U-20-Weltmeisterschaften von 2018.

          Das umgekrempelte Training sei darauf ausgerichtet, im August 2021 so stark wie möglich zu sein. Einen ganzen Zehnkampf in diesem Jahr zu absolvieren, das sieht das Konzept nicht vor. „Dazu wäre ich momentan auch gar nicht in der Lage“, sagt der Sportler. Bei den Verantwortlichen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) kam es gar nicht gut an, dass einer der wenigen Allrounder, die in diesem Sommer nicht wegen Verletzungen oder, wie Weltmeister Niklas Kaul, wegen einer vorgezogenen Operation pausieren, bei den Titelkämpfen am nächsten Wochenende in Vaterstetten nicht in allen Disziplinen antreten will. Bechmann vertritt eine klare Meinung: „Jeder Zehnkampf birgt ein Verletzungsrisiko“, sagt er. Warum sollte er dieses eingehen, wenn ihm das in sportlicher Hinsicht so gut wie nichts einbringe? Seine Pläne sind langfristig ausgerichtet; er hofft, noch weitere Olympiazyklen lang in seinem Sport Akzente setzen zu können.

          Start-up und Stipendium

          Mittlerweile wurde ein Kompromiss erzielt, wie Eintracht-Abteilungsleiter Michael Krichbaum berichtet: Bechmann soll am zweiten Tag der Meisterschaften in Bayern antreten und mindestens vier Starts hinlegen. Der Wettkampf wird jenem ähneln, den der Athlet selbst am dritten August-Wochenende für den Sommer-Cup der Eintracht-Leichtathleten initiierte. Bei der Veranstaltung auf der Anlage an der Niederräder Hahnstraße waren bis zu 200 Zuschauer zugelassen. Knapp 100 nutzten die Gelegenheit.

          Bechmann selbst hatte sich darum gekümmert, dass unter anderem die drei Erstplazierten der Schweizer Meisterschaften am vergangenen Wochenende, Simon Ehammer, Finley Gaio und Matthias Steinmann, anreisten, um sich mit ihm im Hürdensprint, Diskuswurf, Stabhochsprung und auf den für Zehnkämpfer ungewohnten 200 Metern zu messen. „Es gibt für uns nicht viele Optionen zu testen“, sagt Bechmann. Die Premiere im heimischen Leistungszentrum könnte aber auch einen Piloten darstellen und weitere Auflagen erleben.

          Mit Start-ups kennt sich der Stipendiat der Bad Homburger Accadis Hochschule allmählich aus. Gemeinsam mit Kommilitonen ist er gerade dabei, eines zu gründen, das sich aus einer vielversprechenden Projektarbeit für sein Studium heraus ergeben hat. Das Engagement vereinnahmt. Doch es gibt Bechmann Sicherheit für die Karriere nach der auf der Laufbahn. Zudem gebraucht er trotz aller ehrgeizigen Ziele seinen Kopf gerne für Dinge über den Sport hinaus.

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