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United Volleys : Pokalsieger kämpft um die Zukunft

Reife Leistung: Jochen Schöps erschmettert nach 14 Jahren wieder einen Pokalsieg. Bild: dpa

Nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte stehen für die United Volleys sofort die dringlichen Probleme des Liga-Alltags an. Dort hinken die Frankfurter weit hinter ihren Ansprüchen her.

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          Der Argentinier Rodrigo Quiroga konnte zwar im Pokalfinale verletzungsbedingt nicht mitspielen, aber um die große Pauke bei der anschließenden Party des Frankfurter Volleyball-Teams kümmerte sich der Außenangreifer trotz seines noch nicht ganz ausgeheilten Muskelfaserrisses vorbildlich. Ein Sieg muss eben gefeiert werden. Selbst in Corona-Zeiten. Zumal, wenn es sich um den größten Erfolg der Vereinsgeschichte handelt. Und wenn alle am Fest Beteiligten ohnehin in einer Blase leben und alle zwei Tage getestet werden.

          Um 18.29 Uhr am Sonntag war der Moment gekommen, für den der Verein fünfeinhalb Jahre zuvor gegründet worden war: Außenangreifer Tim Grozer schlug den Block an, der Ball landete im Aus, Matchball verwandelt. Die United Volleys Frankfurt sind deutscher Volleyball-Pokalsieger 2021, haben nach dem 3:0-Finalsieg über die Netzhoppers KW Bestensee ihren ersten Titel gewonnen.

          Um 18.56 Uhr war dieser Erfolg dann auch greifbar. Mannschaftskapitän Jochen Schöps reckte den Pokal in die Höhe, als sichtbares Zeichen des Triumphs. Goldlametta regnete vom Deckenhimmel der Mannheimer SAP-Arena, „An guten Tagen“ dröhnte aus der Musik-Anlage. Die Riege der Zwei-Meter-Männer auf dem Podest feierte ihren Triumph mit La Ola und den weiteren üblichen Sieges-Gesten.

          Nicht mittendrin, aber in Mannheim dabei war der Mann, der dem Klub einst den Weg in die Bundesliga geebnet hatte. „Ich habe mich sehr gefreut, aber etwas Abstand gehalten“, sagte Jörg Krick. Der Unternehmer hatte die United Volleys 2015 aus dem Stammverein TG 1862 Rüsselsheim gelöst. Das Team sorgte dann nach dem Aufstieg in die Bundesliga sogleich für Aufsehen. Dreimal nacheinander erreichten die Volleys das Play-off-Halbfinale der Bundesliga, zweimal auch die Vorschlussrunde im Pokal. „Man muss immer mehrere Anläufe nehmen, bis es klappt“, sagte Krick nun nach dem Triumph und betont: „Es ist nicht mein Erfolg“.

          „Die Zuschauer haben gefehlt“

          Vor dieser Saison hat er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, ist aber noch als Gesellschafter dem Verein verbunden, der in gewisser Weise „sein Verein“ ist. In der Stunde des größten Erfolgs überkam ihn eine gewisse Wehmut: „Alleine feiern ist doof“, sagte Krick: „Die Zuschauer haben gefehlt.“ Zumindest an der Frankfurter Wintersporthalle, wo der Klub seine Geschäftsstelle unterhält, bereiteten treue Fans den Spielern nach der kurzen Heimreise dann aber doch einen kleinen Empfang – auf Abstand und mit Maske. Im kleinen Kreis ging es weiter. Mit Musik und Tanz und „einschlägigen Stimmungsliedern“, wie Vereinssprecher Jan Wüntscher erzählte.

          Ob mit oder ohne Fans, „der Pokalsieg bedeutet mir viel“, sagte Kapitän Schöps. Für ihn war es schon der fünfte seiner Karriere. Viermal hatte der Diagonalangreifer mit dem VfB Friedrichshafen den deutschen Cup gewonnen, zuletzt allerdings 2007. Danach begannen für den Mann, der einst am Volleyball-Internat in Frankfurt eine erfolgreiche Laufbahn begonnen hatte, die üblichen Wanderjahre seiner Sportart.

          Er spielte fünf Jahre in Russland, gar sechs in Polen. Erst nach Spielzeiten in Frankreich und Qatar kehrte der 318-malige Nationalspieler vergangenes Jahr im reifen Alter von 36 nach Deutschland zurück. Und heuerte in seiner alten Heimat an, bei einem jungen Verein, der mit dem Anspruch antrat, deutsche Spieler zu fördern. Und dies aber, um das Projekt nicht nur jung und wild, sondern auch erfolgreich gestalten zu können, mit der Führung durch ältere, erfahrene zu kombinieren versuchte.

          Probleme in der Bundesliga

          Ausgerechnet in einer Saison, die bislang als die schlechteste galt, gelang diesem Projekt nun der größte Sieg. In der Bundesliga hinken die Volleys weit hinter ihren Ansprüchen her, rangieren kurz vor Abschluss der Hauptrunde nur auf dem sechsten Platz. Bereits an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) müssen sie in der Fraport-Arena gegen Tabellenführer VfB Friedrichshafen antreten, am Samstag folgt dann das letzte Spiel der regulären Runde gegen Bühl.

          Wenigstens Platz acht und damit die Teilnahme an den Play-offs haben sie sich zwar gesichert, doch um sich dort eine realistische Chance auf den Einzug ins Halbfinale zu erhalten, streben die Frankfurter Platz fünf in der Tabelle an. Damit würden sie in der ersten Playoff-Runde den großen drei aus Friedrichshafen, Düren und Berlin aus dem Weg gehen.

          In der Vorsaison hatten die Volleys selbst noch zu den Großen gehört. Als der Spielbetrieb Corona-bedingt abgebrochen wurde, standen sie auf Platz zwei. Nun erhoffen sie sich für den Endspurt in der Liga durch den Pokalsieg einen Schub. Wie es freilich in der kommenden Saison weitergeht, ist angesichts der Pandemie-Bedingungen noch unklar. Business-Pläne sind zwar geschrieben, neue Sponsoren findet derzeit aber kein Verein. Das Profisport-Hilfspaket II ist beantragt. „Wir hoffen, dass wir überleben können“, sagt Krick. Als in Mannheim nach dem Konfettiregen das Licht wieder anging, spielte die Hallen-Regie: „Der letzte Tanz“.

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