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Volleyball-Überraschung : „Mehr als 100 Prozent“

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Das Glück der Außenseiter: Günthör, Imhoff, Hüger und Quiroga (v.l.) nach dem guten Ende in Friedrichshafen. Bild: nordphoto

Die United Volleys spielen gegen den VfB Friedrichshafen erstmals ihr volles Potential aus und ziehen ins Pokalfinale ein. Nun wollen sie auch in der Bundesliga aufholen.

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          Am Tag nach dem nervenaufreibenden Krimi war Entspannung angesagt. Spaziergänge am Bodensee, Physiotherapie und am Abend ein leichtes Training, um, wie Trainer Juan Manuel Serramalera sagte, „noch einmal den Ball zu berühren“. Schließlich müssen die United Volleys an diesem Samstag (17.30 Uhr) abermals beim VfB Friedrichshafen antreten und wollen dabei Punkte holen, mit denen sie in der Bundesliga vom achten Platz weg weiter nach oben kommen.

          Das viel wichtigere Duell mit dem gastgebenden Rekordmeister bei diesem Trip in den Süden haben die Frankfurter Volleyballspieler aber schon gewonnen. Im Halbfinale des DVV-Pokals setzten sie sich am Donnerstag in fünf Sätzen gegen den Favoriten durch und zogen erstmals in ihrer Historie ins Endspiel des nationalen Wettbewerbs ein. Dort treffen sie am 28. Februar in der Mannheimer Arena auf einen weiteren Debütanten, die Netzhoppers KW Bestensee, die ebenfalls im Tiebreak über den TSV Herrsching triumphierten.

          „Ein unangenehmer Gegner“, kommentierte United-Außenangreifer Tim Grozer. „Es wird in diesem Spiel keinen Favoriten geben.“ Diejenigen, die sich seit 2013 die Siege im Cup teilten, der VfB und der Titelverteidiger aus Berlin, sind vorzeitig ausgeschieden. „Im Pokal passieren kuriose Dinge“, sagte Grozer. Der 22-Jährige hatte gehörigen Anteil daran. Mit starken Aufschlägen legte er die Basis dafür, dass sich die Hessen auch bei größeren Rückständen immer wieder an das Team ihres früheren Trainers Michael Warm herankämpfen konnten. Den Matchball servierte der ehemalige Rottenburger sich gewissermaßen selbst, als er nach eigener Eröffnung ein Zuspiel von Matthias Valkiers in eine donnernde Offensive verwandelte. Von einem Traum sprach Grozer danach, der durch eine nicht makellose, aber durchweg engagierte Teamleistung in Erfüllung gegangen war. „Wir haben mehr als 100 Prozent gegeben“, lobte er. „Jeder von uns war extrem fokussiert, und wir haben nie die Köpfe hängen lassen.“ Diese mentale Stärke imponierte auch seinem Coach. „Wir haben genau im richtigen Moment die richtige Performance abgeliefert“, sagte der Argentinier.

          Dass der Volleys-Kader mehr Potential hat, als er bis dahin zeigen konnte, darin war man sich einig. „Wir hatten immer Phasen, in denen wir es geschafft haben, unser wahres Können abzurufen“, sagte Serramalera. Aber oft dauerten diese nicht lange genug an, um das Spiel zu gewinnen. Im Pokal-Viertelfinale gegen den zwischenzeitlichen Liga-Spitzenreiter Bühl schien der Knoten geplatzt. Doch dann folgte beim Meister in Berlin wieder eine enttäuschende Leistung. „Da haben uns die Emotionen gefehlt“, analysierte Grozer.

          Die zehn spielfreien Tage wurden dafür genutzt, die Begegnung mit Friedrichtshafen sorgfältig vorzubereiten und Wege herauszufiltern, auf denen diese laut Serramalera „nicht so viele Bälle von uns killen können“. Der Gegner befand sich gleichzeitig beim Champions-League-Turnier in Trentino und ließ dort bei drei Spielen innerhalb von drei Tagen einiges an Energie. Schmälern muss das den Erfolg der Gegner nicht.

          Nur Dora fehlt zu Tim Grozers Glück

          Nie zuvor waren die Volleys so nah an einem Titel. Zum Saisonauftakt standen sie zwar erstmals im Supercup-Finale. Doch eine realistische Chance hatten sie gegen Berlin nach kurzer Vorbereitung damals nicht. Jetzt übt das zuvor von personellen Sorgen gebeutelte Team erstmals längere Zeit „mit einem normalen Kader“, wie Grozer sagt. Er selbst beißt dafür die Zähne zusammen, denn die Fußsohlenentzündung, wegen der er zwischendurch pausierte, bereitet noch Schmerzen. Obwohl sich der erst 17-jährige Volleyball-Internatsschüler Linus Hüger bei seinen Kurzeinsätzen Respekt des Positionskollegen verdiente, sind die Talente, die aus Spargründen als Backups dienen, nicht reif für längere Vorstellungen auf erstklassigem Niveau. Dass in dem Argentinier Facundo Imhoff kurzfristig noch ein Mittelblocker angeheuert wurde, ist laut Gesellschafter Jörg Krick der günstigen Gelegenheit zu verdanken, dass der Nationalspieler wegen der Coronavirus-Pandemie von seinem Arbeitgeber in Finnland freigestellt war.

          Es bleibt eine Gratwanderung, die die Volleys in dieser Saison absolvieren. Grozer appelliert an seine Teamkollegen, dabei jetzt nicht nachzulassen. Er persönlich bedauerte am Freitag nur eins: Dass seine Schwester Dora mit dem MTV Stuttgart das Pokalfinale verpasste und „wir nicht zusammen nach Mannheim fahren“.

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