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Volleyball-Star in Liga drei : „Du hast ein paar sehr glücklich gemacht“

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„Ausnahmespieler“ Jochen Schöps wird nicht mehr in der Volleyball-Bundesliga aufschlagen. Bild: IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Jochen Schöps beendete im Sommer die Profikarriere, weil die United Volleys ihr Team zurückzogen. Nun ist er Freizeitsportler. Sein neuer Klub fand ihn über die Sozialen Medien.

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          Hätte Jochen Schöps es damals schon gewusst, hätte er diesen letzten Auftritt auf höchstem Niveau mehr genossen. Doch als sich die United Volleys im April nach einer spannenden Halbfinalserie gegen Titelverteidiger Berlin aus der zurückliegenden Volleyball-Bundesliga-Saison verabschieden mussten, ging Schöps noch davon aus, eine weitere Spielzeit für die Frankfurter aufzuschlagen.

          Der Lizenzentzug für die Hessen drei Monate später bedeutete das abrupte Ende seiner herausragenden Profikarriere. „Ich hätte mir gewünscht, selbst zu entscheiden, wann ich aufhöre“, sagt der 38-Jährige. Angebote habe es zwar gegeben, aber nach so vielen Jahren, in der sich in der Familie alles nach seinem Leistungssport richtete, sollte Volleyball nicht mehr die wichtigste Rolle spielen.

          Dreimal Volleyballer des Jahres

          Seine Zwillinge sind gerade in die Schule gekommen, seine Frau Anna hat sich eine berufliche Auszeit genommen. „Wenn wir jetzt noch mal umziehen“, sagt Schöps, „sollte alles passen.“ Zu häufige Ortswechsel möchte er seinen Kindern nicht zumuten.

          Als Aktiver hat der langjährige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft alles erlebt. Der in Villingen-Schwenningen geborene Diagonalangreifer nahm an zwei Olympischen Spielen teil und gewann 2014 Weltmeisterschaftsbronze. Er war dreimal Volleyballer des Jahres in Deutschland, fünfmal DVV-Pokalsieger, dreimal deutscher Meister, polnischer Meister, Champions-League-Sieger. Schöps stand für Vereine in Russland, Frankreich, Qatar am Netz. Jetzt ist aus dem Beruf ein Hobby geworden.

          Samstagabend in Langen. Eine ganz normale Sporthalle, etwas mehr als 100 Zuschauer sitzen auf der Tribüne. Keine Lichtshow, kein spektakulärer Einlauf, keine Musikschnipsel – Volleyball pur. Die heimische Sport- und Sänger-Gemeinschaft (SSG) wird ihr Drittligaduell gegen den USC Freiburg 1:3 (25:15, 20:25, 23:25, 19:25) verlieren.

          Am Ende verlieren die United Volleys das Halbfinale gegen Berlin. Das Ende des gesamten Klubs wird im Juli bekannt.
          Am Ende verlieren die United Volleys das Halbfinale gegen Berlin. Das Ende des gesamten Klubs wird im Juli bekannt. : Bild: picture alliance/dpa/Kessler-Sportfotografie

          Es ist die erste Heimpartie nach dem Aufstieg aus der Regionalliga. Schöps wird in ihrer Formation fast durchspielen. Gewohnt gefühlvoll setzt er einen Ball in die äußerste Ecke des gegnerischen Feldes, knallt einen anderen in die Mitte auf den Boden, schlägt mehrere Asse, aber auch Aufschläge ins Netz. „Mann, Papa!“, kritisiert Sohn Theo, der mit seiner Mutter und seiner Schwester Lotte das Geschehen von den Zuschauerplätzen aus verfolgt.

          In der Pause zwischen zwei Sätzen eilt Schöps kurz hinaus, um am Wasserhahn seine Flasche zu füllen. Das Budget erlaubt nur eine gekaufte pro Spieler. Am Ende wird der Routinier erst mal „k.o.“ auf einem Stuhl Platz nehmen. Der Freiburger Trainer David Kurz kommt vorbei. „Du hast ein paar in meiner Mannschaft sehr glücklich gemacht, dass sie gegen dich spielen durften“, sagt er. Die beiden haben in diesem Jahr zusammen den A-Trainer-Schein gemacht, aber Kurz kennt den fünf Jahre Älteren auch schon aus dessen Jugendzeit in Offenburg.

          Prominenter Neuzugang

          „Ausnahmespieler“, „Vorbild“, gar „Legende“, so spricht man über Schöps in der Szene. Er selbst ist bescheiden geblieben. Allüren kennt er nicht, hält sich im Hintergrund, will „supporten“, Chancen eröffnen und nicht dominieren. Die Langener Mannschaft, in der in den beiden Wolf-Brüdern Peter und Georg noch zwei weitere ehemalige Volleys stehen, soll sich so entwickeln, dass sie auch ohne ihn bestens funktioniert.

          Es sei dem prominenten Neuzugang wichtig gewesen, dass die anderen Spieler ihn auch an ihrer Seite wollen, erzählt SSG-Trainer Markus Pfahlert. Es war seine Idee, Schöps anzuheuern. Im Volleyball-Magazin hatte der Coach gelesen, dass die Familie in Langen wohnt. Als der Aufstieg greifbar wurde, habe er Schöps per Facebook kontaktiert. „Er kam dann zu einem Spiel vorbei“, und im Sommer übte er „zum Spaß“ im Sand mit.

          Als die Volleys ihr Profiteam auflösten, kam Schöps auf das ursprüngliche Angebot zurück, den Drittligaverein zu verstärken. Im Klub habe es anfangs Bedenken gegeben, sagt Pfahlert. Man fürchtete, er wolle womöglich „alles umkrempeln“. Schöps kann sich vorstellen, dabei zu helfen, „Langen größer zu machen“. In den Vordergrund schiebt er sich nicht.

          Volleyball mache ihm noch viel zu viel Spaß, um damit schon ganz aufzuhören. Aber nicht in jeder der drei Trainingseinheiten pro Woche mischt er mit, und wenn in der Familie etwas anliegt, werde er auch bei Spielen fehlen. Das „Körpermanagement“ zwischendrin gibt Schöps nicht auf, doch mehr als eine Krafteinheit pro Woche – zu Hause, nicht im Fitnessstudio – plant er nicht ein.

          Aufkommende Wehmut

          Die Folge des reduzierten Fleißes sei, „dass ich jetzt nach jedem Volleyballtag Muskelkater habe“. Bei täglichem Training hatte der sich stets bald verflüchtigt.

          Was er vermisse, das seien die „schnellen“ Freundschaften, die sich in einem Profiteam ergeben, weil man so viel Zeit miteinander verbringt. „Aber jetzt kenne ich meine Nachbarn besser, weil ich öfter zu Hause bin“, sagt Schöps. Anfangs sei er schon „frustriert“ gewesen. Vermutlich werde sich auch so etwas wie Wehmut einstellen, wenn er wieder Begegnungen der Bundesligavereine sieht. Aber weitestgehend hat sich Schöps mit seiner neuen Situation arrangiert.

          Wohin ihn der Berufsweg führt, steht noch nicht fest. Bei den Volleys hatte Schöps bereits ins Management hineingeschnuppert, aber noch nicht tief genug, „um wirklich zu wissen, ob das was für mich ist“. Es gebe bereits Ideen und Visionen, doch noch nichts, das spruchreif ist. Einen Wegzug schließt er nicht aus, aber im Rhein-Main-Gebiet gebe es sowohl für ihn als auch für seine Frau mit ihrer Kompetenz im Bereich Stadionmanagement „großes Potenzial“. Im Laufe der Saison soll eine Entscheidung fallen. Bis dahin genießt er es, zumindest als Freizeitsportler seiner Leidenschaft weiter nachzugehen.

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