https://www.faz.net/-gtl-9uhpf

Visionen der United Volleys : „Frankfurt ist schwierig“

  • -Aktualisiert am

Viele Hände, schnelles Ende: Volleyball-Nationalspieler Krick Bild: EPA

Der Volleyballklub macht eine schwere Phase durch. Nun sollen Film und Fernsehserie einen Schub verleihen. Doch falls der Dome nicht kommt, droht Macher Krick, „den Stecker“ zu ziehen.

          2 Min.

          Kürzlich schaute Christian Dünnes bei einem Spiel der United Volleys in der Frankfurter Ballsporthalle vorbei. Dem Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbandes, der in den ersten beiden Jahren selbst für die Hessen aufgeschlagen und großen Anteil an deren damaligen Halbfinalteilnahmen in der Bundesliga hatte, war die Enttäuschung anzumerken über das, was er sah. Nur etwas mehr als 300 Zuschauer verloren sich in der Arena, die Mannschaft selbst, obgleich personell gut aufgestellt, musste ihr erstes CEV-Cup-Duell in dieser Saison gegen den weißrussischen Vertreter Schachzjor Salihorsk im Tiebreak abgeben.

          „Frankfurt ist schwierig“, wenn es darum geht, die Sportinteressierten für etwas Neues zu begeistern, resümierte der ehemalige Kapitän. Das Projekt, das er selbst einst als „das interessanteste seit langem im deutschen Volleyball“ bezeichnete, sei „etwas vom Weg abgekommen“. Nicht nur, weil die zu Beginn ihrer Geschichte dreimal auf dem dritten Platz gelandeten Volleys aktuell nur Fünfter in der Liga-Rangliste sind und gegen Vereine aus der hinteren Tabellenhälfte wie Giesen oder Rottenburg verloren haben. Auch der Anteil derjenigen, für die das Team ursprünglich mal gedacht war, junge aufstrebende Talente auf dem Weg nach oben, ist zurückgegangen. Erfahrene Ausländer wurden engagiert, um die gewachsenen Ambitionen zu erfüllen.

          Doch statt wie geplant mit einem starken Kader die beiden seit Jahren führenden Topteams aus Berlin und Friedrichshafen anzugreifen, dümpeln die Volleys aufgrund starker Leistungsschwankungen mit einem Rückstand von bereits sieben Punkten auf den Zweiten vom Bodensee im Mittelfeld herum. Durch den 3:1-Sieg am Sonntag gegen den Tabellennachbarn aus Herrsching konnten sie laut Geschäftsführer Jörg Krick „einen kleinen Gau“ vermeiden. Doch im nationalen Pokalwettbewerb hat sich der zweimalige Halbfinalteilnehmer bereits in der Runde der besten Acht verabschiedet. An diesem Dienstag steht er beim Rückspiel gegen Salihorsk in Minsk (17 Uhr) im zweitklassigen Europacup vor dem frühen Aus. Nur ein Sieg könnte das verhindern; bei einem 3:2 würde ein Entscheidungssatz klären, wer weiterkommt.

          „Es wäre bitter, wenn wir es nicht schaffen“, sagt Krick. Schwerwiegende Folgen hätte das aber nicht. „Dann sparen wir Geld“, sagt der IT-Unternehmer, „und müssen uns nur noch auf einen Wettbewerb konzentrieren.“ In dem, davon ist der Vater von Nationalspieler Tobias Krick überzeugt, „haben wir Finalpotential“. Der Hauptfinanzier der Volleys glaubt daran, dass jedes Team mal einen Knick erlebt. Die Volleys machten diesen früh genug durch, um in den Play-offs anzugreifen.

          Die Gründe für das Auf und Ab der Formation von Trainer Stelio DeRocco seien vielfältig. Die Lage bei den Außenangreifern gehört dazu, bei denen sich erst der konstanteste, der Niederländer Floris van Rekom, verletzte und jetzt der Australier Luke Smith ausfällt. Dazu kommen weitere individuelle Probleme und eine schwer zu erklärende Unsicherheit im gesamten Team, die sich bei jedem Negativerlebnis verstärkt. Am Coach, unter dem es nach drei erfolgreichen Jahren mit dem jetzt in Friedrichshafen engagierten Michael Warm schon in der vergangenen Saison nicht wie gewünscht lief, liege das nicht, betonen Vater und Sohn Krick.

          Jörg Krick hat sich aus dem Tagesgeschäft des Profiklubs herausgenommen, um sich auf die Akquise von Großsponsoren zu fokussieren. Dass diese durch das Tief des Teams verschreckt werden könnten, davon geht er nicht aus: „Die beschäftigen sich mit anderen Dingen.“ Reichweiten etwa oder der Zuschauerzahl, die auch deshalb abgenommen habe, weil man nicht mehr so viele Freikarten verschenke. Noch immer ist man nicht so weit, dass sich das Projekt selbst trägt. Das hatte Krick sich eigentlich schon für diese Spielzeit vorgenommen. Die „Vision“ ist geplatzt.

          Ein Film und eine Fernsehserie, die am Donnerstag vorgestellt werden und intime Einblicke in das Innenleben des Vereins geben, sollen den Anstrengungen einen Schub verleihen. Zudem hat der als sprunghaft geltende Macher einen neuen Lichtschein am Horizont für sich entdeckt: die nicht von allen als realistisch angesehenen Pläne, einen Dome am Flughafen zu bauen, der gleichermaßen Trainings- wie Spielstätte für die Volleys werden könnte. „Wenn der nicht kommt“, betont Krick, „ziehe ich hier den Stecker.“

          Weitere Themen

          Chancenlose Volleys

          0:3-Niederlage gegen Berlin : Chancenlose Volleys

          Der Trotz und Aggressivität der Berliner zahlt sich aus. Die United Volleys müssen gegen den Meister eine Niederlage einstecken und zeigen zu wenig Widerstand.

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.