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Leon Dervisaj : Neue Verteilerstelle der United Volleys

  • -Aktualisiert am

Wurde in Norddeutschland nicht glücklich: Leon Dervisaj noch im Trikot der SVG Lüneburg Bild: Picture-Alliance

Bei der SVG Lüneburg hat Leon Dervisaj zuletzt keinen Anschluss gefunden. Seit dem Wechsel nach Frankfurt verspürt der selbsternannte „Strahlemann“ wieder Freude am Spiel.

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          „Meine Jungs“ – vor vier Jahren hätte Christian Dünnes die United Volleys so bezeichnet. Doch als der ehemalige Mannschaftskapitän des hessischen Volleyball-Bundesliga-Teams am Sonntag in der Sporthalle der Carl-von-Weinberg-Schule das Bundesliga-Duell der Frankfurter gegen den VCO Berlin beobachtete, verwendete er den Begriff für die Gäste. Als Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) muss sich der 36-Jährige dafür interessieren, wie sich die Talente aus dem Bundesstützpunkt in der Hauptstadt entwickeln. Schließlich sollen sie in die Fußstapfen der aktuellen A-Nationalspieler treten.

          Auf der anderen Seite, der Frankfurter, wirkte ein Akteur, um dessen Nationalteam-Premiere sich Dünnes schon jetzt bemüht. Leon Dervisaj hat gerade einen Vertrag bei den Volleys unterschrieben. Sein Debüt im neuen Trikot gab der 24-Jährige am Samstag bei der Tiebreak-Niederlage gegen die Netzhoppers KW Bestensee, dem Team, bei dem er selbst im Dezember ein paar Tage lang mittrainierte. Damals war noch nicht die Rede von einem Wechsel an den Main. Jetzt musste sich der Zuspieler als mutmaßlicher Spion „ein paar Sprüche“ von den Brandenburgern anhören. Aber der selbsternannte „Strahlemann“ weiß mit solchen Neckereien umzugehen. Hauptsache ist für ihn, dass er wieder einen Platz in einem Bundesliga-Kader gefunden hat. Und dass sein Sport ihm wieder Spaß bereitet.

          „Es hat einfach nicht gestimmt“

          Es fällt schwer zu glauben, dass das vor wenigen Wochen anders war, so gut gelaunt und engagiert präsentiert sich der Ballverteiler auf und neben dem Feld. Doch das Vergnügen am täglichen Üben war Anfang Dezember gen null gesunken. Nach dem Rückzug des TV Rottenburg heuerte Dervisaj im Sommer bei der SVG Lüneburg an. Den Kontrakt mit den Norddeutschen ließ er dann aber vorzeitig auflösen. „Es hat einfach nicht gestimmt“, erklärt er nur. Vom Klub wurde es so dargestellt, als hätte er ein Problem damit gehabt, dass der zwei Jahre jüngere Hannes Gerken zuletzt den Vorzug erhielt. „Es hat mich erstaunt, dass Lüneburg solche Worte wählte“, sagt Dervisaj. Konkurrenzkampf scheue er nicht.

          Um Weihnachten herum hörte Dervisaj, dass die Volleys einen zweiten Mann fürs Training neben Mario Schmidgall suchten, da der Belgier Matthias Valkiers mit Rückenbeschwerden weiter ausfällt. Die Probephase verlief so gut, dass man sich zu einer Zusammenarbeit entschloss. Dervisaj passt auch deshalb ins United-Konzept, weil er ein Anwärter auf einen Platz im Nationalteam ist. Giani hatte den 1,94 Meter großen Spieler bereits 2020 zu einem Lehrgang geladen. Doch ein Auftritt bei den Länderspielen in Polen blieb ihm verwehrt.

          Spielberechtigung für Deutschland

          Dervisaj wurde in Oldenburg geboren und hatte stets nur einen deutschen Pass. Die Volleyballwelt hat jedoch ihre eigenen Regeln. Nach diesen gilt er als Schweizer, weil er seine erste Lizenz im Nachbarland bekam. Dorthin waren die aus dem Kosovo stammenden Eltern 2008 nach 18 Jahren in Deutschland umgezogen, weil Vater Bujar eine Stelle als Volleyballcoach an einer Talentschule antrat. Leon, der zuvor Fußball und Tennis spielte, wurde als 14-Jähriger von seiner Mutter aufgescheucht: Statt den ganzen Tag an der Playstation zu sitzen, sollte er lieber seinen Vater zum Training begleiten. Der selbst hatte seinen Spross nie zu seinem eigenen Sport drängen wollen. „Es war aber die richtige Entscheidung“, sagt der Spätstarter im Nachhinein.

          Nun bemüht er sich intensiv um die Spielberechtigung für Deutschland. Der Weltverband verlangt Geburtsurkunden und andere Nachweise seiner Herkunft; auch eine hohe Ablösesumme steht zur Debatte, obwohl Dervisaj nur in Freundschaftspartien der Junioren für die Schweiz aktiv war. „Es war immer mein großer Traum, für Deutschland zu spielen“, sagt er. „Ich hoffe, dass er bald in Erfüllung geht.“

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