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Trainingsauftakt VC Wiesbaden : Näher zusammenrücken

  • -Aktualisiert am

Hohe Ziele: In der nächsten Saison soll es für Wiesbaden besser laufen (Archivbild). Bild: Picture-Alliance

In der nächsten Saison will der VC Wiesbaden vieles besser machen. Doch schon beim ersten Training fällt auf: Die Corona-Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen.

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          Für den flüchtigen Betrachter sah die erste Spielform beim offiziellen Trainingsbeginn des VC Wiesbaden (VCW) aus wie Volleyball – doch etwas Entscheidendes fehlte: das Blockspiel am Netz. Wegen der aktuell gültigen Hygieneregeln durfte Trainer Christian Sossenheimer seine Spielerinnen nur auf Abstand agieren lassen. Entsprechend fehlte es an der gewohnten Dynamik.

          „Es ist alles noch komplizierter als sonst“, meinte Teammanagerin Simona Kosova zu den vielen Regeln und Bestimmungen, die wegen der Corona-Pandemie vor dem Saisonstart der Frauen-Bundesliga am 4. Oktober, wenn der VCW in Münster antreten muss, zu beachten sind; zu den tausend Gedanken, die noch zu sortieren sind.

          Alles steht wieder auf Anfang

          „Wir wollen eine verschworene Einheit werden“, gibt Sossenheimer schon mal als griffige Formel für die kommende Spielzeit aus. Und bekennt sogleich: „In der vergangenen Saison hat das nicht so geklappt.“ Da verpasste der VCW nach anhaltend enttäuschenden Leistungen sogar die Playoffs der besten acht – die dann wegen des Corona-bedingten Saisonabbruchs im März aber nicht mal ausgespielt wurden. Nun steht also alles wieder auf Anfang, und am Aussehen von Wiesbadens hochklassigster Sportmannschaft hat sich nach dem ersten Eindruck nicht viel geändert. Acht der zwölf Spielerinnen aus dem Kader des Vorjahres sind noch dabei, dazu rückte Zuspielerin Pauline Schultz aus der zweiten Mannschaft auf. Seit Mai haben sie bereits in Kleingruppen trainiert, nach einer Urlaubspause von zuletzt zwei Wochen geht es nun in die heiße Phase.

          Die einzigen echten Neuzugänge, die beiden Amerikanerinnen Ashley Evens und Anna Wruck, fehlen allerdings noch. Sie müssen zunächst einen dritten Corona-Test bestehen, ehe sie am Donnerstag endlich zum Team stoßen dürfen. Nach langem hin und her konnten Zuspielerin Evans und Mittelblockerin Wruck zumindest schon mal aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland einreisen. Einen Test vor ihrem Abflug und einen Test nach der Landung in Frankfurt haben sie bereits absolviert - beide negativ. Das dritte Minus ergäbe dann das große Plus. Vor allem auf seine erste Zuspielerin wartet Coach Sossenheimer sehnsüchtig - an ihrem Stil, ein Spiel aufzuziehen, wird das Auftreten des ganzen Teams auszurichten sein.

          „Nicht ideal“

          Dass insgesamt nur elf Spielerinnen dem Bundesliga-Kader angehören und somit nur eingeschränkte Frauenpower zur Verfügung steht, ist „nicht ideal“, wie Sossenheimer unumwunden einräumt. Schon ein klassisches Trainingsmatch sechs gegen sechs funktioniert so nicht, es muss immer ein Kotrainer als Komparse einspringen. Doch vor allem im Wettkampf fehlt eine Option zum Wechseln durch den Verzicht auf eine vierte Außenangreiferin. Die Mangelwirtschaft ist den finanziellen Zwängen geschuldet, mit denen sich der Verein herumplagt.

          Geschäftsführer Christopher Fetting plant für die kommende Spielzeit mit einem Etat von etwa 1,15 Millionen Euro, gut 200.000 weniger als noch in der Vorsaison. Einen Hauptsponsor kann der VCW derzeit nicht vorweisen. Ein vielversprechender Interessent als Trikotpartner hat sein geplantes Engagement in der Zeitachse nach hinten verschoben. Die Unsicherheit wegen Corona fordert ihren Tribut. Immerhin kann sich Fetting auf 85 kleinere und mittlere Unterstützer verlassen, die das Team weiterhin tragen.

          Auch auf das zumeist fröhlich und versöhnlich gestimmte Heimpublikum konnten sich die VCW-Frauen in der Vergangenheit stets verlassen, selbst in einer schwachen Saison wie der Abgelaufenen. Doch derzeit ist noch nicht mal klar, wie viele Zuschauer beim ersten Aufschlag zu Hause am 10. Oktober gegen NawaRo Straubing in die Halle am Platz der Deutschen Einheit zugelassen sein werden. Bevor amtlich ist, ob es 500 oder doch 700 sein dürfen, oder vielleicht gar keine, kann auch der Vorverkauf nicht starten.

          Trotz all dieser Unsicherheiten geht Angreiferin Lena Vedder voller Freude die kommenden Trainingswochen an. „Es ist auf jeden Fall schön, wieder starten zu dürfen“, sagt die 25-Jährige, die vor ihrer zweiten Saison beim VCW steht. Aus der ersten habe sie viel mitgenommen, gerade weil es nicht so lief wie erhofft: „Wir haben viel gelernt.“ Und auch Kapitänin Selma Hetmann sieht in der beinahe unveränderten Zusammenstellung mehr Vor- als Nachteile. „Wir sind immer noch ein junges Team, und wir sind näher zusammengerückt.“ Die letzte Saison sei gut analysiert worden, sagt sie: „so etwas möchte keine noch mal so erleben.“

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