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Volleyball-Bundesliga : Ein Knacks tut den Volleys weh

  • -Aktualisiert am

Angeknackstes Knie: Das Spiel der United Volleys leidet unter der Verletzung der temperamentvollen Offensivkraft Floris van Rekom. Bild: Picture-Alliance

Seit der Knieverletzung des Außenangreifers Floris van Rekom sind die United Volleys aus der Spur. Das liegt auch daran, das die personelle Alternative noch nicht richtig zündet.

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          Die Talfahrt begann mit dem Knacks im Knie. Bis dahin hatten die United Volleys einen ordentlichen Saisonauftakt in der Volleyball-Bundesliga absolviert. Die Frankfurter waren nach drei Spieltagen noch ungeschlagen und zogen im DVV-Pokal ins Viertelfinale ein. Dann stand Anfang November der Besuch beim Rekordmeister VfB Friedrichshafen und dem früheren United-Trainer Michael Warm an. Dort als Sieger vom Feld zu gehen hätte die ehrgeizigen Pläne der Verantwortlichen um Hauptfinanzier Jörg Krick und Cheftrainer Stelio DeRocco unterstrichen. Die Volleys sollten in dieser Spielzeit nach drei dritten Plätzen in den ersten drei Jahren und dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus zuletzt über das bislang Erreichte hinausgehen und möglichst sogar nach einem Titel greifen.

          Alles sah gut aus – bis zur Verletzung des Niederländers Floris van Rekom. Der Schlag, den der bis dahin bei den Hessen dominierende Außenangreifer im zweiten Satz bei einer Landung mit überstrecktem Knie verspürte und der ihn vom Feld humpeln ließ, fügte nicht nur den Hoffnungen der Volleys für diesen Tag einen herben Dämpfer zu. Seitdem finden die Frankfurter nicht mehr zu dem Level zurück, mit dem sie im Oktober beeindruckten. Sie verloren außer am Bodensee auch gegen Königs Wusterhausen und Giesen, zwei Teams aus der zweiten Tabellenhälfte, fielen vom zweiten auf den sechsten Rang zurück und verspielten vor einer Woche in Düren das Weiterkommen im Pokalwettbewerb.

          Ein Schatten seiner selbst

          Erschreckend schwach geriet phasenweise die Vorstellung eines Kaders, der zusammengestellt worden war, um ganz oben in der Spitze mitzuhalten und die dort etablierten Mannschaften von Titelverteidiger Berlin und Friedrichshafen mehr als nur ein bisschen zu ärgern. Als die Volleys vor vier Jahren in der Beletage aufgetaucht waren, hätte man ihnen derartige Schwankungen gerne verziehen. Schließlich war das Projekt damals gegründet worden, um jungen, hoffnungsvollen Nachwuchsspielern, möglichst aus dem eigenen Land, die Chance zu geben, sich auf höchster Ebene weiterzuentwickeln. Davon nahm man in der Geschäftsstelle in der Wintersporthalle in den vergangenen eineinhalb Jahren aber immer mehr Abstand, tauschte den Spielerentwickler Warm gegen den ehemaligen Profi DeRocco aus, der in der Szene als einer gilt, der am besten mit fertigen Akteuren arbeitet. Als Ersatz für die weitergezogenen, weil gereiften Talente wie Moritz Reichert, heute Kapitän in Berlin, oder die ebenfalls im Nationalkader für die Olympiaqualifikation im Januar stehenden Julian Zenger, Moritz Karlitzek und Jan Zimmermann wurden überwiegend erfahrene Ausländer angeheuert. Die Bank sei so stark, dass es egal sei, wer spiele, hieß es während der ersten Wochen.

          Die Realität beweist, dass das nicht stimmt. Van Rekom quält sich weiter mit seinem entzündeten Knie. In Giesen setzte er ganz aus, ansonsten versuchte er vieles, um seinen Kollegen zu helfen, blieb dabei jedoch manches Mal ein Schatten seiner selbst. Dabei ist es nicht nur die Durchschlagskraft des 28-Jährigen, die den Volleys dann fehlt. Die kämpferische, teilweise aggressive Einstellung, die die temperamentvolle Offensivkraft vorlebt, hat die anderen offenbar viel mehr mitgezogen, als man bei einem Team mit so viel Routine meinen dürfte. Ersatzmann Masahiro Yanagida nährt die entstandene Unsicherheit. Der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, erst nach dem ersten Saisonspiel aus Asien eingetroffen, fremdelt noch immer im neuen Umfeld. Sowieso ein ganz anderer Typ als der Europäer, leise und zurückhaltend, eignet sich der 27-Jährige laut Jan Wüntscher, dem Interimsmanager Sport bei den Volleys, auch nicht „für jede Konstellation“ am Netz. Zu Yanagidas Qualitäten zählten seine Schnelligkeit und sein Spiel aus dem Hinterfeld, jedoch nicht der robuste Angriff gegen einen Dreierblock. Doch wenn van Rekoms Gelenk allzu laut rumort, bleiben keine anderen Alternativen.

          Eine Ergänzung des Kaders schließt Krick aus. Der Geschäftsmann setzt auf van Rekoms Gesundung und darauf, dass sich das Team weiterentwickelt. Vor dem Heimspiel an diesem Donnerstag gegen den Ranglistenfünften Tirol Alpenvolleys Unterhaching (19.10 Uhr, Ballsporthalle) hatten die Volleys nach langer Zeit mal wieder eine Woche zum Trainieren. Van Rekoms Gelenk sollte sich erholen. Es ist höchste Zeit, dass der Knacks ausheilt.

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