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United Volleys : Alte Pfade, junge Spieler

  • -Aktualisiert am

Rückkehr nach Frankfurt: Noah Baxpöhler will eine Führungsrolle bei den United Volleys übernehmen. Bild: Imago

Auch eine Folge der Corona-Krise: Die United Volleys setzen wieder auf nationale Kräfte. Bei der Suche kommt der verkleinerte Kreis an Klubs zugute.

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          Die Geschichte der United Volleys war am Anfang mit der Idee verbunden, jungen deutschen Talenten und aufstrebenden Nationalspielern die Chance zu eröffnen, sich durch regelmäßige Auftritte in der Bundesliga weiterzuentwickeln. Doch im Laufe der Zeit kam der Tabellenzweite der im März abgebrochenen Saison immer mehr von diesem Weg ab. Drei Halbfinalteilnahmen in den ersten drei Jahren hatten den Erfolgsdruck wachsen lassen. Zunehmend wurden ausländische Routiniers verpflichtet, um noch weiter oben anzugreifen und dadurch möglichst mehr Zuschauer und Sponsoren zu locken, als bis dahin für die Volleyballer zu begeistern waren.

          In der Saison 2019/20 befanden sich im engeren Kader nur noch drei Spieler, auf die das einst ausgegebene Profil zutraf: die drei Mittelblocker Paul Henning (22 Jahre alt), Louis Kunstmann (19) und Tobias Krick (21). Als Letzterer Mitte März auf eigene Faust seinen Abgang bekanntgab, schien das ehrgeizige Projekt in seiner Existenz gefährdet.

          Vater Jörg Krick, Initiator und Hauptfinanzier des Klubs, versicherte jedoch, sich weiter zu engagieren. Jetzt sieht es sogar danach aus, als würden die Probleme der Konkurrenten, von denen sich Eltmann, der TV Rottenburg und die AlpenVolleys aus Unterhaching/Innsbruck aus der Erstklassigkeit abgemeldet haben, den Volleys dabei helfen, zu den eigenen Wurzeln zurückzukehren.

          Führungsrolle in der Heimat

          Zwei Tage vor Ablauf der bis 15. Mai verlängerten Frist für den Lizenzantrag bestätigten sie am Mittwoch das schon vorher durchgesickerte Engagement des Europameisterschaftszweiten von 2017, Noah Baxpöhler. Gleichzeitig wurde der Wechsel eines weiteren deutschen Nationalspielers, Mario Schmidgall, an den Main bekanntgegeben. Für den 26-jährigen Baxpöhler, der Tobias Krick im Mittelblock ersetzt, bedeutet der Vertrag bei den Volleys die Rückkehr in die Otto-Fleck-Schneise, wo der gebürtige Ahlener von 2010 bis 2013 im Internat lebte. Nach mehreren Bundesliga-Stationen, zuletzt bei der SVG Lüneburg, und einer Saison beim französischen Erstligaverein Spacer’s Toulouse möchte der 2,10 Meter große Spieler in der Heimat eine Führungsrolle übernehmen. Die Entscheidung für die Volleys sei ihm leichtgefallen, „mein Ziel ist es, mit Frankfurt ganz oben mitzuspielen“. Ebenso ehrgeizig geht der 22 Jahre alte Schmidgall seine neue Aufgabe an. Der Mann aus Schwäbisch Hall, der drei Jahre lang die Bälle beim Tabellenelften Bisons Bühl verteilte, will sich als zweiter Zuspieler neben dem Belgier Matthias Valkiers „sportlich weiterentwickeln“.

          Was Neuzugänge aus dem Kader von Bundestrainer Andrea Giani betrifft, soll es dabei in Frankfurt nicht bleiben: Mittelblocker Jakob Günthör (25) vom Rekordmeister VfB Friedrichshafen scheint sich ebenfalls mit den Hessen einig zu sein. Als Neuzugang wird darüber hinaus der 21 Jahre alte Außenangreifer Tim Grozer gehandelt. Der jüngere Bruder von Ausnahmekönner Georg Grozer muss sich nach dem Aus des TV Rottenburg einen neuen Arbeitgeber suchen. Weitere deutsche Spieler befinden sich offenbar in guten Gesprächen mit den Volleys. „Wir haben das Konzept, deutschen Spielern eine Chance zu geben, nie aufgegeben“, betont Jörg Krick. Aber es sei schwierig durchzuhalten gewesen. Andere Teams interessierten sich mittlerweile ebenfalls mehr für einheimische Akteure. Nicht immer boten sich genügend Kandidaten an.

          Zurückgeschraubte Etats

          Gerade häufen sich jedoch die Anfragen in der Wintersporthalle. Nur noch maximal zehn statt zwölf Vereine werden in der Bundesliga antreten. In Ländern wie Italien hat sich die Lage durch das Coronavirus so zugespitzt, dass einige von dort wegwollen. Der Trainerwechsel im Januar hat die Volleys darüber hinaus wieder attraktiver für diejenigen gemacht, die dem Höhepunkt ihrer Karriere noch entgegenstreben. Der Argentinier Juan Manuel Serramalera, der seinen Vertrag gerade bis zum Sommer 2022 verlängert hat, gilt anders als sein Vorgänger Stelio DeRocco als einer, der sehr individuell auf seine Spieler eingeht und ihre Fähigkeiten voranbringt. Ein ähnlicher Ausbilder und Förderer wie Michael Warm, mit dem United einst so erfolgreich gestartet war.

          Alles rosig ist bei den Volleys nicht. Wie andere Klubs werden auch sie mit einem zurückgeschraubten Etat an den Start gehen. Vorausgesetzt, dass es den im Herbst gibt. „In den Verträgen versuchen wir so viele Risiken wie möglich abzudecken“, sagt Pressesprecher Jan Wüntscher. Die Rückkehr auf den ursprünglichen Weg zählt allein schon aus Imagegründen nicht dazu.

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