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Früherer United-Volleys-Chef : „Wir sind zu eingefahren im System“

  • -Aktualisiert am

United-Gründer: Nach fünf Jahren gibt Jörg Krick seinen Posten als Geschäftsführer ab. Bild: Imago

Nach fünf Jahren zieht sich Jörg Krick, der langjährige Macher der United Volleys, als Geschäftsführer zurück. Im Interview spricht er über die Hintergründe seiner Entscheidung und seine weiteren Pläne.

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          In der vergangenen Woche haben Sie Ihren Rückzug als Geschäftsführer des Volleyball-Bundesligisten United Volleys bekanntgegeben. Wie lange im Voraus war dieser Schritt geplant?

          Es war schon längere Zeit mein Wunsch, die Doppelfunktion als Geschäftsführer und Gesellschafter aufzugeben. Viele Leute haben gesagt, warum sollen wir die Volleys sponsern, wenn schon jemand da ist, der die Finanzierung stemmen kann. Die Entscheidung der Bundesliga, uns nicht für die Champions League zu melden, hat dazu geführt, das schon jetzt durchzuziehen und nicht erst im Laufe der Saison.

          Wie sieht Ihr künftiges finanzielles Engagement aus?

          Ich habe noch mal geholfen. Aber jetzt hoffen wir, dass die Gesellschaft es auch so schafft. Das Land Hessen unterstützt uns in der Coronavirus-Krise. Alle Profiklubs konnten für zehn Jahre ein zinsloses Darlehen beantragen, das erst ab dem vierten Jahr zurückgeführt werden muss. Bei uns waren das etwa 300.000 Euro. Der Bund hat auch ein Programm für die Vereine in Höhe von 200 Millionen Euro aufgesetzt, dessen Details noch nicht feststehen. Diese Mittel müsste man nicht zurückzahlen. Das Budget haben wir um 35 bis 40 Prozent auf etwa 800.000 oder 900.000 Euro gekürzt.

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          Wie sieht die Finanzierung aus?

          Wir haben für die nächste Saison die Einnahmen gedrittelt: einen Teil über Ticketing und Sponsoring, einen über die Bundes- und Landesmittel und den Rest über neue Gesellschafter. Ich bin gerade in der Diskussion mit Personen, die sich über ein Wandeldarlehen beteiligen wollen und so jeweils ein Prozent an der Gesellschaft erwerben könnten. In der nächsten Saison will ich etwa zwölf Leute dafür finden, in der darauffolgenden noch mal genauso viele.

          Sollten Sie angesichts der Corona-bedingten wirtschaftlichen Probleme nicht froh über eine Saison ohne Teilnahme an der Königsklasse sein?

          Nein. Die Champions League wird in diesem Jahr erstmals kostenneutral sein. Der europäische Verband CEV hat für 100 Millionen Euro und eine Vertragslaufzeit von zwölf Jahren Medienrechte an Infront verkauft. Dadurch gibt es höhere Siegprämien, und die Vereine müssen die TV-Produktionen nicht mehr selbst finanzieren. Im Challenge Cup hätten wir drauflegen müssen. Deshalb spielen wir dort nicht mit.

          Die Saison startet für die Volleys am 11. Oktober erstmals mit dem Supercup, der in der Ballsporthalle stattfinden könnte. Was versprechen Sie sich von der Ausrichtung?

          Mehr Aufmerksamkeit. Der Supercup könnte der erste größere Sportevent in Frankfurt mit Zuschauern sein. Außerdem wäre er mit Blick auf das Hygienekonzept, das wir zusammen mit den Skyliners erarbeiten, ein guter Testlauf für die anderen Heimspiele. Die Liga ist dabei der Veranstalter, aber wir organisieren mit. So bleiben auch keine Kosten an uns hängen, und wir könnten vielleicht sogar ein kleines Plus erwirtschaften.

          In Ihrer bisherigen Kaderplanung fehlen noch je ein Mittelblocker und ein Außenangreifer.

          Wir könnten jederzeit noch einen Spieler holen, wenn das Budget das hergibt. Aber wir arbeiten auch mit dem Volleyball-Internat zusammen, würden gerne zusammen in der Wintersporthalle trainieren und werden zwei, drei Spieler von dort bei uns miteinbinden, um in voller Stärke trainieren zu können. Der Kader ist diesmal sehr eng. Aber Platz drei könnte wie immer drin sein.

          Was versprechen Sie sich von Ihrem neuen Geschäftsführer Guido Heerstraß?

          In der heutigen Zeit ist es schwierig, Sponsoren zu gewinnen. Wir sind alle schon zu eingefahren im System und haben vielleicht auch falsche Entscheidungen getroffen. Jetzt kann einer das noch mal alles validieren und neue Impulse setzen.

          Warum haben Sie die Zusammenarbeit mit Michael Elm, der seit 2018 in der Geschäftsführung saß, beendet?

          Er hat seine Kompetenzen rein im Vertrieb. Aufgrund der Budgetsenkung können wir uns nur noch einen Geschäftsführer leisten. Michael Elm hat zu sehr vielen großen Unternehmen Kontakte. Aber die zu bewegen, in eine Sportart zu investieren, die noch nicht so hohe Medienwerte hat, ist kaum möglich.

          Was macht dabei die „Inside United Volleys“-Serie, von der bislang nur sechs der zehn Teile zu sehen waren?

          Es macht nur Sinn, diese zu zeigen, wenn bei Sport 1 wieder Volleyball läuft. Ab September wird sie erstmals im Ausland, in Südamerika gezeigt. Dort geht man von einer Quote von einer Million Zuschauer aus. Bei uns haben im Schnitt 100.000 zugesehen.

          Wie sehen Sie Ihre eigenen Perspektiven bei den Volleys? War Ihr Rückzug als Gesellschafter ein erster Schritt, den Club zu verlassen?

          Ich glaube nicht, dass ich in den nächsten zehn Jahren meine Anteile verkaufen werde. Aber mein Zeitaufwand dafür sollte immer weiter nach unten gehen. Deshalb will ich auch weitere Gesellschafter finden, die sich einbringen. Das Projekt „The Dome“ könnte dazugehören.

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