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Tischtennisprofi mit 55 : Die Frau für alle Notfälle

  • -Aktualisiert am

Kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken: Yunli Schreiner denkt auch mit 55 nicht ans Aufhören. Bild: Imago

Beim TSV Langstadt sollen Jung und Alt eine spielstarke Tischtennisgemeinschaft bilden – mit der 55 Jahre alten Yunli Schreiner und ihrer 18 Jahre alten Tochter Franziska.

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          Zwischen der ältesten und der jüngsten Tischtennisspielerin im Bundesliga-Kader des TSV Langstadt liegen 37 Jahre. Fast vier Jahrzehnte Altersunterschied, kann das im Leistungssport auf diesem Niveau sein? Ja, es kann in diesem außergewöhnlichen Fall: Yunli Schreiner ist bereits 55 Jahre alt und Franziska Schreiner, das Toptalent, erst 18. Zwei Tischtennis-Generationen aus einer Familie. Die Juniorennationalspielerin Franziska Schreiner, die mit der Mannschaft Europameisterin geworden ist, steht am Anfang einer vielversprechenden Karriere, während ihre Mutter, die sechs Mal deutsche Meisterin wurde und zweimal mit dem FC Langweid die Champions League gewann, sportlich naturgemäß ihre beste Zeit hinter sich hat.

          Nur lange liegt diese überraschenderweise noch nicht zurück. Denn im Mai 2018 gewann Yunli Schreiner mit über 50 Jahren mit Metz aus Frankreich den Europapokal. Eine Ergänzungsspielerin aufgrund ihres Alters war sie nicht, ganz im Gegenteil. Beim 3:0 im Rückspiel gegen den spanischen Klub Girbau-Vic aus der Nähe von Barcelona holte die ehemalige deutsche Nationalspielerin den entscheidenden dritten Punkt. Ihr Rüstzeug beherrschte die sehr rüstige Tischtennis-Seniorin damals immer noch. Ihr Erfahrungsschatz und ihre Vitalität waren Gold wert für ihr Team. Und heute?

          Hilfe in der Not

          „Im hinteren Paarkreuz würde Yunli in der Bundesliga noch einige Spiele gewinnen“, davon ist Manfred Kämmerer, der Manager des Erstliga-Teams in Langstadt, überzeugt. Bei den Südhessinnen wird Yunli Schreiner an Position fünf geführt – einen Platz vor ihrer Tochter Franziska, die so auch an Position eins der zweiten Langstädter Vereinsmannschaft in der dritten Bundesliga zum Einsatz kommen kann. Mutter und Tochter sind ein eingespieltes Team. Sie trainieren zusammen. Auf diese Weise hat sich Yunli Schreiner, gebürtige Qiao Yunli, die als chinesische Spitzenspielerin 1990 nach Deutschland übergesiedelt war, im Tischtennis nie aufs Altenteil zurückgezogen. Sie ist fit geblieben. Und im Hinblick auf ihren besonderen Spielstil sei Yunli Schreiner für jede Gegnerin auch jetzt noch „sehr unangenehm“ zu bespielen, sagt Kämmerer. Gleichwohl wird sie wohl nicht allzu viele Partien für die Langstädterinnen bestreiten.

          Sie ist dann eingeplant, „wenn Not am Mann ist“, wie es der Manager ausdrückt. In Zeiten der Corona-Pandemie muss damit jedoch jederzeit gerechnet werden. Noch wissen die Südhessinnen nämlich nicht, ob und unter welchen Bedingungen ihre beiden Spielerinnen, die Taiwanesin Cheng Hsien-Tzu (Nummer zwei) und die Ägypterin Dina Meshref (drei), nach Deutschland einreisen dürfen. Die Bundesliga-Saison, in der Langstadt im Kreis der sieben Mannschaften den Einzug ins Halbfinale anstrebt, beginnt am 11. Oktober mit einem Heimspiel gegen den Serienmeister ttc eastside Berlin. Auch im Pokalwettbewerb führt für den Vertreter aus Hessen kein Weg an den Berlinerinnen vorbei: Am 6. September treten die Südhessinnen in der Bundeshauptstadt zum Qualifikationsturnier für das Final-Four an, der dritte Gegner ist der Drittliga-Klub Hofstetten. Der Gruppensieger qualifiziert sich für das Endturnier. Berlin hatte in der abgelaufenen Runde zum sechsten Mal den Pokalwettbewerb für sich entschieden.

          Die Langstädter Spitzenspielerin bleibt mit Petrissa Solja dieselbe. Die prominenteste deutsche Athletin ist in der Weltrangliste aktuell auf Platz 20 notiert. Würden beim TSV nur Petrissa Solja (26 Jahre), Cheng Hsien-Tzu (27), Dina Meshref (26) und Franziska Schreiner (18) in die Wertung kommen, hätte die Mannschaft ein Durchschnittsalter von 24,3 Jahren. Doch mit Yunli Schreiner und Tanja Krämer, die sich, vom Absteiger TV Busenbach kommend, den Langstädterinnen angeschlossen hat, sind es 32 Jahre. Auch Tanja Krämer befindet sich mit 40 Jahren schon im fortgeschrittenen Spitzensportalter. „Wir hatten in der Vorsaison Probleme im hinteren Paarkreuz“, sagt Kämmerer. „Und Tanja Krämer hatte in Busenbach im vorderen Paarkreuz eine ausgeglichene Bilanz.“

          Deshalb geht der Manager nun davon aus, dass sich die Neuverpflichtung „im hinteren Paarkreuz eine deutlich positive Bilanz“ erspielt. „Unser Team ist stärker geworden.“ Alt und Jung sollen in Langstadt eine schlagkräftige Spielgemeinschaft bilden. Wobei im Fall der Tischtennisfamilie Schreiner Vergangenheit und Zukunft im Team ganz eng beieinanderliegen.

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