https://www.faz.net/-gtl-6jx32

Triathletin Fanny Zimmermann : Eine Weltreise im Zeichen des Ironman

  • -Aktualisiert am

Tritt am Sonntag beim Frankfurter Ironman an: Eisenfrau Fanny Zimmermann - als jüngste Triathletin Bild: Eder

Hawaii, Neuseeland, Thailand, Laos, Nepal – für Fanny Zimmermann ist das Training ein Abenteuer. An diesem Sonntag tritt sie in Frankfurt an - als jüngste Teilnehmerin im Starterfeld.

          3 Min.

          Fanny Zimmermann steht im Zieleinlauf, beim Ironman auf Hawaii. Die Athleten kommen ins Ziel. Nach zehn, elf, zwölf Stunden. Nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen. Sie wanken die Rampe hinauf, lassen sich bejubeln und sinken zusammen, der Sprecher ruft ihnen „You are an Ironman“ entgegen. Nach einem langen Wettkampf erhalten sie ihren sportlichen Ritterschlag. Fanny Zimmermann schaut sich das im Oktober 2009 an, staunt und beklatscht die erschöpften Triathleten gemeinsam mit tausenden begeisterten Zuschauern. Auf der Weltreise der Seeheimerin ist Hawaii die erste Station. Wo andere nach einer langen Vorbereitung am Ziel ihrer Träume ankommen, beginnt ihre Reise. Von Hawaii soll ihr Weg nach Australien und Neuseeland führen, über Thailand nach Laos und Nepal, und schließlich ins Ziel des Ironman in Frankfurt münden. Sie ist dort am Sonntag mit 20 Jahren die jüngste Teilnehmerin im Feld der 2321 Athleten und Athletinnen.

          Nicht ein Freiwilliges Soziales Jahr, nicht „Work&Travel“ und kein Praktikum sollte es sein. Fanny Zimmermann hat auf die Frage, was anfangen nach dem Abitur, eine andere Antwort gefunden: sechs Monate reisen, dabei trainieren und schließlich, noch vor Beginn des Sportstudiums zum Wintersemester in Köln, am Frankfurter Ironman teilnehmen. So begann die Reise im September 2009. Mit großem Rucksack, einem „Around the World Ticket“ und wenig festen Plänen.

          Auf 5300 Metern Höhe am Everest

          Ein Ironman braucht Zeit – mindestens neun Monate. Grundlagentraining, Ausdauer- und Krafttraining, Ruhephasen, Tempoeinheiten und wieder Erholung. So wird die Reiseplanung angepasst, in den großen Rucksack werden Radkleidung und Laufschuhe gepackt. Für eine trainierende Triathletin mit kleinem Budget hält eine Reise besondere Herausforderungen bereit. Fanny Zimmermann steht nach dem Training in Neuseeland vor dem Camping-Van und nicht in einer Umkleidekabine, neben einem Kanister kaltem Wasser, nicht in einer warmen Dusche. In Laos Schwimmen trainieren, in Nepal Laufen, in Thailand Rennradfahren, das Training planen, wenn man kaum weiß, wo man die nächste Nacht verbringen wird – neben dem stundenlangen Training sind es die kleinen Herausforderungen, an die sie sich erst gewöhnen muss. Im März, in Nepal, sollte das Radtraining eigentlich nicht mehr unterbrochen werden. Aber es lockt der Mount Everest, und wer in Nepal ist, will auch zum Basecamp, dort wo sich die Expeditionen zum Gipfelsturm rüsten. Das macht man nur einmal im Leben, und das darf man sich nicht entgehen lassen. So marschiert sie auf 5300 Meter Höhe.

          Dickhäuter als Wegmarken: Fanny Zimmermann beim Radtraining in Thailand...

          Anfang Mai ist Fanny Zimmermann zurück in Seeheim. Sie hat ihre Trainingspläne selbst entworfen, und wenn sie nun auf ihr Programm zurückschaut, findet sie Höhepunkte, wie konstantes Radtraining in Nordthailand, wo es in Chiang Mai ein professionelles Rad-Camp gibt. Dort verbrachte sie im Februar drei und im April noch einmal zwei Wochen und trainierte mit einer Gruppe starker Triathleten, die vor dem Winter in Europa geflüchtet sind. Wenn Fanny Zimmermann vor dem Start am Sonntag nervös wird, kann sie auf eine ungewöhnliche, aber nicht auf eine perfekte Vorbereitung zurückschauen, um sich zu beruhigen.

          18 Kilometer mit sieben Jahren

          Sie muss weiter zurückschauen: Mit sieben Jahren ist sie das erste Mal eine lange Strecke gelaufen, 18 Kilometer. Ihr Grundschullehrer schickte sie in den Leichtathletikverein. Sie trainierte, gewann Volksläufe und Meisterschaften der Region, wurde Triathletin, gewann die Hessenmeisterschaft und wurde deutsche Meisterin in der Mannschaft. Dann stieg sie aus, ließ Schwimmen und Radfahren bleiben und ging 2005 als Mittelstrecklerin auf das Sportinternat in Frankfurt, wo sie bis 2007 trainierte. Nach einer langen Leidenszeit, nachdem sich ihr Körper auch nach Monaten nicht vom Pfeifferschen Drüsenfieber erholen wollte, verließ sie das Internat. Seither hat sie an keinem Wettkampf mehr teilgenommen.

          Beim Frühstück auf Hawaii, am Tag nach dem Ironman, schmunzelte der Darmstädter Triathlonprofi Frank Vytrisal, als er von den Plänen hörte. Er hatte einen langen, furchtbar harten Wettkampf hinter sich. Er riet Fanny Zimmermann, „konsequent zu trainieren, wenn es denn auch ein bisschen Spaß machen soll“. Neben dem Rat nahm sie die Stimmung von Hawaii mit, die unvergleichliche Atmosphäre eines Ironman. Am Sonntag in Frankfurt will sie ins Ziel kommen. Nach acht Monaten Training, einem halbem Jahr unterwegs und einer Lebensmittelvergiftung zwei Wochen vor dem Ironman, soll ihre Reise um die Welt am Sonntag auf dem Römerberg enden. Das Ziel erreichen und erst einmal die Laufschuhe weglegen dürfen, das winkt als Belohnung. Zehn, elf, zwölf Stunden – die Zeit spielt dabei keine Rolle.

          Weitere Themen

          Großes Geländegefühl

          Vielseitigskeitsreiterin : Großes Geländegefühl

          Sophia ist Vielseitigkeitsreiterin im Bundeskader. Um mehr Zeit für ihre Pferde und den Sport zu haben, ist die 16-jährige Eiflerin aufs Internat gewechselt.

          Hinfallen, aufstehen, weiterfahren

          Eiskunstlauf : Hinfallen, aufstehen, weiterfahren

          Der Weg zum Spitzensport kann eisig und schmerzhaft sein: Eine Eiskunstläuferin im Junioren-Nationalkader der Schweiz beim Training.

          Topmeldungen

          Ein türkischer Militärkonvoi inmitten von Fahrzeugen flüchtender Zivilisten im Norden der Provinz Idlib.

          Assads Vormarsch in Idlib : Geschichten der Ohnmacht

          Die syrischen Truppen rücken in Idlib ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung vor. Die Türkei hält mit Unterstützung für die Rebellen dagegen – aber nur, solange das Moskau nicht zu sehr verärgert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.