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Traditionstermin am 1. Mai : Frankfurt lockt die Radelite

Harter Ritt: John Degenkolb auf dem Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix. Für den deutschen Klassiker in Eschborn Frankfurt hofft er auf ein schmerzfreies Knie. Bild: Augenklick/Roth

Vor dem deutschen Radrennen-Klassiker, traditionell am 1. Mai in Eschborn Frankfurt, plagt den Radprofi John Degenkolb eine Schleimbeutelverletzung - viel Zeit zur Regeneration bleibt ihm nicht.

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          Es zwickt noch, das Knie. Ein unliebsames Andenken an Paris–Roubaix, sein Lieblingsrennen. Passiert ist es schon in der ersten der berüchtigten Kopfsteinpflasterpassagen des Frühjahrsklassikers. John Degenkolb war ein paar Plätze zu weit hinten, und als es vor ihm zu Stürzen kam, hatte er keine Chance mehr, die Kettenreaktion zu vermeiden. Aufs Knie gefallen ist der 29 Jahre alte Radprofi in Diensten des amerikanischen Rennstalls Trek-Segafredo, und seitdem plagt er sich mit einer Schleimbeutelverletzung herum, „die noch nicht 100 Prozent ausgeheilt ist“. Und das ausgerechnet vor dem „Highlight“, bei dem er praktisch an der eigenen Haustür in Oberursel vorbeifahren kann. Was 1962 als Rund um den Henninger Turm anfing und jetzt Eschborn Frankfurt heißt, das ist sein Rennen, sein Heimspiel.

          Hier ist er am Traditionstermin 1. Mai schon als kleiner Bub Rennen gefahren, hat die Profis am Start bewundert und ab und zu mal eine Trinkflasche ergattert. Und 2011 war er dann so weit, um dieses Ereignis selbst zu gewinnen. Das ist immer noch sein Anspruch. Er hat in Frankfurt schon fast alle Plätze in den Top-Ten belegt, ist im Vorjahr Dritter geworden, „aber ich hoffe schon, mal wieder ganz oben zu stehen.“ Wenn bloß das mit dem Knie nicht wäre. „Aber ich habe ja noch Zeit, und ich brauche jeden Tag“, sagt Degenkolb, der „superstolz“ darauf ist, „was aus diesem Rennen geworden ist“.

          Deutschland-Tour kommt im Sommer zurück

          Es hat ja schwierige Zeiten gegeben, in denen der Frankfurter Radklassiker nur notdürftig am Leben erhalten wurde. Die Perspektiven haben sich im vergangenen Jahr massiv verbessert, nachdem die französische Amaury Sport Organisation (A.S.O.) das Zepter von der Gründer-Familie Moos-Achenbach übernommen hat. Die Franzosen – auch so eine Art Familien-Unternehmen – sind das Schwergewicht unter den Veranstaltern im internationalen Radsport und haben die Tour de France, die Spanien-Rundfahrt und Klassiker wie Paris–Roubaix oder Lüttich–Bastogne–Lüttich im Portfolio. In diesem Sommer wird auch die wiederbelebte Deutschland-Tour dazu gehören.

          Und Eschborn Frankfurt ist für die A.S.O. so eine Art Entrée in den vielversprechenden deutschen Radsport-Markt. Wenn schon der Präsident Jean-Étienne Amaury – wie am Montag – höchstpersönlich zur Pressekonferenz anreist, zeigt das den Stellenwert, den man bei der A.S.O. dem deutschen Ableger einräumt. Was Monsieur Amaury am Rennen neben der langen Tradition und der tiefen Verwurzelung in der Region am meisten gefällt, ist die enge Verbindung zwischen Profis, Amateuren, Jedermännern und dem Nachwuchs. 17 Rennen an einem Tag, das scheint den A.S.O.-Chef schon zu beeindrucken. „Wir wollen so etwas auch bei unseren Rennen in Frankreich einführen“, sagt der 41-Jährige, dessen Organisation insgesamt 80 Sportevents in 20 Ländern veranstaltet. Umgekehrt kann er jede Menge für Frankfurt tun.

          Die Radelite wird erwartet

          Denn wenn die A.S.O. ruft, kommt die Elite. 19 von 20 Teams, die bei den großen Frühjahrsklassikern am Start waren, gehen auch auf die 212 Kilometer lange Schleife zwischen Main und Taunus, darunter natürlich auch die deutschen Equipes Bora-hansgrohe und Sunweb. „Mehr Klasse als Masse“ verspricht der Luxemburger Claude Rach, der bei Eschborn Frankfurt jetzt die Geschäfte führt. Der Australier Michael Matthews vom deutschen Team Sunweb, Seriensieger Alexander Kristoff (UAE-Team Emirates) aus Norwegen oder der belgische Meister Oliver Naesens (AG2R La Mondiale) stehen in der Startliste und selbstverständlich auch namhafte deutsche Profis wie die Sprinter Marcel Kittel (Katjuscha-Alpecin) und Andre Greipel (Lotto-Soudal) oder Rick Zabel (Katjuscha-Alpecin), der im Vorjahr Zweiter wurde.

          Die schnellen Männer werden es in diesem Jahr allerdings schwerer haben, weil der Kurs mit der Billtalhöhe und insgesamt 3500 Höhenmetern noch selektiver geworden ist, und weil die Franzosen für das erweiterte Finale einen Teil wiederentdeckt haben, der früher ein Kernstück war: den Anstieg im Hainer Weg, dort, wo in Henninger-Zeiten um den Sieg gesprintet wurde. Anno 2018 heißt das Ziel zwar weiter Alte Oper, aber am Hainer Weg könnte sich schon die Spreu vom Weizen trennen. John Degenkolb wäre dann gerne noch mit dabei. Wenn das Knie mitspielt. „Die Ärzte sind guter Dinge“, sagt er. „Und ich werde alles tun, um fit zu werden und um den Sieg mitzufahren.“

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