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Totilas-Nachfahren : Nicht ganz der Vater

  • -Aktualisiert am

Matthias Alexander Rath auf dem Totilas-Nachfahren Total Recall. Bild: Corinna Seibert

Mit Total Recall schickte Matthias Alexander Rath in Wiesbaden einen Nachkommen von Totilas ins Dressur-Rennen. Doch die Talentunterschiede sind deutlich.

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          Das Duell der Nachkommen von Totilas hat beim Pfingstturnier in Wiesbaden einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Doch noch bevor die beiden Halbbrüder zu den Prüfungen der Siebenjährigen das Dressurviereck vor dem Schloss betraten, versuchte der Reiter des einen, Matthias Alexander Rath, die hohen Erwartungen herunterzuschrauben. Total Recall, so erklärte der 34 Jahre alte Kronberger, sei sicher ein Pferd mit Potential und außergewöhnlichem Talent für Piaffen und Passagen. Vergleichbar mit seinem berühmten Vorfahren sei der Wallach jedoch ebenso wenig wie dessen andere Kinder, die auf dem familieneigenen Schafhof stehen. Vielleicht wird es irgendwann mal einen Nachfolger mit ähnlichen Anlagen wie der Rapphengst geben, der unter dem Niederländer Edward Gal neue Dressurmaßstäbe setzte. „Aber ich kann nicht sagen, wann das sein wird.“

          Rath hatte Totilas 2010 übernommen, für den seine Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff und der frühere Springreiter Paul Schockemöhle eine niedrige zweistellige Millionensumme zahlten. Nach einer von großem Hype und etlichen Marketing-Aktionen begleiteten Zusammenarbeit mit mehr Tiefen als Höhen endete die sportliche Karriere des Weltmeisterpferdes bei den kontinentalen Titelkämpfen 2015 in Aachen. Wegen eines Knochenödems wurde der heute 19 Jahre alte Totilas nach Team-Bronze aus dem Wettbewerb genommen und wird seitdem nur noch in der Zucht eingesetzt.

          Zweiter Platz in der Qualifikation

          „Totilas war der Besondere“, betont Rath. Auf dem Rücken seines Nachwuchses verspüre er kein „anderes Gefühl“, nur weil diese seine Kinder sind. Auch die Vorstellungen, die er und Total Recall in Biebrich gaben, zeugten nicht von einer herausragenden Stellung. Als Vierter und Fünfter lag das Paar im Geschwisterkampf einmal vor und einmal hinter der Norwegerin Isabel Freese mit Top Gear.

          Größere Ambitionen hat Rath erst mal mit Foundation. Dem elfjährigen Hengst hat es der seit acht Wochen dreifache Familienvater zu verdanken, dass er nach drei Jahren Abstinenz in den Grand-Prix-Sport zurückgekehrt ist. Bei seinem ersten internationalen Auftritt am Wochenende ließ sich der Hannoveraner zwar vom lebhaften Drumherum ablenken und belegte nach einem zweiten Platz in der Qualifikation Rang fünf im Spécial. Aber durch solche Prüfungen, betont der Pferdesportler, wachse man zusammen. Wie weit die beiden kommen könnten, darauf legt Rath sich nicht fest. Er will einfach weiterarbeiten mit dem Gefährten.

          Übernahme des Frankfurter Festhallenturniers

          Für die deutschen Meisterschaften in dieser Woche in Balve, die die erste Sichtung für die EM in Rotterdam darstellen, sei es zu früh. Die ganz großen Ziele behält der mehrmalige nationale Titelträger trotzdem im Blick. Welt- und Europameisterschaften hat er mit Mannschaftsmedaillen abgeschlossen, die Teilnahme an Olympischen Spielen steht noch aus. Sollte sich mit einem Pferd eine solche Chance ergeben, müsste er den Alltag ändern.

          Denn für die Aus- und Weiterbildung seiner Vierbeiner kostet den Leiter der Kronberger Deckstation seit Kurzem auch noch etwas anderes Zeit. Die Familie Linsenhoff/Rath hat sich entschlossen, das Frankfurter Festhallenturnier komplett selbst zu übernehmen. Bislang hatten sich die Dressurspezialisten die Aufgabe mit der Agentur von Schockemöhle geteilt. Doch Raths Vater Klaus Martin und seine Frau hatten ihren Kindern die Frage gestellt, ob sie die Veranstaltung in der Zukunft weiterführen würden.

          Schon Linsenhoffs Großvater hatte sich bei dieser engagiert, die Team-Olympiasiegerin von 1988 selbst war 2003 federführend eingestiegen. Die Aufgaben teilt man sich, vieles bleibt an Matthias Rath hängen. „Zuletzt hat mich das Turnier sehr beschäftigt“, sagt der studierte Wirtschaftswissenschaftler. Aber dieses erste Jahr sei eine Ausnahme, „das wird nicht immer so sein“.

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