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Genussspieler Tobias Kempe : Liebe und Leichtigkeit bei Darmstadt 98

  • -Aktualisiert am

Der Genussspieler Tobias Kempe erlebt seine beste Zeit in Darmstadt. Bild: Picture-Alliance

Acht Treffer und sieben Torvorlagen nach 14 Spieltagen in der zweiten Liga sind eine solch exzellente Quote, dass keine Fragen offenbleiben. Der Genussspieler Tobias Kempe erlebt seine beste Zeit in Darmstadt.

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          Bei den Fußballprofis geht es manchmal gar nicht so sehr anders zu als beim Kick in der Kreisliga oder beim Spielchen unter Freunden im Park. Gerne hat man jemanden in seinem Team, dem man mit dem wohligen Gefühl passt, dass der Ball bei ihm sicher ist. Dass er ihn dank seiner tollen Technik nicht verlieren wird. Dass er dank seiner prima Übersicht einen klugen Pass folgen lässt. Oder ihn dank seines ausgeprägten Torriechers gar ins gegnerische Netz befördert.

          2. Bundesliga

          Bei den „Lilien“ ist dieser Spieler Tobias Kempe. „Wenn Tobi den Ball hat“, sagt der Darmstädter Cheftrainer Markus Anfang, „weiß die Mannschaft, dass immer etwas passieren kann.“ In dieser Saison ist es mehr denn je eine gute Idee, Kempe den Ball zu geben. Dass ihm die sogenannten ruhenden Bälle überlassen werden, ist schon längst Darmstädter Naturgesetz. Aber auch im laufenden Spiel sieht man in Südhessen wohl gerade den besten Tobias Kempe seiner „Lilien“-Zeit.

          Und das will etwas heißen, ist der offensive Mittelfeldspieler doch schon seit 2014 – unterbrochen nur von einem einjährigen Abstecher zum 1. FC Nürnberg samt reuiger Rückkehr – beim SVD tätig. Ob es aktuell der beste Lauf seiner Karriere ist? „Von den Werten her auf jeden Fall“, sagt Kempe. „Aber es ist keine Phrase, wenn ich sage, dass der Teamerfolg über allem steht. Früher war mein Manko, dass ich zwar viele Torchancen hatte, aber nicht auf die Scorerpunkte kam, wie ich sie nun habe.“

          Acht Treffer und sieben Torvorlagen nach 14 Spieltagen sind eine solch exzellente Quote, dass keine Fragen mehr offenbleiben. Kempe hat also bei weit mehr als der Hälfte der 26 Darmstädter Saisontore seine feinen Füße im Spiel gehabt. In der Rangliste der besten Scorer der zweiten Liga liegt der 31-Jährige auf Rang zwei. Mit der Chance, im Heimspiel gegen Hannover 96 an diesem Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) seine Quote zu erhöhen.

          Dass Kempe als erster Darmstädter Zuständiger für Freistöße, Eckbälle und Elfmeter einige Scorerpunkte quasi in den Schoß fallen, schmälert seine Leistungen in dieser Spielzeit nicht. Der gebürtige Weseler ist als nimmermüde Anspielstation und kluger Ballverteiler ebenso werthaltig wie aufgrund seines in dieser Saison besonders ausgeprägten Riechers für Positionen und Laufwege rund um den gegnerischen Strafraum.

          Kempes zauberhafter Freistoßtreffer beim spät 1:2 in Bochum verlorenen Match war schon sein 42. Tor im 98. Spiel für die „Lilien“. „Tobis Hauptaufgabe“, sagt Coach Anfang, „ist es, vorwegzugehen. Es ist wichtig, dass erfahrene Spieler die jungen aufbauen und ihnen besonders in schwierigen Situationen zur Seite stehen.“

          Das gelingt ihm besonders gut in diesen Wochen, in denen sein Spiel eine besondere Leichtigkeit umgibt, weil bei ihm Sicherheit und Selbstvertrauen permanent erneuert werden durch jede gelingende Aktion. Zweitligafußball ist meist harte Arbeit, aber Kempe vermag oft eine Prise Genuss hineinzumischen. „Ganz grundsätzlich macht mir Fußball immer Spaß, auch im Training. Und auch wenn ich keine Tore schieße“, sagt er.

          Kempe, dessen Vater Thomas viele Jahre lang Bundesligaprofi war und dessen Bruder Dennis aktuell in der Region beim SV Wehen Wiesbaden spielt, hat sein sportliches und privates Glück in Darmstadt gefunden. Unvergessen bei den Fans ist sein Freistoßtreffer am letzten Spieltag 2014/15, der den Bundesligaaufstieg klarmachte. Ohne Umschweife spricht Kempe von „Liebe“, die er dem SVD gegenüber empfindet.

          Und so dürften beide Seiten sich wohl handelseinig werden können, den im Sommer auslaufenden Vertrag des Routiniers im dritten Frühling zu verlängern. Fast aus der Zeit gefallen wirkt die Phase in der Vorsaison, als Trainer Grammozis Kempe die ersten zehn Spieltage quasi auf der Bank oder gar Tribüne beließ. Kempes Wertschätzung hat sich beim SVD nochmal erhöht aufgrund der Art und Weise, wie er mit der Degradierung umging, sich wieder herankämpfte und am Saisonende dennoch auf sieben Treffer und vier Torvorlagen kam.

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