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Tischtennis : Roßkopf, Grujic und ganz viele Fragezeichen

  • -Aktualisiert am

Spieler, Trainer, oder etwa beides? Jörg Roßkopf ist in Gönnern ein wichtiger Mann Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

In der kommenden Saison muss der europäische Titelträger TTV Gönnern ohne Timo Boll auskommen. Der Nationalspieler wechselt zu Borussia Düsseldorf. Wie der Verein seine Zukunft ohne den Weltranglistenvierten plant.

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          So könnte sportlich die Zukunft der besten europäischen Tischtennis-Vereinsmannschaft aussehen - im schlechtesten Fall. Bei der 3:6-Niederlage des Champions-League-Siegers TTV Gönnern in der Bundesliga in Plüderhausen standen Trainer Helmut Hampl nur vier Spieler zur Verfügung. Jörg Roßkopf, Slobodan Grujic sowie die beiden Talente Steffen Mengel und Antonin Gavlas. Spitzenspieler Timo Boll dagegen fehlte wegen einer Magen-Darm-Grippe.

          In der kommenden Saison muss der europäische Titelträger ganz ohne den Weltranglistenvierten auskommen, der Nationalspieler wechselt zum ersten Mal in seiner Karriere den Klub und schließt sich Borussia Düsseldorf an. Ersatz für den namhaften Spieler an Position eins ist vorgesehen - sofern die Finanzen es erlauben. „Ansonsten wäre es möglich, dass wir eine Runde lang mit nur vier Spielern bestreiten“, sagt der Vereinsvorsitzende Torsten Märte.

          Roßkopf und Grujic spielen weiterhin beim Verein

          Bisher können die Hessen, die an diesem Sonntag zum Champions-League-Viertelfinalhinspiel beim schwedischen Meister Eslovs AI Table Tennis Club antreten, fest mit zwei Profis für die kommende Spielzeit planen: Roßkopf und Grujic. Der serbische Nationalspieler verlängerte seinen Vertrag gerade um zwei Jahre bis 2009. Und „Mister Tischtennis“ wird seine erfolgreiche Karriere bei dem Verein aus der Nähe von Dillenburg beenden. In den letzten ein, zwei Jahren als Spieler, so Roßkopf, habe er keine Lust mehr, den Arbeitgeber zu wechseln. Bleiben sollen zudem die Nachwuchsspieler Mengel und Gavlas. Aber reicht das? Nein, findet nicht nur Nationalspieler Roßkopf. Aller Voraussicht nach soll deshalb ein spielstarker Spitzenspieler geholt werden, der zu den besten 40 Profis der Welt zählt. Gut möglich, dass es sich dabei um einen Asiaten handelt.

          Die finanziellen Voraussetzungen dafür werden jedenfalls im Moment geschaffen. So plant der zweimalige Champions-League-Sieger eine neue Spielbetriebsgesellschaft in Form einer GmbH zwischen Gönnern und einem neuen, finanzstarken Partner zu gründen. Bei diesem handelt es sich offenbar um ein hessisches Unternehmen. „Wenn es zu dieser GmbH kommt, wäre das einmalig im deutschen Tischtennissport“, meint Märte. Die Verpflichtung eines deutschen Spitzenspielers wie Lars Hielscher (Jülich) oder Zoltan Fejer-Konnerth (Grenzau) vermag sich Hampl ebenfalls vorzustellen. „Für mich als Trainer wären beide Spieler sehr interessant“, sagt er und fügt hinzu: „Aber das muss der Verein entscheiden.“

          Trainerfrage ist noch offen

          Geklärt werden muss auch die Trainerfrage für das kommende Spieljahr. Zunächst wird der Hessische Tischtennis Verband darüber zu befinden haben, ob er seinen Landestrainer Hampl weiter an den TTV Gönnern abstellt. Und dann müssen dem erfolgreichen Lehrmeister von Boll die neuen Strukturen ohne den Weltranglistenvierten zusagen. Sorgen um seine berufliche Zukunft muss sich Hampl immerhin keine machen; er kann wählerisch sein. Aus dem In- und Ausland liegen ihm nach eigenem Bekunden Angebote für den Cheftrainerposten vor. Auch wenn zurzeit mehr dafür spricht, dass Hampl dem TTV Gönnern erhalten bleibt: Eine sportliche Umorientierung will der Umworbene nicht ausschließen. Für diesen Fall könnte es beim Tabellensechsten der Bundesliga eine interne Lösung geben. Jörg Roßkopf kann sich Märte jedenfalls gut als Spielertrainer vorstellen.

          Dass Timo Boll als Düsseldorfer Vertragsspieler womöglich ab und zu zur Trainingsgruppe in Gönnern gehört, dagegen hätte der Vereinsvorsitzende nichts einzuwenden. Doch erst müsse sich der Weltranglistenvierte „outen“, wie es Hampl ausdrückt. „Im Augenblick gehe ich davon aus, dass der Trainingsmittelpunkt von Timo in Düsseldorf ist.“ Käme es anders und würde Boll, zumindest was das Training betrifft, Heimatverbundenheit zeigen, wäre diese Konstellation im deutschen Spitzensport einzigartig. „So etwas gibt es nur im Tischtennis“, sagt Roßkopf.

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