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Tennisturnier in Corona-Krise : Ein fliegender Blumenstrauß für die Siegerin

  • -Aktualisiert am

Gehört alles zum Hygienekonzept: Turnierdirektor Roland Ohnacker wirft Tamara Korpatsch den Siegerstrauß zu. Rechts Mona Barthel. Bild: Krämer

Keine Ballkinder, keine Linienrichter, keine Zuschauer bis auf ein paar Sponsoren, lückenlose Dokumentation jeder möglichen Infektionskette – in Darmstadt wird Tennis in Corona-Zeiten gespielt. Dabei gibt es zwei denkwürdige Szenen.

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          Nachdem das Finale gewonnen war, Mona Barthel beim Stand von 4:6, 3:4 verletzt aufgab und sich Tamara Korpatsch als Siegerin eines der ersten Tennisturniere in Zeiten von Corona fühlen durfte, gab es zwei denkwürdige Szenen. Zunächst die Siegerehrung. Die Darmstädter Organisatoren vom TC Bessungen hatten den Zuschlag für das Vorrundenturnier im Rahmen der Germans Ladies’ Series vom Deutschen Tennis Bund (DTB) mit einem Hygienekonzept bekommen, das sie penibel einhielten.

          Keine Ballkinder, keine Linienrichter, keine Zuschauer bis auf ein paar Sponsoren, lückenlose Dokumentation jeder möglichen Infektionskette – und Social Distance auch bei der Siegerehrung. Der Siegerstrauß erreichte Tamara Korpatsch im Flug, Turnierchef Roland Ohnacker warf ihn ihr zu – eine Szene zum Erinnern, so also war das in Zeiten von Corona.

          Die zweite Szene wenig später. Hinter dem Zaun Ohnacker im Gespräch mit den Eltern von Tamara Korpatsch. Es ging ums Preisgeld. 5000 Euro hatte sich die Siegerin verdient. Wann es ausbezahlt würde? Normalerweise bekommt man auf Turnieren gleich einen Scheck. Oh- nacker musste passen. Für das Preisgeld ist der TC Bessungen nicht zuständig, das übernimmt der DTB, insgesamt rund 370.000 Euro für die gesamte Serie, bei der 24 Damen und 32 Herren antreten. Würde sich Tamara Korpatsch, die an Position 111 der Weltrangliste notiert ist, bis ins Finale der Turnierserie durchschlagen und auch dieses gewinnen, könnte sie 25.000 Euro verdienen.

          5000 Euro hat sie sicher, und auch das ist ein Betrag, der ihr und ihrer Familie weiterhilft. Geld nämlich ist knapp geworden während der Corona-Beschränkungen, seit Monaten gibt es keine Turniere, keine Möglichkeit, Preisgelder einzusammeln, es gibt in der laufenden Saison auch keine Bundesliga, die in normalen Jahren für viele Spielerinnen eine Art finanzielle Grundsicherung garantiert. Für Profis wie die 25 Jahre alte Tamara Korpatsch ist die Corona-Krise deshalb auch eine Finanzkrise. „Das ist schon eine Sorge“, sagt sie, „auch wenn ich bis jetzt ganz gut durchgekommen bin. Ich habe etwas bekommen von der Soforthilfe für Selbständige, auch von der WTA, der Profivereinigung, gab es etwas, dazu ein paar Ersparnisse, das hat bis jetzt gereicht, aber natürlich denkt man schon, wann geht es endlich wieder los, wie lange kann ich das durchhalten.“

          Ein Lichtblick sind die US Open, die vom 31. August an stattfinden sollen, unter Abstands- und Quarantänebedingungen, ohne Zuschauer und ohne Qualifikationswettbewerb. Barbara Rittner, Leiterin des Damentennis im DTB, sieht das geplante Turnier kritisch. „Die Gesundheit geht vor“, sagt sie. „Ich bin nicht scharf drauf, nach New York zu fliegen. Für mich rückt der Sport da in den Hintergrund.“

          Für Tamara Korpatsch stellt sich die Lage anders dar. Sie ist nicht in der Position, die Gesundheit über alles zu stellen, obwohl sie dazu Grund hätte. Die Australian Open Anfang des Jahres hatte sie wegen einer Herzmuskelentzündung und einer schweren Grippe verpasst. Ihre Lungenfunktion betrug zeitweise nur noch fünfzig Prozent, sie bekam Bronchialasthma, konnte kaum noch Treppen steigen, alles war zu anstrengend. „Jetzt geht es langsam wieder besser“, sagt sie, „jetzt bin ich bei 82 Prozent Lungenfunktion, lange Ballwechsel sind aber immer noch schwierig.“ Lungenprobleme, Asthma – in Zeiten von Corona sind das Vorerkrankungen, die man nicht einfach zur Seite schiebt. „Der Arzt sagt, ich solle sehr vorsichtig sein, Kontakte möglichst vermeiden.“

          Zu den US Open würde sie dennoch fliegen. „Das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers würde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen“, sagt sie. „Es wäre das erste Mal für mich.“ Und auch ein Lockruf des Geldes: 60.000 Dollar gibt es in New York allein für die Teilnahme an der ersten Runde.

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