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Tennis : Attraktiv und trotzdem bezahlbar - die Hessenliga

FRANKFURT. Fünfundsiebzig Jahre wird der TEVC Kronberg in diesem Sommer alt - Grund genug, um im Jubiläumsjahr etwas Besonderes zu wagen. Der Tennisklub im Victoriapark hat vor der am Wochenende beginnenden Hessenliga erhgeizige Pläne.

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          Fünfundsiebzig Jahre wird der TEVC Kronberg in diesem Sommer alt - Grund genug, um im Jubiläumsjahr etwas Besonderes zu wagen. Der Tennisklub im Victoriapark hat vor der am Wochenende beginnenden Saison der Hessenliga jedenfalls eine Mannschaft zusammengestellt, vor der es der Konkurrenz Angst und Bange werden kann. Der Favorit jedenfalls ist gefunden, neben den Kronbergern werden nur noch den Finalisten des vergangenen Jahres, dem TC Lorsch und dem TC Bad Homburg, Chancen auf den Titelgewinn eingeräumt. Der Kronberger Sportwart macht aus den Ambitionen des Klubs keinen Hehl. "Wir wollen um den Titel spielen", sagt Ralph Weißenberger. Die personellen Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Neu im Team ist der in der vergangenen Saison ungeschlagene Christian Grünes, der aus Bad Homburg kam, sowie Lars Pörschke (vom SC 1880 Frankfurt) und Stanislas Wawrinka. Der 18 Jahre alte Schweizer mit deutschem Paß bringt als aktuelle Empfehlung den Sieg beim Juniorenturnier der French Open in Paris mit.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Wenn es denn klappen sollte mit dem Titelgewinn, dann wollen die Kronberger auch an der Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga teilnehmen, was im Mannschaftssport Tennis zumindest in Hessen nicht selbstverständlich ist. Im vergangenen Jahr hatte Meister Bad Homburg vorgeführt, wie peinlich man mit einem gewonnenen Titel umgehen kann, als der Traditionsklub in der Aufstiegsrunde zwar antrat, aus Kostengründen aber mit einer Notmannschaft, die sich (und den hessischen Verband) kräftig blamierte. Das würde sich der TC Lorsch in diesem Jahr ersparen. Der in vielen Bereichen vorbildlich geführte Verein hat bereits vor Beginn der Runde angekündigt, im Falle des Titelgewinns an der Aufstiegsrunde erst gar nicht teilzunehmen, mangels Spielern, weil zum vorgesehenen Zeitpunkt drei Lorscher Stammkräfte schon wieder in den Vereinigten Staaten ihr Studium vorantreiben werden. Überhaupt ist der Aufstieg für Mannschaften wie den TC Lorsch keine lohnende Aussicht. Während man in der Hessenliga mit einem Etat von rund 30000 Euro eine Spitzenmannschaft zusammenbekommt, braucht man in der zweiten Liga mindestens die doppelte Summe, um zumindest die Chance zu haben, im Abstiegskampf zu bestehen. "Die zweite Liga könnte nur als Durchgangsstation ein Thema sein", sagt der Lorscher Teamchef Marald Maiberger. "Interessant würde erst wieder die Bundesliga." Aber von der können die hessischen Vereine derzeit nur träumen, eine Finanzierung der horrenden Erstligaetats könnte unter den derzeitigen Voraussetzungen höchstens eine Allianz aus mehreren Klubs stemmen, aber ein solches Projekt ist unrealistisch. Also bleiben die Lorscher, wo sie sich am wohlsten fühlen: in der sportlich durchaus attraktiven, bezahlbaren Hessenliga.

          Kronberg als Favorit, Lorsch und Bad Homburg als chancenreiche Außenseiter - für den Rest im Neunerfeld - TC Marburg, Sportwelt Rosbach, Kelkheimer TEV, Rosenhöhe Offenbach, SC 1880 und WB Aschaffenburg - geht es mehr oder weniger um den Verbleib in der höchsten hessischen Klasse, aus der am Ende zwei Teams absteigen müssen. Die sportlichen Konzepte der Vereine sind höchst unterschiedlich. Für alle gilt: Sie dürfen pro Spieltag nur zwei Ausländer einsetzen, deshalb sind die langen Listen von ausländischen Namen zum Beispiel beim TC Bad Homburg auch nur Makulatur. Wer letztlich wann und wo aufschlägt, entscheidet sich oft erst am Vorabend des Spieltages. Es gibt freilich auch andere Konzepte, wie etwa von Weiß-Blau Aschaffenburg mustergültig vorgeführt. Die Mainfranken verfolgen eine konsequente Jugendarbeit und haben auch ihre Hessenligamannschaft darauf abgestellt. Mit dem Südafrikaner Damien Roberts haben sie nur einen Spieler aus dem Ausland geholt - "als Hingucker für die Jugend", wie Vorstand Joachim Braun sagt. Dahinter spielen bis auf den im Klub längst heimisch gewordenen Tschechen Michael Muzikant ausschließlich Eigengewächse aus der Region, und wer die Meldeliste von Platz vierzehn an betrachtet, der findet keinen Spieler mehr, der älter ist als sechzehn Jahre.

          Die Hessenliga beginnt am Sonntag mit den Partien Offenbach gegen Frankfurt, Lorsch gegen Marburg, Aschaffenburg gegen Rosbach und Kelkheim gegen Bad Homburg. Favorit Kronberg bleibt zunächst nur die Rolle des Zuschauers, ehe die Mannschaft am zweiten Spieltag zum Spitzenspiel in Bad Homburg antritt. Dann wird es einen ersten Fingerzeig geben, ob die Kronberger ihren großen Erwartungen gerecht werden können. Nach der Papierform müßten sie den Titel gewinnen, aber weil Mannschaftstennis mehr ist als die Summe von Einzelspielern, empfiehlt nicht nur der Lorscher Teamchef Maiberger, die Partien auch in dieser Saison erst einmal zu spielen.

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