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Wiesbaden-Profi Mockenhaupt : Ein Spätstarter gibt Vollgas

  • -Aktualisiert am

Geht keinem Duell aus dem Weg: Sascha Mockenhaupt (rechts) Bild: dpa

Die Karriere des Wehener Verteidigers Sascha Mockenhaupt ist absolut atypisch. Er sagt: „Ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass man seinen Karriereweg nicht wirklich abschätzen kann.“

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          Seinem Trainer Rüdiger Rehm muss der Wiesbadener Abwehrspieler Sascha Mockenhaupt nichts mehr beweisen. Der Fußballlehrer sieht in ihm einen „Musterprofi, der immer Vollgas gibt“. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn Mockenhaupt ist einer der schnellsten Spieler der zweiten Liga, nach der Hinrunde war er sogar der Schnellste mit einer gemessenen Endgeschwindigkeit von knapp 36 Kilometern pro Stunde.

          2. Bundesliga

          Der 28-Jährige ist ein begnadeter Sprinter – mit einem bei den Profis atypischen Karriereweg, weil dieser für ihn alles andere als geradlinig verlief. „Im Alter zwischen 15 und 22 habe ich mit Freunden mehr oder minder auf dem Dorf gekickt“, sagt Mockenhaupt. Es gibt Spieler, die nach ihrer Ausbildung im Nachwuchsleistungszentrum von Erstligavereinen schon mit Anfang 20 erste Erfolge in der Bundesliga vorweisen können. Doch Mockenhaupt machte mit 21 ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Werkstätte der Lebenshilfe für behinderte Menschen. „Die Herzlichkeit dieser Menschen ist extrem, von ihnen bekommt man sehr viel zurück“, erinnert er sich. „Es sind ganz wertvolle Erfahrungen, die man für den Rest seines Lebens macht.“ Nach dem Abitur hatte sich Mockenhaupt für ein Lehramtsstudium eingeschrieben, betreibt heute aber ein Fernstudium in Sportmanagement. Auch nach seiner aktiven Karriere möchte Mockenhaupt dem Fußball erhalten bleiben.

          Der Innenverteidiger hat für sich die richtige Balance im Berufsleben gefunden. Bis zum Alter von 15 gehörte Mockenhaupt zwei Jahre lang zum Nachwuchs von Bayer Leverkusen, wegen der langen Autofahrten zum Training hörte er jedoch wieder auf. Sein Leben und das der Familie habe „viel zu sehr gelitten“, sagt er. Erst 2012 startete Mockenhaupt seinen Anlauf nach oben, als er – aus der Oberliga aus Betzdorf kommend – in die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern wechselte. Seine ersten von bislang 63 Zweitliga-Spielen bestritt Mockenhaupt dann für den FCK und den VfR Aalen, bevor er im Sommer 2015 wieder an den Betzenberg zurückkehrte. Ein Jahr später forderte ihn der damalige FCK-Trainer Tayfun Korkut spät in der Saisonvorbereitung dazu auf, sich einen neuen Verein zu suchen. Der hieß FK Bodo/Glimt aus Norwegen. Für ein halbes Jahr verschlug es den Defensivspieler in die Gegend nördlich des Polarkreises. Das sei „ein absolutes Abenteuer“ gewesen. „Dort sind die Menschen eher darauf bedacht, das Leben zu genießen. Was die Lebenseinstellung betrifft, habe ich aus dieser Zeit viel mitgenommen“, sagt Mockenhaupt. Davor beim FCK hatte er sieben Trainer gehabt.

          Sein entspannter Blick auf viele Dinge darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mockenhaupt ein großer Kämpfer ist, der sich von unten buchstäblich hochgearbeitet hat. „Die vielen Sachen, die ich in der Jugend verpasst habe, musste ich aufholen. Dabei musste ich mit vielen Vorurteilen kämpfen.“ Mockenhaupt, der an diesem Sonntag (13.30 Uhr) mit dem SV Wehen Wiesbaden im Heimspiel auf den Mitabstiegskandidaten VfL Bochum trifft, tat oft mehr als seine Mitspieler. Mit entsprechender Willensleistung brachte er es auch ohne Lehrjahre in einem Nachwuchsleistungszentrum zum Zweitliga-Profi. „Ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass man seinen Karriereweg nicht wirklich abschätzen kann“, sagt er.

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