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Wehen-Trainer Rüdiger Rehm : „Vielleicht ist es gut, jetzt den Reset-Knopf zu drücken“

  • -Aktualisiert am

„Nun werden wir – sozusagen – wieder freigelassen“: Für Rüdiger Rehm und den SV Wehen Wiesbaden endet die Quarantäne. Bild: dpa

Auch beim Zweitligaverein SV Wehen Wiesbaden ruht der Fußball derzeit. Trainer Rüdiger Rehm spricht im Interview über seine Quarantäne-Zeit, seine Lehren aus der Corona-Krise und die Kraft des Fußballs.

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          In normalen Zeiten sind Sie viel unterwegs, trainieren, spielen, trainieren. Wie war es für Sie, jetzt zwei Wochen lang bei ihrer Familie in der Nähe von Heilbronn in Quarantäne gewesen zu sein, nachdem es einen positiven Corona-Fall im Kader des SV Wehen Wiesbaden gab?

          Es hat sich nicht gut angefühlt, weil wir die frische Luft gewöhnt sind. Auch wenn es manchmal bei Regen, Sturm und Wind auf dem Halberg nicht angenehm ist und die Bedingungen extrem sein können, sind wir doch gerne draußen in der Natur. Wir werden es jetzt vielleicht sogar genießen, wenn wir demnächst bei stürmischem Wetter wieder da oben stehen können. Das ist trotzdem schöner, als im eigenen Haus eingesperrt zu sein. Wenn man Dinge nicht mehr hat, lernt man sie plötzlich zu schätzen. An diesem Montag endet die Quarantäne. Dann werden wir – sozusagen – wieder freigelassen.

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          Haben Sie sich wie im Gefängnis gefühlt?

          Nein. Dadurch, dass ich im laufenden Fußballgeschäft nicht so oft zu Hause bin, war es jetzt angenehm, auch mal über einen längeren Zeitraum in den eigenen vier Wänden sein zu können. Ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Ich hatte viel Zeit für meine Kinder. Meine Familie hatte sich freiwillig in die Quarantäne miteinbezogen. Wir haben aber aufgepasst, Abstand zueinander zu halten. Ich bin im Haus umgezogen. Aber für die Spieler, die sich ganz allein in ihrer Wohnung aufhalten mussten, war die Zeit schon sehr hart, niemanden treffen zu können.

          Hat Ihnen Ihre Frau im Haushalt Aufgaben anvertraut?

          Die Kinder hatten Schulaufgaben, bei denen ich helfen konnte. Außerdem habe ich meine Gartenarbeit erledigt und den Keller sauber gemacht. In dem Moment, in dem ich vielleicht ein bisschen ungeduldig oder unzufrieden geworden bin, habe ich mich im Keller an den Fitnessgeräten ausgetobt. Danach war ich wieder ausgeglichen. Und als es etwas wärmer war, habe ich auf der Terrasse gesessen und ein Buch gelesen.

          Sie sind ein Trainer, der stark über Emotionen kommt. Der immer unter Strom steht, der seine Spieler pusht. Ist bei Ihnen mit der Zeit die Anspannung abgefallen?

          Nein, wir versuchen die Spannung natürlich hochzuhalten. Für jeden Spieler haben wir ein Video erstellt mit individuellen Szenen aus dieser Saison, um ihm in der Theorie das eine oder andere, zum Beispiel in Sachen Taktik, mitzugeben. Das haben wir dann auch am Telefon besprochen. Bei uns ist noch kein Spannungsabfall da. Und wir können auch keinen gebrauchen. Wir müssen uns weiter hochfahren. Denn sobald es losgeht, müssen wir wieder voll da sein und eine kleine Vorbereitung starten. Bis jetzt ist es eine zweite gefühlte Winterpause.

          Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen: Wie schnell werden Sie und Ihre Mannschaft im Abstiegskampf der zweiten Liga wieder in den Alltagsmodus umschalten können? Die Corona-Pandemie wird ja nicht mit einem Schlag vorbei sein.

          Es ist schwierig zu sagen, weil wir alle diesbezüglich noch keine Erfahrungswerte haben. Auch wir im Fußball werden unsere Folgen davontragen. Noch befinden wir uns in einer Art Vakuum mit viel zu vielen Fragezeichen. Keiner weiß richtig, wann, wie und in welcher Form der Übungs- und Spielbetrieb wiederaufgenommen werden kann. Wir werden wahrscheinlich von Tag zu Tag schauen müssen, was möglich sein wird.

          Haben sich für Sie in dieser Auszeit die Wertigkeiten verschoben?

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