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SV Wehen Wiesbaden : Der Rubel rollt – woanders

  • -Aktualisiert am

Rüdiger Rehm wundert sich über die Ablösesummen: „Da hat man nicht das Gefühl, dass es momentan eine Krise gibt.“ Bild: dpa

Vereine der dritten Liga rüsten ihre Kader mit viel Geld auf. Wiesbaden hat da das Nachsehen. Nicht die besten Voraussetzungen für Trainer Rüdiger Rehm.

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          Zahlen fallen zwar nicht in den Arbeitsbereich von Rüdiger Rehm. Aber sie kommen dem bestens vernetzten Fußballtrainer des SV Wehen Wiesbaden im Hinblick auf das Geschäftsgebaren in der dritten Profiliga immer wieder zu Ohren. Und sie haben bei ihm jetzt in einigen Fällen ziemliches Erstaunen ausgelöst. „Hoppla, was passiert denn da, haben wir uns gedacht und auch mit den Augen gerollt, wenn man sieht, welche Spieler von Vereinen geholt und welche Ablösesummen für sie bezahlt werden.

          Da hat man nicht Gefühl, dass es momentan eine Krise gibt“, sagt Rehm. Der ehemalige Lauterer Stürmer Timmy Thiele soll Viktoria Köln bis zu 150.000 Euro wert gewesen sein. Oder Türkgücü München: Der Liga-Neuling hat sich die Dienste des Angreifers Petar Sliskovic (ehemals MSV Duisburg/Mainz 05), so heißt es, ebenfalls einen niedrigen sechsstelligen Betrag kosten lassen. Es wurde kräftig investiert – trotz Corona, trotz der zu erwartenden Einnahmeverluste aufgrund begrenzter Zuschauerzahlen und trotz der bescheidenen Fernsehgeldeinnahmen in Höhe von etwas mehr als einer Million Euro pro Verein und Saison. Die investierten Summen seien alles Beträge, „die normalerweise in der dritten Liga nicht üblich waren“, sagt Rehm und muss es wissen. Nach einem Jahr in der zweiten Liga ist der Absteiger wieder in der dritthöchsten Spielklasse gelandet. Dort sind die Wiesbadener vor dem 13. Durchgang eine gestandene Größe als Spitzenreiter der ewigen Drittliga-Tabelle.

          Auch in der neuen Saison, die für die Wiesbadener an diesem Samstag (14 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur dritten Bundesliga ) mit einem Heimspiel gegen den Aufsteiger SC Verl beginnt, wollen die Hessen ein Topteam sein und um den Wiederaufstieg mitspielen. In der Rolle des wirtschaftlichen Liga-Krösus sehen sie sich jedoch bei weitem nicht. „Wir haben in ganz minimalem Rahmen leistungsbezogene Ablösesummen bezahlt. Das haben wir schon immer so gemacht.“ Wehen Wiesbaden zahle „eigentlich keine Ablösesumme“, sagt Nico Schäfer, der Geschäftsführer Sport.

          Investitionen in Neuzugänge

          Was das Gehaltsniveau in der Liga angeht, siedelt er seinen Klub „im unteren ersten Drittel ein – sofern wir unser Ziel erreichen und zumindest oben mitspielen. Ansonsten stünden wir deutlich tiefer da.“ Ihren Spielern böten die Wiesbadener stark leistungsbezogene Verträge an, im Erfolgsfall streichen sie dafür vergleichsweise hohe Punktprämien ein. Rehm hat in diesem Sommer von Angeboten an Spieler gehört, die bei anderen Vereinen das Doppelte verdienen können. Auch das sei „anders als vor zwei, drei Jahren“, meint er.

          „Wir haben sicherlich einige Absagen bekommen. Aber nicht, weil die Spieler zu Zweitliga-Klubs gegangen sind. Sie haben sich vielmehr anderen Drittligisten angeschlossen.“ Mitabsteiger Dynamo Dresden, der von vielen als der Topfavorit der Liga gehandelt wird, soll den einen oder anderen Spieler an sich gebunden haben, den auch die Wiesbadener gerne verpflichtet hätten. Ihr Eigenkapital gaben die Sachsen im Juni dieses Jahres mit zehn Millionen Euro an. Dresden habe in den vergangenen Jahren „hervorragend gewirtschaftet“, findet Schäfer. Im Vergleich der beiden Klubs schätzt er das Dresdner Budget „deutlich höher“ ein. „Dynamo hat nun die Möglichkeit, dieses Risiko zu gehen.“

          Was die Finanzierungsmöglichkeiten der Klubs in der dritten Liga angeht, stellt Schäfer eine „große Spreizung“ fest. Nicht nur, weil Vereine wie Uerdingen oder Viktoria Köln über Investoren oder Mäzene mit entsprechender Wirtschaftskraft verfügen. Unter die Rubrik „besondere Fälle“ ordnet Schäfer auch den 1. FC Kaiserslautern ein. „Sie haben einen Weg in der Planinsolvenz gefunden, sich zu finanzieren. Man kann sagen: Sie nutzen die rechtlichen Möglichkeiten aus, die es gibt.“ Eingedenk der geholten Neuzugänge sagt Schäfer: „Die dritte Liga in Deutschland ist sicherlich die stärkste im internationalen Vergleich.“

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