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Zweite Bundesliga : Wehen Wiesbaden und die fatale Heimschwäche

  • -Aktualisiert am

Daniel Kyereh und der SV Wehen Wiesbaden wollen auch im eigenen Stadion punkten. Bild: dpa

Von Pleiten, Pech und Pannen lässt sich Wehen im Abstiegskampf in der zweiten Bundesliga nicht entmutigen. Doch die schlimme Bilanz im eigenen Stadion könnte den Wiesbadenern zum Verhängnis werden.

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          In Rente wird Rüdiger Rehm beim SV Wehen Wiesbaden gewiss nicht gehen. Aber der 41 Jahre alte Fußballlehrer kann sich sicher sein, dass die Wiesbadener bei der Zusammenarbeit mit ihm großen Wert auf Kontinuität legen. Trotz einer Negativserie zum Saisonstart in der zweiten Liga – der Klub war nach sieben Spieltagen Tabellenletzter mit einem Punkt und 9:23 Toren – die Ruhe bewahrt zu haben, ist eine der Stärken der Wiesbadener. Beim Aufsteiger verzichteten die Verantwortlichen auf bloßen Aktionismus oder eine Kurzschlussreaktion. Auf lange Sicht könnte sich das auszahlen, denn die Hessen haben sich heute auf vernünftigem Niveau stabilisiert: Vor dem 16. Durchgang gegen Darmstadt an diesem Sonntag (13.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur 2. Bundesliga und bei Sky) sind sie Tabellenvorletzter – mit jetzt 13 Punkten und 19:32 Toren. Bei einem Heimerfolg im Hessenderby wäre Wiesbaden im Abstiegskampf bis auf zwei Punkte an die „Lilien“ herangerückt.

          2. Bundesliga

          Trainer und Mannschaft halten fest zueinander, das hat die anspruchsvolle Krisenbewältigung gezeigt. Selbst riesengroße und anhaltende Aussetzer wie in den Heimspielen gegen Regensburg (0:5), Bielefeld (2:5) und Holstein Kiel (3:6) führten nicht zu Zerwürfnissen untereinander. Im Kern haben die Wiesbadener eine gewisse Widerstandskraft gegen Pleiten, Pech und Pannen entwickelt. Sportlich sind sie Stehaufmännchen, wie das jüngste 2:0 in Nürnberg nach dem 3:6 zu Hause gegen Kiel bewiesen hat.

          Auf Dauer wird das im sportlichen Überlebenskampf jedoch nicht reichen, der Aufsteiger muss deutlich mehr Konstanz in seine Leistungen bringen. Vor allem in der Heimbilanz hinken die Hessen den Ansprüchen weit hinterher: Mit nur fünf Punkten aus acht Spielen und 9:22 Toren sind sie Vorletzter vor Hannover 96. Vor eigenem Publikum beklagen die Wiesbadener ligaweit die mit Abstand meisten Gegentore. Auswärts hingegen nehmen sie aktuell mit acht Zählern und 10:10 Toren einen achtbaren siebten Platz ein. In der Fremde ist Wiesbaden sportlich noch nie auseinander gefallen.

          Aus Fehlern hat die sportliche Führung gelernt. Den Mangel an erfahrenen Spielern in der Mannschaft glichen die Wiesbadener durch die Verpflichtungen des ehemaligen österreichischen Nationaltorhüters Heinz Lindner und des früheren Frankfurter Bundesliga-Profis Stefan Aigner aus. Als lernfähig erwies sich außerdem die Gemeinschaft der Spieler. Mit der Umstellung von der Vierer- auf die Fünferkette schlossen die Hessen die Schießbude der Liga. Nur das 3:6 gegen Kiel bedeutete einen schlimmen Rückfall in alte Zeiten.

          Mit einem Schlag ließen die Spieler wieder alles vermissen, was sie davor stark gemacht hatte. Dauerhaft die Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu finden, wird in dieser Runde das Wichtigste für die Wiesbadener sein. Stellt sich bei ihnen auf dem Platz ein Gleichgewicht der Kräfte ein, haben sie eine Chance, den Klassenverbleib zu schaffen. Grundvoraussetzung dafür ist, dass alle zehn Feldspieler nach hinten mitarbeiten. Scheren ein oder zwei aus dem Verbund aus, klaffen Lücken, die die Gegner gnadenlos ausnutzen.

          Einen großen Mehrwert für die Mannschaft hat Manuel Schäffler. Mit elf Saisontreffern rangiert der Stürmer auf Rang zwei der Torjägerliste. Mehr als die Hälfte der Wiesbadener Treffer gehen damit auf das Konto des 30 Jahre alten Führungsspielers. Mit seinen individuellen Stärken beim Torabschluss ist Schäffler eine Ausnahmeerscheinung beim Aufsteiger. Ihn nur aufs Toreschießen zu reduzieren, würde aber zu kurz greifen. Der meist vorbildlich nach hinten mitarbeitende Angreifer hat auch als Anspielstation und Ballverteiler seinen Stellenwert. Mit Rehm als Trainer ist Schäffler in den vergangenen Jahren so richtig in Schuss gekommen.

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