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Manuel Schäffler : Ein Wiesbadener Toreheld und Type sagt Adieu

  • -Aktualisiert am

Enttäuscht: Manuel Schäffler nach dem Abstieg mit dem SV Wehen Wiesbaden Bild: dpa

So wichtig war niemand in den drei höchsten deutschen Spielklassen für die eigenen Tore: Wehen Wiesbaden wird es schwer haben, Stürmer Manuel Schäffler zu ersetzen. Immerhin gibt sein Wechsel den Verantwortlichen mehr Freiheiten für die Etatplanung.

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          Wie groß die Lücke ist, die Manuel Schäffler beim SV Wehen Wiesbaden hinterlässt, offenbart der Blick auf die Torjägerliste der abgelaufenen Zweitliga-Saison. Hinter dem zum 1. FC Nürnberg abgewanderten Stürmer, der mit 19 erzielten Treffern auf dem zweiten Platz landete, kommt lange nichts im Hinblick auf die Abschlussbilanz seiner einstigen Mitspieler. Der zweitbeste Vollstrecker beim Zweitliga-Absteiger aus Hessen war Daniel-Kofi Kyereh mit „nur“ sechs Toren – er hat sich nun St. Pauli angeschlossen –, gefolgt von Stefan Aigner und Phillip Tietz (je 5). Kaum zu glauben, aber wahr: Rein statistisch betrachtet war Schäffler in der Vorsaison der wertvollste Spieler im deutschen Profifußball. Denn kein Profi der ersten drei Ligen hatte mit seinen Toren an den insgesamt erzielten Treffern (45) seiner Mannschaft einen größeren Anteil als der 31-Jährige mit 42,2 Prozent. Alle 103 Minuten war Schäffler an einem Tor beteiligt, auch dieser Wert dokumentiert seine Sonderstellung im Sturm.

          Ohne den Torgaranten und Torschützenkönig der Drittliga-Spielzeit 2017/2018, der in seinen vier Jahren beim SVWW in 151 Pflichtspielen auf 80 Treffer und 23 Vorlagen kam, werden sich die Wiesbadener Torerfolge in Zukunft auf mehrere Spieler verteilen müssen. Das sportliche Erbe von Schäffler wiegt schwer.

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          Schäffler wollte zum „Club“, und die Wiesbadener wollten einem ihrer verlässlichsten Spieler aufgrund dessen Verdienste keine Steine in den Weg legen. Die vorher mit Schäffler abgestimmte Ablösesumme sei „frei verhandelbar“ gewesen, sagte der Wiesbadener Geschäftsführer Nico Schäfer am Sonntag dieser Zeitung. Zahlen nannte er keine. Gut vorstellbar ist aber eine höhere sechsstellige Summe, die sich unter Berücksichtigung von Erfolgsbeteiligungen wohl auf einen Betrag zwischen 700.000 und 800.000 Euro belaufen kann. Damit ist Schäffler der neue Rekordtransfer in Wiesbaden. 2011 war Mainz 05 die Verpflichtung von Fabian Schönheim etwa 400.000 Euro wert.

          Angebote aus Amerika

          Schäffler lagen auch Angebote aus der Major League Soccer aus den Vereinigten Staaten vor. Aus der Bundesliga und der zweiten Liga soll es zudem lose Anfragen für ihn gegeben haben. Die intensiven Gespräche mit dem „Club“ begannen am Ende der vorvergangenen Woche. Eine Vertragsverlängerung über den 30. Juni 2021 hinaus hätten die Wiesbadener Schäffler aktuell nicht anbieten müssen, denn die Vereinbarung mit ihm beinhaltete bereits die eine oder andere Option zur langfristigen Fortsetzung der Zusammenarbeit.

          Schäffler, der in Nürnberg eine Perspektive für den Bundesliga-Aufstieg sieht, war nicht nur der Wiesbadener Toreheld, er war auch eine Type. In seiner Freizeit betätigte sich der stellvertretende Kapitän gerne als Hobby-Künstler und Graffiti-Artist. Auf dem Platz wird sich bei den Wiesbadenern nun eine neue Hierarchie herausbilden müssen. Vier gestandene Spieler – darunter wird auch ein Angreifer sein – wollen sie noch verpflichten. Die Ablösesumme für Schäffler helfe dem Verein „sicherlich dabei, dass es etwas mehr Freiheiten für unsere Etatplanung gibt“, sagte Schäfer. Das Budget für die Drittliga-Runde ordnet er im Vergleich zu den anderen Klubs „im unteren ersten Drittel ein“. Die höchsten Gehälter würden die Hessen nicht bezahlen. „Dafür haben wir die höchsten Prämien“, sagt Schäfer über das „starke Leistungsprinzip“, das beim SVWW schon seit Jahren Bestand hat. Und das Schäffler mit seiner jahrelangen Treffsicherheit in großem Stil gefördert hat.

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