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Coronavirus und der Fußball : Wehen Wiesbaden in Quarantäne

  • -Aktualisiert am

Diese Lichter bleiben vorerst dunkel: Die Arena in Wiesbaden Bild: Imago

Nach dem positiven Test von Fußball-Profi Tobias Mißner auf das Coronavirus reagiert der SV Wehen Wiesbaden umgehend und mit aller Konsequenz. Das komplette Team muss vorerst zu Hause alles Weitere abwarten.

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          Der SV Wehen Wiesbaden (SVWW) beklagt seit Montag seinen ersten bestätigten Corona-Fall. Beim Fußball-Zweitliga-Verein ist Tobias Mißner zu Beginn dieser Woche positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Der 20 Jahre alte Außenverteidiger befindet sich nun in häuslicher Quarantäne bei seiner Familie in Dortmund. Die Wiesbadener Vereinsverantwortlichen haben auf das positive Testergebnis sofort reagiert und für die komplette Mannschaft und das Funktionsteam in den kommenden zwei Wochen „vorsorglich häusliche Quarantäne angeordnet“. Die Hessen stünden im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt, hieß es in einer Mitteilung des Klubs vom Dienstag. „Sollte ein Spieler in den kommenden Tagen Symptome des Virus zeigen, würde er umgehend getestet werden.“

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          Sportdirektor Christian Hock sagte der F.A.Z., dass alle Wiesbadener Spieler „die Anweisung“ hätten, sich unverzüglich beim Mannschaftsarzt zu melden, „sobald bei ihnen zu Hause irgendwelche Symptome wie Husten oder Halsschmerzen auftreten sollten“. Außerdem sei jeder Spieler angehalten worden, „zweimal täglich Fieber zu messen und darüber ein Protokoll zu führen“. Der Verein habe an seine Spieler einen Maßnahmenkatalog verteilt, wie sie sich in der aktuellen Situation zu verhalten hätten, berichtete der Sportdirektor. Auch Hock hat sich in häusliche Quarantäne begeben: „Ich gehe nicht mehr vor die Tür.“ Zu Mißner habe er zuletzt jedoch „so gut wie keinen Kontakt“ gehabt, sagte er.

          Hock hatte mit Mißner am Montagabend telefoniert. Dieser habe sich „gesund und fit gefühlt“, erzählte Hock einen Tag später von dem Gespräch. Ihm gehe es momentan „gut, ich bin symptomfrei. Jetzt gilt es, die Quarantäne entsprechend den Vorgaben durchzuziehen“, ließ sich Mißner am Dienstag in der Pressemitteilung der Wiesbadener zitieren. Der Abwehrspieler teilte mit, dass es in seiner Familie „bereits mehrere positive Fälle“ gegeben habe. Aufgrund dessen hatte sich Mißner einem Test unterzogen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich der Verteidiger, der bisher noch keinen Zweitliga-Einsatz verzeichnen konnte und der dreimal im Wiesbadener Spieltagskader stand, bei einem Familienbesuch in Dortmund mit dem Virus infiziert hat. Mißner, der im Sommer 2019 von Borussia Dortmund II nach Wiesbaden gewechselt war, ist der erste Spieler im hessischen Profifußball, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. In seiner Spielklasse ist er schon der fünfte: Davor waren die Corona-Fälle von Timo Hübers und Jannes Horn (beide Hannover 96) sowie von Fabian Nürnberger (1. FC Nürnberg) und Stefan Thesker (Holstein Kiel) bekanntgeworden. Kontakt zu den Zweitliga-Rivalen hat Hock nicht aufgenommen.

          Trainer und Mannschaft des SV Wehen Wiesbaden waren zum letzten Mal am vergangenen Freitag zum Training auf dem Wehener Halberg zusammengekommen. Zur Gruppe der Spieler hatte auch Mißner gehört. Über das Wochenende hatten die Spieler frei. Die nächste Zusammenkunft war dann von Montag auf Dienstag verschoben worden. Doch schon im Laufe des Montags wurde bekannt, dass es auch dazu nicht kommen würde. Bei den Spielern sei jetzt „eine gewisse Unsicherheit da“, sagte Hock. „Wir haben auch nicht versucht, die Sache herunterzuspielen. Als Verein haben wir eine Fürsorgepflicht. Wir haben den Spielern klar gesagt, was jetzt zu tun ist, und ihnen die Dringlichkeit der Aufgaben mitgeteilt.“

          Kommuniziert wird bei den Wiesbadenern über das Telefon und in den Whatsapp-Gruppen der Spieler. Jeder Profi hat vom Trainerstab einen individuellen Trainingsplan erhalten. Dieser umfasst vor allem Kraft- und Stabilisationsübungen. Der Klub versucht, den Spielern, die über keine entsprechenden Fitnessgeräte verfügen, welche zu besorgen und nach Hause zu liefern. „Wir können sie aber nicht herzaubern“, sagt Hock. Ausdauerläufe im Freien sind den Spielern untersagt, wahrscheinlich dürften sie sich aber im eigenen Garten bewegen, falls sie das wollten. Ihre Trainingspläne hätten die Spieler „abzuarbeiten“. Jeder Spieler sei „in der Verantwortung“, die gemachten Vorgaben umzusetzen, sagt Hock. „Jeder von uns muss die Situation annehmen und das Beste daraus machen.“

          Etwaige Prognosen, wie es beim SVWW und im deutschen Profifußball in den kommenden Wochen weitergeht, wollte Hock am Dienstag nicht abgeben. „Die Lage ist zu ernst und komplex. Alles steht in den Sternen und hat eine völlig ungewisse Zukunft“, sagte er. „Wir müssen von Tag zu Tag denken.“ Eines steht für ihn allerdings fest: Um die Mannschaft „wieder spielfähig zu kriegen“, brauchte der Verein „ein bis zwei Wochen geregelten Trainingsbetrieb. Von null auf hundert kannst du nicht anfangen. Aber wir reden jetzt über ungelegte Eier“, sagte der Sportdirektor.

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