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„Gravierender Vorgang“ : Schwere Missbrauchsvorwürfe an Fußball-Jugendtrainer

  • -Aktualisiert am

Der Halberg in Wehen: Heimat des Nachwuchsleistungszentrums Bild: Imago

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen einen ehemaligen Jugendtrainer des Fußballklubs SV Wehen Wiesbaden wegen Verdachts der Vergewaltigung. Handyaufnahmen sollen einige der verübten Taten zeigen.

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          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen einen ehemaligen Jugendtrainer des SV Wehen Wiesbaden wegen des Verdachts der Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs und der Herstellung von Misshandlungsdarstellungen. Der 34-Jährige war von Juli 2019 bis vor wenigen Wochen beim Fußball-Profiklub zunächst für die U 12 und später für die U 14 zuständig. Bei einer Durchsuchung seien Ende Oktober auf dem Handy des Beschuldigten Videos von Vergewaltigungen von mehreren Jungen gefunden worden.

          Offenbar hatte er die regungslosen Opfer zuvor betäubt. Laut Staatsanwaltschaft bestehe der Verdacht, dass die Jugendlichen „mittels Alkohol oder anderer berauschender Mittel in einen Zustand der Besinnungslosigkeit versetzt wurden“. Der Trainer sitzt laut Staatsanwaltschaft seit dem 9. Dezember in Untersuchungshaft. Die Handyaufnahmen sollen unmittelbar vor dem Fund verübte Taten zeigen. Unklar ist noch, ob die Taten im Umfeld des Vereins stattfanden und ob unter den Opfern Jugendspieler des SV Wehen Wiesbaden sind.

          Trainer „fristlos entlassen“

          Als die Wehen Wiesbadener über die Indizien informiert wurden, habe man den Trainer „sofort freigestellt und dann fristlos entlassen“, teilte der Klub mit. Es handele sich um einen „für unseren Verein gravierenden und belastenden Vorgang“, heißt es weiter in der Mitteilung des SV Wehen Wiesbaden, der sich dar­über hinaus nicht zu diesem Fall äußern will. Der Hessische Rundfunk hatte über die Ermittlungen am Montag berichtet.

          Der Beschuldigte soll sich darüber hinaus zwischen 2007 und 2014 an mindestens zwei weiteren Jugendlichen vergangen haben. Diese seien nicht in der Lage gewesen, so die Staatsanwaltschaft, sich gegen den Täter, der ihr Fußballtrainer war, zur Wehr zu setzen. Eines der damaligen Opfer hatte sich offenbart und dadurch die aktuellen Ermittlungen angestoßen. Ob noch mehr Kinder und Jugendliche Opfer des mutmaßlichen Vergewaltigers wurden, wird noch ermittelt. Der Beschuldigte, der wohl aus Frankfurt stammt und im Main-Taunus-Kreis wohnt, ist seit 2003 durchgängig bei verschiedenen Vereinen im Rhein-Main-Gebiet tätig gewesen. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass es noch mehr Opfer gegeben hat.

          Gemäß einer Fußballdatenbank war der Beschuldigte insgesamt neun Jahre beim SV Hattersheim beschäftigt, zwei Jahre bei Germania Weilbach und drei Jahre beim FC Eddersheim. Der Inhaber der Jugend-Elite-Lizenz des Deutschen Fußball-Bundes war ein Jahr lang auch beim Hessischen Fußball-Verband als Regionalauswahltrainer beschäftigt.

          Im Sommer 2019 übernahm er dann als Teilzeitkraft – über den Hauptberuf des Beschuldigten ist nichts bekannt – den Cheftrainerposten bei der damaligen U 12 des SV Wehen Wiesbaden. Im Taunussteiner Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) auf dem Wehener Halberg sei die Mannschaft des Beschuldigten immer auch von Assistenztrainern, Betreuern und Physiotherapeuten betreut worden. Zudem ist wegen der Corona-Pandemie in den vergangenen drei Jahren viel Trainingszeit ausgefallen.

          Nach Informationen der F.A.Z. soll das belastende Material entgegen anderslautenden Medienberichten nicht in Räumlichkeiten des Vereins gefunden worden sein. Die sportliche Nachwuchsarbeit des SV Wehen Wiesbaden ist nicht nur zertifiziert, sondern gilt in der Fußballbranche als sehr anerkannt. Der Schaden für das Ansehen der Jugendarbeit des Klubs, dessen erste Mannschaft in der dritten Profiliga spielt, dürfte aber immens sein. Die Elternvertreter sind vom NLZ informiert worden, dass sich der Verein aufgrund der Ermittlungen von dem Beschuldigten getrennt habe, heißt es beim SVWW.

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