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Sportkletterin Käthe Atkins : „Er meinte, ich bewege mich wie ein Affe“

  • -Aktualisiert am

Die schnellste Route im Blick: Lead-Spezialistin Käthe Atkins. Bild: René Oberkirch

Die gerade 18 Jahre alte Käthe Atkins will im Schwierigkeitsklettern ganz oben ankommen. Unter ihresgleichen ist sie eine Exotin. Der Weg, über den Käthe Atkins zu ihrer Sportart kam, ist kurios.

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          Käthe Atkins blickt durch das Fenster des Frankfurter Cafés auf die Hausfassade auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein mehrstöckiger Altbau mit Stil und Charme im Nordend. Eigentlich nicht das passende Objekt für sie. Aber käme die 18-Jährige trotzdem an der Außenwand dieses Gebäudes hoch? „Wenn es genug Strukturen in der Hauswand gibt, wäre das kein Problem“, sagt sie und schmunzelt. Käthe Atkins übertreibt nicht.

          Höhenangst hatte sie noch nie. In ihrem Metier wäre das auch ein unüberwindbares Handicap. Als Leistungssportlerin im Sportklettern zieht es die gebürtige Frankfurterin nach oben. An den Wänden auf anspruchsvollen Routen so hoch hinaus wie möglich zu kommen ist ihr Anspruch an sich selbst. Der Weg ist das Ziel, mag er noch so beschwerlich sein. Dazu braucht sie eine gute Fitness, Bewegungstalent und reichlich Ausdauer. Viel Kraft, viel Fingerspitzengefühl, eine ausgefeilte Technik sowie ein gutes taktisches Verständnis zum Lösen der „Probleme“ in der Wand gehören ebenso dazu. Und in schwierigen Situationen muss der Kopf mitspielen, um sich in der Höhe von allerlei Widrigkeiten nicht unterkriegen zu lassen.

          Diese mentale Stärke war bei Käthe Atkins noch nie ein Problem, „ich habe einen superstarken Willen“, sagt sie. Mit dem sie es bei ihren waghalsigen Aufstiegen, Adrenalinkicks inbegriffen, weit gebracht hat. Zusammen mit drei anderen Sportkletterinnen zählt sie zum Jugend-Nationalkader. Seit Oktober 2019 trainiert sie am Olympia-Stützpunkt in München. Wenn Käthe Atkins 19 geworden ist, wird sie dauerhaft an den Wettbewerben der Frauen teilnehmen können. Völliges Neuland wird das für sie aber nicht sein. 2018 belegte sie in der Disziplin Lead, dem Schwierigkeitsklettern, schon Platz drei bei der deutschen Meisterschaft der Frauen. Im Vorjahr beteiligte sie sich an einem Weltcup in Frankreich. Auch Hessenmeisterin ist sie schon geworden.

          Ihre Begabung hat sie im Himalaya entdeckt. Im Alter von neun Jahren war sie mit ihrer Familie in Nepal zum Wandern auf dem Annapurna Trail. Der Anstoß zum Sportklettern kam von ihrem Guide, der damals der beste Sportkletterer seines Landes war. Seine Begleiter nahm er zu seinem Lieblingsfelsen mit, den er ohne Absicherung bestieg. Danach ermutigte er Käthe Atkins, es – mit entsprechender Sicherung – auch zu probieren. „Er meinte, dass ich mich wie ein Affe in der Wand bewegen würde. Bringt sie zum Klettern“, habe der Guide ihren Vater deshalb aufgefordert, erinnert sie sich. „Für meinen Vater war es an dem Abend schwer, mich aus der Wand zu holen.“

          Als die Familie ein halbes Jahr später von Dubai zurück nach Frankfurt zog, meldete sich Käthe Atkins sofort zum Klettern an. „Bis heute bin ich schwer von der Wand runterzukriegen“, sagt sie. Angst hatte sie beim Sportklettern anfangs nur vor dem Absturz und dem Loslassen an der Wand. Als sie an einer Stelle nicht mehr weiterkam, gab sie erst nach 36 Versuchen auf. Auch das war Ausdruck ihres starken Willens.

          Ihr Fernziel ist Olympia 2024

          Unter ihresgleichen ist Käthe Atkins, die für eine Sportkletterin die stattliche Körpergröße von 1,75 Metern hat, eine Exotin. In Deutschland konzentrieren sich ihre Kolleginnen auf das Bouldern. Das ist das Klettern ohne Gurt und Seil an Felsblöcken und -wänden sowie an künstlichen Kletterwänden. Dabei befinden sich die Kletterer in einer Höhe von 4,5 Metern, aus der sie jederzeit abspringen können, ohne sich zu verletzen, weil unten eine Weichbodenmatte liegt. Beim Lead, der bevorzugten Disziplin von Käthe Atkins, hingegen sind die Wände meistens zwischen 14 und 16 Meter hoch. Die Kletterin ist durch ein Seil gesichert, das sie von unten mitbringt und in Zwischensicherungen einhängt. Hier geht es für sie darum, eine definierte Route in einer vorgegebenen Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern und höher als die anderen zu kommen. „Lead habe ich als Kind immer gemacht.“ Und als das Bouldern vor ein paar Jahren „durch die Decke gegangen“ sei, habe sie eine „starke Fingerverletzung“ gehabt, sagt Käthe Atkins. Im Lead ist sie heute bei den Juniorinnen in Deutschland die Beste, bei den Frauen befindet sie sich schon in den Top drei.

          In München trainiert Käthe Atkins achtmal in der Woche. Die professionelle Anleitung durch den Bundestrainer und das große Pensum bringen sie weiter nach vorne. „Eigentlich habe ich erst jetzt mit dem Sportklettern richtig angefangen.“ In Frankfurt, wo sie 2019 an der Europäischen Schule ihr Abitur gemacht hat, sei sie auf sich allein gestellt gewesen. Ihr Fernziel ist Olympia 2024 in Paris – und auf dem langen Weg dorthin stehen für dieses Jahr die WM im August und die EM der Juniorinnen im Oktober in Russland in ihrem Terminkalender.

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