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Sportgespräch mit Hermann Moos : „Vor dreißig Jahren waren die Fahrer härter“

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Hermann Moos Bild:

Hermann Moos ist die Vaterfigur des Frankfurter Radsports. Auch mit fast achtzig Jahren gehört er noch zu den Organisatoren von „Rund um den Henninger-Trum“, des Rennens, das sein Werk ist und das seines Bruders. Im Sportgespräch blickt Hermann Moos zurück auf acht Jahrzehnte Radsport.

          8 Min.

          Wenn man in die Entstehungsgeschichte von "Rund um den Henninger-Turm" blickt, dann hätte es dieses Radrennen ohne Ihren Familienbetrieb RV Sossenheim wohl gar nicht gegeben.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Schuld an allem, wenn man so will, ist mein Großvater mütterlicherseits. Der hieß Wilhelm Klein und hat 1895 den RV Sossenheim gegründet. Dazu kam kurze Zeit später mein Großvater väterlicherseits als eines der ersten Mitglieder. Der Opa Klein wiederum hatte drei Söhne, und die sind alle Radrennen gefahren. Einer von ihnen sogar noch nach dem Zweiten Weltkrieg. In unserer Familie gibt es kaum einen Verwandten, der nicht im Radfahrerverein war.

          Opa Klein soll auch Räder gebaut haben.

          Genau. Der besaß eine Schlosserei und hat Fahrräder hergestellt. Und das letzte Rad seiner Werkstatt, das hat er für mich gebaut. Als ich fünf Jahre alt war, bekam ich es zu Weihnachten geschenkt. Dieses Rad hatte dann einiges mitgemacht, es wurde später von meinem Bruder Erwin gefahren, dann hatte es ein Cousin von uns, später meine Buben und so weiter. Leider existiert dieses Rad heute nicht mehr. Als 1980 nach einem Hochwasser in Schwalbach unser Keller überschwemmt war, ist das Rad dabei regelrecht untergegangen. Bei den Aufräumarbeiten wurde es fortgeworfen. Leider.

          War dieses legendäre Rad für Sie auch ein Sportgerät?

          Damit bin ich als Bub Rennen gefahren - auf einer selbstgebauten Radrennbahn in Sossenheim, die wir uns in einer der vielen Lehmkauten angelegt hatten. Das war hinter der Gaststätte "Zum Löwen", wo es ein Loch gab, das wir uns mit dem Spaten ein bißchen zurechtgemacht haben, mit erhöhten Kurven und so.

          Wurde Sossenheim erst durch den RV zur Radfahrerhochburg?

          Ja. Der Verein ist schnell groß geworden. Unser Großvater hat um 1900 bereits Radrennen veranstaltet. Mittlerweile sind in Sossenheim Leute in der dritten, vierten Generation Mitglieder. Nehmen Sie als Beispiel Theo Intra. Dessen Großvater ist Rennen gefahren, der Vater, Theo eben - und heute gehen schon wieder so kleine Kerlchen aus dieser Familie an den Start.

          Und wie sahen die sportlichen Aktivitäten der Familie Moos aus?

          Mein Bruder Erwin durfte anfangs gar keine Radrennen fahren. Meine Mutter hatte eigentlich genug von diesem Sport. Sie hatte ja drei Brüder, und alle sind Rennrad gefahren. Stürze, Verletzungen - davon wollte meine Mutter nichts mehr wissen. Also hat Erwin zunächst Handball gespielt, später ging er zum Boxen. Na ja, eines Abends ist er mit einem blauen Auge heimgekommen - von da an durfte er radfahren.

          Sie waren als großer Bruder immer dabei?

          Ja, ich war der "Lange", Erwin war der "Weißkopp", weil er so hellblonde Haare hatte. 1948 gab es im RV Sossenheim die typischen Nachkriegsturbulenzen vieler Sportvereine. Der damalige Vorsitzende war als ehemaliges NSDAP-Mitglied nicht mehr tragbar - Erwin regte dann an, daß ich mich im RV engagieren solle.

          Aber Rennen sind Sie doch nie gefahren?

          Zu meiner Zeit ist man in Rußland radgefahren - im Krieg. Mit siebzehneinhalb Jahren bin ich Soldat geworden, war erst in Frankreich zur Ausbildung und bin dann direkt an die Ostfront versetzt worden. Ich kam in Gefangenschaft, dreimal in russische, einmal in amerikanische, und startete innerhalb einer Woche vier Ausbruchsversuche. Am 15. Mai 1945 war ich dann wieder zu Hause. Da war ich zwanzig Jahre alt und habe unser Geschäft aufgebaut, das anfangs aus einem Kohlehandel und einer kleinen Spedition bestand. Für aktiven Sport gab es für mich damals keine Zeit mehr.

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