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Sport in der Coronakrise : Nur kompletter Verzicht kann helfen

  • -Aktualisiert am

Am besten die Beine stillhalten: Sportverzicht kann in der Corona-Krise helfen. Bild: AFP

Wegen der Schulschließungen haben viele sportbegeisterte Kinder plötzlich sehr viel Zeit. Das könnte für die ohnehin leidgeplagten Eltern zu einem großen Problem werden. Doch eine mögliche Lösung dafür ist ziemlich sinnfrei.

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          Auf den ersten Blick wird es für viele Leistungssportler etwas merkwürdig wirken, wenn die Profifußballvereine in ganz Deutschland nun unisono überbetonen, dass ihre Spieler mit individuellen Trainingsplänen ein eigenverantwortliches Soloprogramm betreiben. Merkwürdig, weil es genügend Sportarten gibt, in denen dies zum Alltag gehört, und es deshalb keiner besonderen Betonung bedarf.

          Der Profifußball aber tickt etwas anders, und deshalb mutet für andere Sportler zwar auch das Angebot zu drei vom Verein organisierten und bereitgestellten Mahlzeiten pro Tag gewiss wie etwas viel Bemutterung an. Restaurantbesuche – solange sie überhaupt noch möglich sind – und damit die unnötigen sozialen Kontakte sollen aber vermieden werden, zudem ist nebenbei auch noch die richtige Ernährung des durchaus verwöhnten Personals garantiert. Denn dass ein junger, vergleichsweise sehr ansprechend verdienender Fußballprofi auch noch gut kochen kann, dürfte sicher die Ausnahme sein.

          Nicht alle haben es gleich gut

          All die anderen Sportler werden in diesen Tagen bei weitem nicht so gut bedient. Die Sporthallen sind für die Vereine geschlossen, viele haben ihre eigenen Anlagen ebenfalls gesperrt und sind damit den Empfehlungen des Landessportbunds gefolgt. Während erwachsene Sportler versuchen, sich – mit einem Trainingsprogramm oder auch selbstgestrickt – irgendwie fit zu halten, wird die Aussperrung vor allem für sportbegeisterte Kinder und damit für die leidgeplagten Eltern ein großes Problem werden. Der Nachwuchs verfügt zum einen durch die Schließung der Schulen plötzlich über viel freie Zeit, muss aber gleichzeitig auch noch auf das gewohnte Training verzichten. Vielen Eltern graust davor, wie die Kinder in den nächsten Wochen zu beschäftigen sind und wie deren nicht befriedigter Bewegungsdrang irgendwie zu kompensieren sein wird.

          Also doch irgendwie alle gemeinsam heimlich auf den Platz gehen? Mancher mag es ohnehin für übertrieben halten, wenn ein Freiluft-Mannschaftstraining derzeit untersagt und abgesagt wird. Aber nur diese Konsequenz kann das Bewusstsein schärfen, in der nächsten Zeit auf einiges freiwillig zu verzichten und die Empfehlungen der Experten ernst zu nehmen. Auf das gemeinsame Training notgedrungen zu verzichten, weil der Platz gesperrt ist, stattdessen aber ein Grillfest, gerade bei den Frühlingstemperaturen in dieser Woche sehr verlockend, zu veranstalten, darf man deshalb als ziemlich sinnfrei ansehen.

          Vereine und Trainer müssen mit gutem Beispiel vorangehen und haben in diesen Tagen auch den verantwortungsvollen pädagogischen Auftrag, gerade ihren jungen Sportlern dies nahezubringen – auch wenn nun wertvolle Übungszeit verlorengehen wird. Dieser Verzicht ist mindestens genauso wichtig wie das richtige Essen für die Fußballprofis.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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