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Sport in Corona-Zeiten : Heißes Herz, kühler Verstand

  • -Aktualisiert am

Die Organisation von Sportereignissen ist nicht leicht dieser Tage. Bild: EPA

Die Organisation von Wettkämpfen in diesen Zeiten, von Sport in der Gemeinschaft, ist zweifellos eine schwierige, nicht schmerzfreie Gratwanderung. Sie ist aber ohne Absturz möglich – wenn man es richtig macht.

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          Was ist das für ein Gefühl für einen Athleten? Im März mit dem Team und allen Konkurrenten aus dem Spiel genommen, als der ersehnte Aufstieg in Reichweite schien. Stattdessen Kurzarbeit, monatelang das Training ohne Hallenzugang irgendwie selbst organisiert. Schließlich im August endlich ins Mannschaftstraining eingestiegen.

          Aber einen Tag vor dem Saisonstart kommt die Hiobsbotschaft: Alle Mann vorerst für zwei Wochen in häusliche Quarantäne, weil vier positiv getestet wurden. Kein Teamtraining, kein Einzeltraining, Waldlauf, die Wand anschauen im Apartment, vielleicht Schule und Ausbildung irgendwie virtuell fortsetzen – oder in den Fernseher glotzen. So sind die Regeln, wenn auch nicht in jedem Bundesland.

          Wenn es wieder losgeht, dann haben die Hanauer einen Rückstand aufzuholen. Aber das erscheint zweitrangig angesichts des Szenarios im trüben Herbst. Er ist gemeinhin bestimmt vom Auftakt der Hallensportarten. In Hessen geht es endlich auch abseits des Fußballs wieder rund. Die Sportkultur in diesem Land, auch in der Breite, zeigt nach dem ersten Lockdown und der Sommerpause wieder ihre große Vielfalt.

          Aber was den Hanauern geschah, wird auch andere erfassen, wenn nicht heute, dann morgen. Der sich abzeichnende Frust, wieder jäh ausgebremst zu werden, ist verständlich. So wie der Rückzug aus einer Risikozone vernünftig erscheint. Hessische Amateurteams, so ist zu hören, wollen sich nicht darauf verlassen, dass ihre Gegner so vorsichtig sind wie sie selbst im Umgang mit dem Virus. Denn kenn ich den, gegen den ich spielen darf oder soll oder sogar muss?

          Eine Meisterschaft sollte nie Vorrang haben vor einem zu befürchtenden Zugriff des Coronavirus. Aber dessen Zersetzungskraft entfaltet eine größere Wirkung, wenn sie hingenommen wird. Die Organisation von Wettkämpfen in diesen Zeiten, von Sport in der Gemeinschaft, ist zweifellos eine schwierige, nicht schmerzfreie Gratwanderung. Sie ist aber ohne Absturz möglich, falls das Herz heiß und der Verstand kühl bleibt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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