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Kickers Offenbach : „Die dritte Liga sollte aufgestockt werden“

  • -Aktualisiert am

Wann geht es weiter? Auch den Kickers aus Offenbach setzt die Corona-Krise mächtig zu. Bild: Helmut Fricke

Thomas Sobotzik ist Geschäftsführer der Kickers Offenbach. Im Interview spricht er über ein mögliches Aufstiegsszenario, die zwei Welten in der Regionalliga und mögliche Schadensersatzansprüche.

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          Es gibt Regionalliga-Vereine, die die Saison aufgrund der Corona-Pandemie am liebsten für beendet erklären würden. Für diese Klubs sind Geisterspiele ohne Zuschauer keine Option. Denn ohne das von ihnen jetzt beantragte Kurzarbeitergeld müssten sie bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs wieder die vollen Gehaltszahlungen an die Spieler leisten. Ist das auch die Position der Kickers?

          Nein. Im Hinblick auf alle fünf Regionalligen gibt es zwei Welten. Auf der einen Seite sind die Vereine, die so gut wie keine Extrakosten für die Infrastruktur haben. Deren Gesamtkosten sich auf den Spielerkader beschränken. Und die dabei größtenteils kaum sozialversicherungspflichtige Ausgaben haben. Sie können die Spielergehälter im Prinzip von heute auf morgen fast auf null stellen. Dadurch könnten sie auch ein paar Monate warten, bis der Spielbetrieb wieder losgeht.

          Wie ist es beim OFC?

          Klubs wie Rot-Weiss Essen, Alemannia Aachen, Energie Cottbus und wir haben eine völlig andere Sachlage, was unsere Kosten und die Regresspflicht gegenüber unseren Partnern, Sponsoren und den Fans angeht. Für unsere Werbeeinnahmen müssen wir eine Gegenleistung erbringen. Ohne weitere Zuschauereinnahmen in dieser Saison würde dem OFC alles in allem ein Gesamtschaden im siebenstelligen Bereich entstehen.

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          Wofür plädieren Sie?

          Ich bin dafür, dass gespielt wird, wenn es möglich ist. Damals erging anlässlich des Heimspiels gegen Homburg, das dann doch abgesagt wurde, als erste Verfügung für uns, dass maximal 1000 Zuschauer im Stadion auf dem Bieberer Berg sein dürfen. Für die meisten Vereine in der Regionalliga würde das bedeuten, dass sie – in Anführungsstrichen – vor vollem Haus spielen. Mit einem Schnitt bei uns von bisher rund 6000 Zuschauern würde das die Kickers zwar am härtesten treffen. Für uns wäre das aber die bessere von sehr schlechten Möglichkeiten, die aktuell zur Wahl stehen. Das Konstrukt Regionalliga, wie es heute besteht, ist sehr schwierig und kaum zukunftsfähig.

          Warum?

          Wenn du zwei Welten innerhalb einer Liga hast, können sich die anderen Vereine nur schwer in die Situation der Klubs hineindenken, die im Monat erhebliche Fixkosten haben, die du stemmen und erst einmal erwirtschaften musst. In der jetzigen Situation muss man sich mit dem Thema auseinandersetzen, ob die vorhandenen Strukturen so bestehen bleiben können. Denn in der Krise kommt dieses Missverhältnis noch stärker zum Tragen. Man sollte die Sache zum Anlass nehmen, sich neu aufzustellen.

          In welcher Form?

          Die dritte Liga sollte aufgestockt werden. Entweder über eine Liga mit 24 Mannschaften oder womöglich mit zwei Staffeln. Alle Regionalliga-Vereine, die der Auffassung sind, die dritte Liga im Lizenzierungsverfahren des DFB stemmen zu können, sollten die Möglichkeit erhalten, sich zu bewerben. Damit könnten in Zukunft ein Teil der entgangenen Einnahmen aus dieser Saison über mehr und attraktivere Spiele ausgeglichen werden. Das ist meinerseits keine Forderung. Ich denke in Abstimmung mit anderen Vereinen nur laut nach. Unser aller Ziel muss ja sein, in dieser Zeit so viele Vereine wie möglich am Leben zu halten. Wenn man nichts tun würde, befürchte ich, dass am Ende viele Vereine über die Wupper gehen würden.

          „Die Regionalliga in der jetzigen Form ist nicht Fisch und nicht Fleisch“: Thomas Sobotzik

          Wie realistisch ist es, dass die dritte Liga aufgestockt wird?

          Stand jetzt, glaube ich, ist man noch nicht so weit beim DFB. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass das Ganze in den kommenden Tagen und Wochen eine unfassbare Eigendynamik entwickeln wird. Von Tag zu Tag wird die Not nämlich größer. Und je länger der Zustand andauert, desto weniger Optionen wird es zum Schluss geben. Die Idee mit der Aufstockung der dritten Liga würde sowohl den in der Regionalliga am meisten durch die Krise gebeutelten Vereinen als auch den aktuellen Drittligisten helfen und nebenbei die Fußballverbände vor einer Klagewelle der Vereine bewahren.

          Könnte der OFC wirtschaftlich die Voraussetzungen für die dritte Liga erfüllen?

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