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Zwischen Eintracht und DFB-Team : Sjoeke Nüsken, die Vielbeschäftigte

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Zur Not nimmt es Sjoeke Nüsken wie im Länderspiel gegen Frankreich auch mit zwei Gegnerinnen auf. Bild: dpa

Sjoeke Nüsken gelingt im Schnellkurs die Entwicklung vom vielversprechenden Talent zur unverzichtbaren Stammspielerin bei der Eintracht. Jetzt steht sie wieder mit der Nationalmannschaft auf dem Feld.

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          Es kommt vor, dass Sjoeke Nüsken mit Inline-Skates zur (Trainings-)Arbeit bei der Frankfurter Eintracht fährt. Überhaupt ist in ihrer Fußballkarriere in den vergangenen Monaten einiges ins Rollen gekommen. „Es war eine intensive und erfolgreiche Zeit, in der ich viel erleben durfte. Ich habe die Zeit sehr genossen und natürlich Lust auf mehr bekommen“, sagt die mit 20 Jahren schon Vielbeschäftigte.

          Seit Saisonbeginn ist Sjoeke Nüssken im Dauereinsatz: Sie hat die Bundesligasaison mit der SGE gespielt, hat alle DFB-Pokalrunden bis ins Finale absolviert, war bei Lehrgängen der A-Nationalmannschaft dabei und hat ihre ersten vier Länderspiele gemacht. Dazu studiert sie Bauingenieurswesen in Wiesbaden. Da kann man nach dem letzten Länderspiel des Jahres an diesem Dienstag (15.00 Uhr im ZDF) in Offenbach gegen Chile schon mal urlaubsreif sein. Allzu viel Zeit zur Erholung bleibt Sjoeke Nüssken aber nicht, denn als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr steht im Juli für sie die vierwöchige Grundausbildung an.

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          Fußballerisch war diese Spielzeit aber eher ein Schnellkurs für sie. Und zwar von einer hochveranlagten Nachwuchskraft, die in jungen Jahren schon einige Verletzungssorgen hatte und ihren (Stamm-)Platz im Eintracht-Team erst finden musste, zum schier unersetzlichen Mittelfeld-Motor im Klub und zu einer Spielerin, auf die Martina Voss-Tecklenburg große Stücke hält. „Sie ist spielintelligent, körperlich robust und trifft viele richtige Entscheidungen“, sagt die Bundestrainerin und hatte keine Sorge, an Sjoeke Nüssken gegen einen Topgegner wie Frankreich einen 90-minütigen Platz im zentralen defensiven Mittelfeld zu vergeben.

          Ein vierköpfiger Frankfurt-Block

          Bei der 0:1-Niederlage im Match in Straßburg am vergangenen Donnerstag war mit Torhüterin Merle Frohms eine zweite Eintracht-Spielerin über die volle Spieldauer im Einsatz. Die 26-Jährige ließ sich zwar durch einen Distanzschuss überraschen, machte mit starken Reflexen aber auch französische Großchancen zunichte.

          Dass die Nationalmannschaft wieder über einen starken vierköpfigen Frankfurter Block verfügt, ist eine Errungenschaft dieser Spielzeit. Innenverteidigerin Sophia Kleinherne und Angreiferin Laura Freigang werden aller Voraussicht nach beim Saisonabschluss und „Heimspiel“ auf dem Bieberer Berg zur Startelf gehören. Wegen der aktuell niedrigen Inzidenzwert in Offenbach dürfen gegen Chile bis zu 1000 Zuschauer in Stadion. Der DFB vergibt die Karten kostenlos an „Vereine, Fans und systemrelevante Personen“, wie der Verband mitteilte. Die deutsche Frauenauswahl wird bei dieser Gelegenheit nachmittags in den schwarzen EM-Trikots der Männer auflaufen – als Signal an die männlichen Kollegen, die sieben Stunden später am Abend in ihr Turnier starten.

          Sjoeke Nüssken hat jedenfalls noch nicht genug von ihrem ersten Länderspieljahr. Die gebürtige Westfälin hofft zumindest auf einen Kurzeinsatz gegen den südamerikanischen Weltranglistensiebenunddreißigsten, auch weil nach langer Zeit mal wieder Familienmitglieder im Stadion sein werden. „Ich denke, dass mein Spiel reifer und erwachsener geworden ist“, sagt Sjoeke Nüssken, die noch bis zur A-Jugend in ihrer westfälischen Heimat mit Sondergenehmigung mit Jungs gespielt hat.

          „Das hat mich auch körperlich und von der Mentalität geprägt, hat mich sozusagen abgehärtet“, sagt sie. Eine besondere Kostprobe ihrer Entwicklung gab sie unlängst beim verlorenen Pokal-Finale mit der Eintracht gegen den VfL Wolfsburg. Mit ihrer Ruhe am Ball sowie Übersicht und Geschick in den Zweikämpfen gab sie ihrer Mannschaft in der Zentrale Halt.

          Die 20-Jährige sagt, das sie die Niederlage wenige Sekunden vor Ablauf der Verlängerung zwar als „unendlich bitter“ empfunden hätte, mit ihrer eigenen Leistung aber zufrieden war. „In Zukunft will ich die Mannschaft führen und mehr und mehr in diese Rolle hineinwachsen. Letztlich ist es aber wie immer im Leben: Es ist immer noch Luft nach oben“, sagt der Rotschopf, der mit seiner Laufstärke Gegnerinnen auch zermürben kann. Zumal sie sich auch ins Offensivspiel einschaltet, ihren Pässen in die Tiefe gerne nachgeht und so auch selbst immer wieder mal zum Abschluss kommt. Für die Eintracht erzielte sie in ihren ersten 39 Bundesligapartien sieben Tore, für die deutsche Auswahl war sie auch schon einmal erfolgreich.

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          Mit der Wolfsburgerin Lena Oberdorf ist Sjoeke Nüsken aktuell die jüngste Nationalspielerin im ersatzgeschwächten Aufgebot von Martina Voss-Tecklenburg. „Noch einmal Vollgas geben“, lautet Sjoeke Nüskens Losung für das letzte Frauenfußball-Match mit deutscher Beteiligung in diesem Spieljahr. Für die olympischen Spiel in Tokio ist die DFB-Auswahl nicht qualifiziert. So kann Sjoeke Nüssken, die Vielbeschäftigte, im Sommer die immerhin die Bundeswehr-Ausbildung abhaken. Und dann? „Ich hoffe“, sagt sie, „dass dann wieder viel auf mich zukommen wird.“

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