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Eintracht Frankfurt : „Papi“ im Kampfmodus

  • -Aktualisiert am

Nach der Standpauke: Armin Veh ist die Laune ins Gesicht geschrieben. Bild: Heiko Rohde

Trainer Armin Veh macht seinen vermeintlichen Führungsspielern Druck. In der Winterpause soll die Mannschaft verstärkt werden. Trotz der Krise gibt es aber auch gute Nachrichten aus dem Riederwald.

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          Armin Veh hätte sich das gerne erspart. Aber das klägliche 0:1 der Frankfurter Eintracht zu Hause im Bundesliga-Derby gegen Darmstadt 98 schaffte es aus seiner Sicht leider in die persönlichen Top 10 des Fußballlehrers. In die Hitliste der Spiele, die ihn von rund 600 miterlebten Begegnungen – so seine Einschätzung – am meisten „genervt“ hätten. „Ich bin so richtig angefressen“, sagte der Eintracht-Coach am Mittwoch nach der verschärften Trainingseinheit und wiederholte sich kurz darauf: „Ich bin angefressen – und zwar richtig.“ Drei Tage lag die Blamage bereits zurück, doch sein Verhalten zeigte, dass für ihn mit dem pomadigen Auftritt gegen den Aufsteiger eine Grenze überschritten wurde. Ihm reicht es, er ist stinksauer. „Dieses Spiel hat mir den Rest gegeben“, schimpfte er. „Ich bin total enttäuscht von der Leistung.“

          Führungsspieler stecken im Formtief

          Veh, der selten so aufgewühlt in seiner Frankfurter Zeit war, will sich den bedenklichen Leistungsabfall seiner Mannschaft nicht mehr gefallen lassen. Nun bedürfe es einer Selbstreinigung bei der Eintracht. „Fußball ist nicht immer nur Freude, es ist auch eine ernsthafte Sache“, warnte er. „Sonst lachen wir uns in den Abstieg.“ Vier Tage vor dem schweren Auswärtsspiel gegen Borussia Dortmund ging der 54-Jährige in den Kampfmodus über. Rückzug? Auf keinen Fall. „Ich gehe hier nicht“, betonte der Trainer. „Eher gehen ein paar andere, bevor ich gehe. Ich hänge zu sehr an der Sache.“ Nach fünf Spielen ohne Erfolgserlebnis gab Veh zu verstehen, dass er voller Elan sei. Und Taten fordert er nun auch mit aller Entschiedenheit von seinen Spielern. Vor allem von den im Formtief steckenden Führungsspielern, die er am Mittwoch mit deutlichen Worten in die Verantwortung nahm. Zunächst in seiner strengen Ansprache vor der Mannschaft. Und dann auch im Gespräch mit den Medienvertretern. „Es ist an der Zeit, dass nicht ein 19-Jähriger die Mannschaft führen muss. Das sollten die vermeintlichen Führungsspieler tun“, fordert der Trainer.

          Konkurrenzkampf soll durch Winterzugänge neu entfacht werden

          Namen nannte er keine. Aber dazu gehören Bastian Oczipka und Stefan Aigner. Stefan Reinartz, Makoto Hasebe, Marco Russ und Alexander Meier dürfte er ebenfalls gemeint haben. Sie alle erfüllen die Erwartungen nicht. Und jeder von ihnen verfügt über mehr Erfahrung als Marc Stendera, der an diesem Donnerstag 20 Jahre alt wird. „Ich muss mir jetzt als Mannschaft etwas einfallen lassen. Ich verlange, dass die Spieler etwas tun und nicht nur reden. Sie müssen sich als Mannschaft zusammenreißen“, sagte Veh. „Es ist ganz wichtig, dass die Spieler selbst zu der Erkenntnis kommen, dass sie eine Saison spielen, die nicht den eigenen Ansprüchen genügt. Eigenverantwortlich zu sein heißt nicht, dass immer die anderen schuld sind. Man kann nicht verlangen, dass immer der Papi alles rettet.“ Und weiter: „Ich muss doch mal aufstehen und stehen.“ Fürs Wegducken fehlt ihm das Verständnis. Veh ist das Trauerspiel gegen Darmstadt hörbar „an die Nieren“ gegangen. Ein Duell, in dem die Eintracht nur 41 Prozent der direkten Zweikämpfe gewonnen hat. „Ich würde mich schämen“, sagte er. „Es geht um die elementaren Dinge, die ich von einem Profi verlangen kann.“ Dass die „Lilien“ den Frankfurtern den Schneid abkauften, ärgerte ihn maßlos. „Und dieser Wagner verarscht uns auch noch.“ Für Veh kam am vergangenen Sonntag viel zusammen. Aber: „Es gibt auch noch ein Rückspiel.“

          In den kommenden Wochen muss und wird sich bei der Eintracht einiges ändern. „Wir brauchen einen neuen Geist.“ Ihn zu entwickeln, legte der Trainer seinen Spielern auf. Im Kampf gegen den Abstieg werden sich die Frankfurter aber auch mit neuen Spielern verstärken. „Personell müssen wir etwas tun“, sagte Veh. „Es wäre für mich ein katastrophales Zeichen, wenn wir es so lassen.“ Er sprach von einer „ganz schwierigen Situation, die wir meistern müssen. Ich habe schon vor ein paar Wochen gesagt, dass ich etwas sehe. Und man muss Dinge verändern, wenn man sie erkennt.“ Nach den Worten von Bruno Hübner wird die Eintracht im Winter „auf die Reset-Taste drücken“ und den Konkurrenzkampf neu entfachen. „Es ist die einzige Chance, die Mannschaft wachzurütteln, indem wir für frisches Blut sorgen“, sagte der Sportdirektor. Bei den Neuverpflichtungen will die Eintracht einen guten „Mix“ zusammenstellen. Der soll zum einen aus Spielern bestehen, die dem Verein kurzfristig weiterhelfen würden. In diesem Fall wären das Leihgeschäfte.

          Johannes Flum kann Karriere wohl fortsetzen

          Die Hessen suchen aber auch nach spielstarken Profis, die die Mannschaft über das Saisonende hinaus stärker machen. Wie viele Neuzugänge es geben wird, sagte Hübner nicht. Es gilt als sicher, dass die Eintracht die linke Außenbahn im Mittelfeld und die Rechtsverteidigerposition neu besetzen wird. Auch im Sturm besteht Bedarf. „Beim Budget haben wir eine Vorgabe“, sagte Hübner. „Bei einer außergewöhnlichen Situation muss man sie separat bewerten.“ Die neuen Spieler sollen schon mit in das Trainingslager nach Abu Dhabi (4. bis 13. Januar) reisen.

          Wie Veh, der den verletzten Stürmer Luc Castaignos erst im Februar zurückerwartet, nahm der Sportdirektor die Führungsspieler in die Pflicht. „Jetzt müssen sie die Leistung abrufen, die der Eintracht gerecht wird.“ Trotz aller Kritik rückt der Trainer von seinen Spielern nicht ab. „Das sind ordentliche und feine Jungs“, sagte er. Den Menschen Johannes Flum schätzt Veh besonders. Nach seiner schweren Knieverletzung konnte der Mittelfeldspieler am Mittwoch die Klinik verlassen. Mindestens ein halbes Jahr wird er nun eine Pause vom Fußball einlegen müssen. Was aber am wichtigsten ist: Flum geht fest davon aus, seine Karriere fortsetzen zu können.

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