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SG Sonnenhof Großaspach : Boysen und die alte Liebe

  • -Aktualisiert am

Viele gemeinsame Erinnerungen: Trainer Hans-Jürgen Boysen trifft abermals auf die Offenbacher. Bild: Imago

Hans-Jürgen Boysen verbindet eine bewegte Fußballgeschichte mit dem Rhein-Main-Gebiet. Mit Großaspach trifft der dreimalige Kickers-Trainer nun wieder auf den OFC. Das weckt Erinnerungen.

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          In den ersten zwei, drei Jahren ohne Trainerposten litt der Fußballlehrer Hans-Jürgen Boysen noch. Nach seiner Entlassung im März 2014 beim damaligen Regionalligaklub Wormatia Worms fehlten dem heute 63-Jährigen der jahrzehntelang so vertraute „Stallgeruch“ und die „Seitenlinie“. Aber dann sei es „auch weniger“ geworden. „Und wenn man so lange draußen ist, geht die Tendenz irgendwann dahin, zu sagen, es war eine super Zeit.“

          Kurzum: Boysen hätte sich „auch damit abfinden können, wenn es so bleibt“. Wenn er sich weiter vor allem um seine „junge Familie“ mit den sechs und dreizehn Jahre alten Töchtern gekümmert hätte. Doch aus seinem Fußball-Ruhestand ist nichts geworden. Seit Februar dieses Jahres ist der gebürtige Mannheimer zurück im Geschäft – beim jetzigen Regionalligaverein SG Sonnenhof Großaspach, den er nicht vor dem Drittliga-Abstieg bewahren konnte. An diesem Freitag (19 Uhr) trifft Boysen auf einen ihm sehr vertrauten alten Bekannten: die Offenbacher Kickers. Dreimal – das erste Mal von 1997 an – hat er auf dem Bieberer Berg gearbeitet. Zweimal ist der OFC unter ihm in die zweite Bundesliga aufgestiegen. Das waren noch erfolgreiche Zeiten beim Traditionsverein, der seit vielen Jahren in der ungeliebten vierthöchsten Klasse feststeckt.

          „Seit meinem ersten Job bei den Kickers war ich immer Fan vom OFC“, sagt Boysen. Seine emotional tiefe Bindung zu den Kickers ist nie verlorengegangen. „Mit Argusaugen“ habe er die Entwicklung in Offenbach verfolgt, sagt er. Nur zu gut hätte sich Boysen „auch ein viertes Engagement“ auf dem Bieberer Berg vorstellen können. Und tatsächlich: Nach der Entlassung von Trainer Daniel Steuernagel im September 2019 führten die Offenbacher ein Gespräch mit ihm. „Das Präsidium hat sich dann anders entschieden, was auch in Ordnung ist“ – der ehemalige Karlsruher und Saarbrücker Bundesligaspieler trauert der Sache nicht nach. Denn heute ist Boysen in seiner Heimat Aspach, wo er seit zwei Jahrzehnten lebt, wieder mit Herzblut dabei. Er ist mit Katrin Boysen-Ferber verheiratet, die ortsansässige Hoteliersfamilie ist mit ihrem Erlebnishotel im Vereinsnamen präsent.

          Boysens „Freundschaftsdienst“

          Das Großaspacher Vorstandsmitglied Michael Ferber wertet die Mitarbeit von Boysen als „Freundschaftsdienst“. Im November 2007, damals in der Oberliga, war der Trainer schon einmal für vier Spiele nach dem plötzlichen Weggang vom heutigen Kölner Bundesligatrainer Markus Gisdol eingesprungen. Nun soll Boysen mindestens bis zum Saisonende die Aufgabe in Großaspach wahrnehmen. Anstelle des Wiederaufstiegs ist zunächst der „Wiederaufbau“ nach einem „radikalen Umbruch“ das Ziel des Klubs aus der Nähe von Stuttgart. Dort stehen der ehemalige Darmstädter Sandro Sirigu und der frühere Eintracht-Jungprofi Joel Gerezgiher unter Vertrag. „Wir haben einen sehr jungen Kader und eine sehr gute individuelle Qualität“, findet Boysen. „Wenn alle topfit und wir eingespielt sind, werden wir eine schwer zu schlagende Mannschaft sein.“

          Das Rhein-Main-Gebiet war lange die bevorzugte Arbeitsplattform von Boysen. Von Oktober 2009 bis Dezember 2011 bestimmte er beim FSV Frankfurt sportlich die Marschrichtung. Damals wechselte er vom tabellarisch zweitbesten Drittligaklub Kickers Offenbach zum zweitschlechtesten Zweitligaverein FSV. Dass die Bornheimer Boysen, der kein Vertrauensverhältnis zum damaligen Kickers-Sportmanager Andreas Möller hatte, erfolgreich abwerben konnten, sorgte für mächtig Zündstoff zwischen den Klubs. Boysen selbst, von dem sich der OFC zweimal in der zweiten Liga getrennt hatte, scheute nie Konflikte, wenn ihm etwas gegen den Strich ging. Mit seinem gelegentlichen Starrsinn stand er sich jedoch selbst im Weg. Größeres diplomatisches Geschick in der einen oder anderen Situation hätte ihm womöglich zu einer noch längeren Trainerkarriere in der zweiten Liga verholfen, die für ihn im Sommer 2013 beim SV Sandhausen endete.

          Auch für die Kickers scheint diese Spielklasse mittlerweile unerreichbar zu sein. Woran das liegt? Er sei „zu weit weg, um die Gründe nachvollziehen zu können“, sagt Boysen. Aber es habe „ein Stück weit die Kontinuität gefehlt – sowohl im Präsidium als auch bei den sportlich Verantwortlichen. Die Wechsel waren zu häufig, um etwas zu entwickeln und voranzutreiben“. Eines steht für ihn aber fest: „Die Kickers-Fans, die Fankultur, das Stadion und der Verein OFC gehören nicht in die vierte Spielklasse.“

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