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Segler Felix Laukhardt : „Das Wasser ist das Element meines Lebens“

  • -Aktualisiert am

Auch wenn er gerade nicht auf dem Gardasee trainieren kann: Von der Pandemie lässt sich Felix Laukhardt nicht aufhalten. Bild: Felix Laukhardt

Die Pandemie hält Felix Laukhardt auf dem Main fest. Der junge Segler aus Offenbach muss beim Training momentan improvisieren. Aber er macht weiter – und arbeitet für den Traum von Olympia.

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          Auf der Homepage von Felix Laukhardt stößt man schon auf den ersten Blick auf seinen Lieblingsort. Drei Bilder zeigen den Segler in Aktion. Und direkt unter seinem Namen steht ganz oben: „Trefft mich auf dem Wasser!“ Gäbe es die Corona-Pandemie nicht, wäre der 21 Jahre alte Sportler vom Segelclub Undine e.V. Offenbach momentan am Gardasee in Italien anzutreffen. Organisiert vom niedersächsischen Landesverband, der mit Hessen kooperiert, hätte der erste große Trainingsblock in diesem Jahr über zehn Tage stattgefunden. „Grundlegend“ wäre dieser gewesen, sagt Laukhardt, doch nun fällt das wichtige Camp wie im Vorjahr aus.

          In jüngeren Jahren trug er den Spitznamen „kleiner Hesse“, als er mit den Niedersachsen zusammen trainierte. Heute müsste der Sportstudent aus Frankfurt mit den Worten „großer Hesse“ angesprochen werden. Denn Laukhardt ist aktueller deutscher Meister in der olympischen Bootsklasse Laser Standard. Das sei „schon die Königsdiziplin. Das Besondere ist, dass das Boot sehr wenig technisches Knowhow benötigt. Dadurch, dass die Segler mehr leisten können müssen, sind die Rennen auch deutlich enger, weil es nicht auf das Material ankommt, sondern wirklich auf den Segler selbst und dessen Fähigkeiten“, sagt er.

          Biss in die Medaille: Olympia bleibt Laukhardts großes Ziel.
          Biss in die Medaille: Olympia bleibt Laukhardts großes Ziel. : Bild: Felix Laukhardt

          Als „Regatta meines Lebens“ ist Laukhardt der Titelgewinn im Oktober des vergangenen Jahres in bester Erinnerung geblieben. Damals spielten ihm die Bedingungen auf dem Zwenkauer See in der Nähe von Leipzig in die Karten. Es gab viele Winddreher, „das liegt einem, der vom Main kommt. Meine Konkurrenten, die nur gleichbleibende Winde gewohnt sind, hatten da größere Probleme“, sagt Laukhardt.

          Die Pandemie lässt dem erfolgreichsten Sportler in seinem Verein keine Wahl. In diesem Frühjahr kann Laukhardt „nur auf dem Main“ trainieren. Solange es der Wind zulässt. Alle zwei Tage versucht er, mit seiner Einhand-Jolle, dem sogenannten Laser, auf dem Wasser zu sein. Immer zwischen der Carl-Ulrich-Brücke und der Kaiserleibrücke vor der Offenbacher Schleuse ist er dann unterwegs, das sind die Ortsmarken seines heimischen Segelreviers. Die vorbeifahrenden Schiffe kommen ihm nicht in die Quere. „Das geht gut, ich weiß, wo die langfahren“, berichtet Laukhardt.

          Am Olympischen Traum hält er fest

          Weniger vorteilhaft ist für seine Ansprüche, „dass das Wellentraining an sich komplett wegfällt. Ich kann nicht wirklich üben, mit den Wellen umzugehen.“ Auch keine längeren Strecken segeln zu können schränkt ihn in seinem Aktionsradius ein. „Es ist alles ein bisschen kürzer getaktet dadurch, dass der Fluss nicht so breit ist.“ Die vielen Trainingspartner, mit denen er die Starts und Boot-zu-Boot-Situationen üben kann, fehlen ihm ebenfalls.

          Momentan übt er meist mit einem Kollegen zusammen, normalerweise sind es zwischen sechs und zehn. Immerhin kann Laukhardt, der in seiner Jugend bereits an vier Weltmeisterschaften teilnahm, „Manöver und Winddrehungen“ auf dem Main trainieren. Der Gardasee würde zu „hundert Prozent“ seinen Bedürfnissen als Segler entsprechen, „hier sind es zwischen 60 und 70 Prozent. Wer vom Main direkt zur Kieler Woche kommt, hat auf jeden Fall einen Nachteil, auch wenn man einiges so ein bisschen ausgleichen kann“, meint er.

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          Was kommende Wettbewerbe betrifft, geht Laukhardt davon aus, dass „spätestens“ die in den September verschobene Kieler Woche stattfinden wird. An den Olympischen Spielen teilzunehmen ist sein größter Traum. Nur ist dieser „wahrscheinlich nicht besonders realistisch“. Dafür müsste Laukhardt nämlich „an der Ostsee oder irgendeinem anderen Seegewässer“ leben und fast jeden Tag trainieren. Er aber hat sich nach dem Abitur für den „vernünftigeren Weg“ und sein Sportstudium entschieden.

          „Auf der Welt gibt es vielleicht hundert Segler, die davon leben können“, erzählt Laukhardt. Er will das Segeln „in intensivem Rahmen weiterführen und schauen, was sich ergibt“. Sein Wettkampf- und Idealgewicht hat er auch wegen der geschlossenen Fitnessstudios in den vergangenen Monaten noch nicht erreicht. 85 Kilo sollen es in seiner Klasse werden, um dem Segeldruck richtig entgegenwirken zu können, „etwa 81“ sind es heute. „Segeln ist eine relativ gewichtsorientierte Sportart“, sagt Laukhardt.

          Das Windsurfen ist auch eine Leidenschaft von ihm. Außerdem schwimmt er gern, und bei Flaute paddelt er auf dem SUP-Board. „Ja, das Wasser ist das Element meines Lebens“, sagt der Frankfurter. Als Spitzensegler muss er „unheimlich entscheidungsfreudig“ sein. „Und man muss eine große Wahrnehmungsbreite haben. Man muss antizipieren können: Was werden meine Gegner tun? Was ist mit dem Wind? Man muss den Blick nach oben haben, welche Wolken ziehen da gerade lang?“

          Kurzum: „Es spielen viele Komponenten mit rein, die man alle im Auge behalten muss, um daraus möglichst viele Vorteile für sich ziehen zu können.“ Laukhardt fährt auch gern Mountainbike, dort brauche man ebenfalls „ein bisschen Voraussicht, wie zum Beispiel der Trail verläuft“, sagt er. Auf dem Wasser Kurs auf seine Titelverteidigung will Laukhardt im Oktober auf dem Starnberger See nehmen. Es spricht einiges dafür, dass er weiter auf der Welle des Erfolgs segeln wird. „Das ist auch ein Binnengewässer. Das liegt mir ein bisschen mehr.“

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